COP30: Gegner des Ausstiegs aus fossilen Energien, die keine sind

Während bei der Klimakonferenz rund 80 Staaten einen Fahrplan zum Ausstieg aus fossilen Energien befürworteten, waren laut brasilianischer COP-Präsidentschaft genauso viele dagegen. Doch eine neue Analyse hegt begründete Zweifel an diesem Verhältnis.
02.12.2025 – Es war der entscheidende Knackpunkt in den finalen Stunden der Verhandlungen der COP30 – der Weltklimakonferenz – die vorletztes Wochenende zu Ende ging. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hatte es bereits vor Beginn der COP gefordert, Kolumbien eine entsprechende Roadmap initiiert: einen Fahrplan zum Ausstieg aus fossilen Energien.
Kurz vor Ende der Klimakonferenz stellten sich 83 Länder hinter einen verbindlichen Fahrplan und die Aufnahme diesen in einen offiziellen COP-Beschluss. 29 Staaten – darunter Kolumbien, Chile, die Marshall-Inseln und zahlreiche EU-Länder – unterzeichneten zudem einen eindringlichen Brief an die COP-Präsidentschaft, in dem sie androhten, kein Abschlusspapier mitzutragen, falls kein Fahrplan für den fossilen Ausstieg enthalten ist.
Das Vorgehen scheiterte jedoch. Es waren vermeintlich zu viele Länder am Ende gegen den Antrag, der Beschluss aber muss im Konsens erfolgen. Nun sollen freiwillige Initiativen und möglichst viele teilnehmende Länder an Konferenzen, einem fossilen Ausstiegsplan doch noch zum Erfolg verhelfen. Und daran könnten doch einige Länder mehr teilnehmen, als zunächst vermutet.
Wirklich rund 80 gegen 80?
Laut den Klimaexpert:innen und investigativen Rechercheuren von Carbon Brief sprach der brasilianische COP-Präsident in den finalen Stunden der Verhandlungen von rund 80 Staaten für und 80 Staaten gegen den Fahrplan. Daher sei eine Konsensus-Entscheidung nicht möglich. Das nahm Carbon Brief zum Anlass, sich die Staaten einmal genauer anzuschauen. Dafür bekamen sie eine informelle Liste der brasilianischen COP-Präsidentschaft zugespielt, mit 84 Staaten, die vermeintlich die Aufnahme des Fahrplans in den Beschluss blockierten.
Die Analyse der Liste aber zeigte, dass allein 14 Länder sowohl auf der Liste der Befürworter wie der Gegner des fossilen Ausstiegs standen. Namentlich waren das: Bahrain; Bulgarien; Komoren; Kuba; Tschechische Republik; Guinea-Bissau; Haiti; Ungarn; Kiribati; Nepal; Sierra Leone; Solomon Inseln; Timor-Leste und Tuvalu.
Auch war der gesamte 42 Staaten große Block der LDCs – der sogenannten Least Developed Countries, der am wenigsten entwickelten Länder – in der Liste der Gegner des Fahrplans enthalten. Manjeet Dhakal ist Leiter des Unterstützerteams für den LDC-Block und erklärte gegenüber Carbon Brief: Die LDC-Gruppe hat niemals einen fossilen Ausstiegsfahrplan blockiert, einige haben diesen ganz im Gegenteil befürwortet, dazu gehört auch Nepal.“
Für weitere Konfusionen sorgt die Zugehörigkeit einiger Staaten zu mehreren Verhandlungsblöcken. So sind Kiribati, die Solomun Inseln und Tuvalu neben dem LDC auch Teil der alliance of small island states” (AOSIS), die als Block bei den Befürwortern des Fahrplans steht.
Geschäftliche Interessen Tansanias?
Einen schwerwiegenden Verdacht brachte eine Recherche des Guardian auf. So waren 37 der 54 Nationen des afrikanischen Kontinents in der Liste der Blockierer vertreten. Richard Muyungi, Klimaverantwortlicher aus Tansania und Sprecher der afrikanischen Gruppe habe in einem nicht-öffentlichen Meeting erklärt, alle 54 Staaten Afrikas stünden hinter der 22-Staaten großen Gruppe der arabischen Staaten, die an vorderster Front der Blockierer standen. Viele afrikanische Staaten erklärten jedoch gegenüber dem Guardian, dass dies nicht wahr sei, und äußerten den Verdacht, dass hinter dem Vorgehen Muyungis ein Deal Tansanias mit Saudi-Arabien über Gas-Geschäfte sei.
Zudem sagten Vertreter Chinas und Indien gegenüber dem Guardian, dass ihre Länder am Ende einem fossilen Ausstiegsplan nicht im Wege gestanden hätten. Zwei wichtige Schwellenländer also, an denen das Scheitern der Verhandlungen in diesem Punkt mit festgemacht wurde. Auch Nigeria als vermeintlicher Blockierer habe wohl am Ende nicht einem verbindlichen Fahrplan im Wege gestanden, sollte dieser in gerechter Weise verlaufen. Auch die Türkei ist auf der Liste der Blockierer, ein Sprecher der türkischen Delegation sagte gegenüber Carbon Brief jedoch, dass auch sie einen Fahrplan am Ende nicht blockiert hätten.
Bezüglich der EU-Staaten Ungarn und Tschechien steht die Vermutung im Raum, dass sie einerseits als Teil der Europäischen Union als starke Befürworter des Fahrplans auf der entsprechenden Liste standen, andererseits deren bremsende Rolle bei den EU Verhandlungen zu neuen Klimazielen, sie auf die Liste der Blockierer brachte. Am Ende bliebt deren Rolle, wie auch die von Bulgarien undurchsichtig, wie so vieles in diesen finalen Verhandlungsstunden in Belém. mg



















































