Es gibt einen Grund, weshalb in Paris das Pflaster aufgerissen und Wälder mitten in der Stadt entstehen, in der Sahelzone Menschen die Wüstenbildung versuchen aufzuhalten und in Kolumbien mithilfe von Mangroven-Baumschulen Küsten geschützt werden. Die Klimakrise wird zwar weiterhin, und leider auch wieder zunehmend, geleugnet. Die Menschheit erlebt aber bereits die Auswirkungen von Wetterextreme mit wachsenden Gefahren für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen.
Gerade erst erlebte auch Deutschland eine Hitzewelle, während der laut Robert Koch-Institut 4310 Menschen gestorben sind. In Südfrankreich und Spanien lodern Waldbrände, und es zeichnet sich ab, dass Ende des Jahres das Wetterphänomen El Niño auftreten und viele Regionen besonders im globalen Süden erneut vor enorme Herausforderungen stellen wird.
Und genau in dieser Zeit werden die finanziellen Mittel für Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Klimaschutz von vielen Ländern infrage gestellt – oder, wie im Fall der aktuellen US-Regierung unter Donald Trump, massiv gekürzt. Hilfsorganisationen schlagen Alarm, weil diese Kürzungen bereits dazu geführt haben, dass beispielsweise die aktuelle Ebola-Epidemie zu lange unentdeckt blieb. Im Bereich der Gesundheitsvorsorge und humanitären Hilfe zeigen sich die negativen Folgen gekürzter Mittel für globale Zusammenarbeit besonders schnell.
Bei der Klimafinanzierung kommt ein weiterer, langfristiger Effekt hinzu: Resiliente und klimaschützende Infrastruktur, die heute nicht gebaut wird, Feuchtgebiete, die heute nicht geschützt werden, und Bäume, die heute nicht gepflanzt werden, werden fehlen, wenn die Auswirkungen der Klimakrise in der Zukunft weiter eskalieren.
Neue Ziele der Klimafinanzierung brauchen neue Zusagen
Weil viele Regionen – insbesondere jene, die am stärksten von der Klimakrise betroffen sind – die notwendigen Investitionen nicht allein aufbringen können und gleichzeitig unter hoher Verschuldung leiden, wird bereits seit vielen Jahren auf internationalen Klimakonferenzen über das Thema Klimafinanzierung gestritten. Neben grundlegenden systemischen Veränderungen, damit Länder des Globalen Südens ihre Schuldenlast reduzieren können, braucht es vor allem die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel.
Auf der Weltklimakonferenz COP15 im Jahr 2009 beschloss die Weltgemeinschaft deshalb, jährlich 100 Milliarden US-Dollar bereitzustellen, um Maßnahmen für Klimaschutz und Klimaanpassung zu finanzieren. Insbesondere die Länder sollen berücksichtigt werden, die nicht über dieselbe wirtschaftliche Stärke wie Industrieländer verfügen und zugleich deutlich weniger zur Entstehung der Klimakrise beigetragen haben. Als deutschen „fairen Anteil“ an der öffentlichen globalen Klimafinanzierung zur Erreichung des 100-Milliarden-Dollar-Ziels sagte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel im Jahr 2015 zu, jährlich sechs Milliarden Euro bereitzustellen.
Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2026. Das bisherige 100-Milliarden-Dollar-Ziel wurde auf der Weltklimakonferenz COP29 im Jahr 2024 durch das „New Collective Quantified Goal on Climate Finance“ (NCQG) ersetzt. Dieses neue internationale Klimafinanzierungsziel sieht vor, dass bis 2035 jährlich mindestens 300 Milliarden US-Dollar an öffentlicher Klimafinanzierung mobilisiert werden. Gleichzeitig wurde das übergeordnete Ziel formuliert, bis 2035 insgesamt 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr aus öffentlichen und privaten Quellen für Klimaschutz und Klimaanpassung bereitzustellen.
Zwölf Milliarden für das Projekt Weltrettung
Im Koalitionsvertrag der aktuellen schwarz-roten Bundesregierung ist festgehalten, dass Deutschland auch künftig seinen „fairen Anteil“ an der internationalen Klimafinanzierung leisten wird. Aus Sicht der deutschen Klimazivilgesellschaft bedeutet ein fairer Anteil, dass die deutschen Haushaltsmittel entsprechend dem neuen internationalen Klimafinanzierungsziel schrittweise anwachsen müssen, auf mindestens zwölf Milliarden Euro öffentliche Klimafinanzierung pro Jahr bis 2030. Diese Aufwüchse müssten bereits jetzt im Bundeshaushalt sichtbar sein – sind sie aber nicht. Stattdessen wurde auch hier der Rotstift angesetzt.
Laut der Organisation Oxfam sind statt der zugesagten sechs Milliarden Euro öffentlicher Mittel für globale Klimafinanzierung im Bundeshaushalt 2027 lediglich 4,7 bis 5,2 Milliarden Euro eingeplant. Ein genauerer Blick in den Haushalt zeigt, dass die Kürzungen unter anderem den Titel „Entwicklungswichtige multilaterale Hilfen zum weltweiten Umweltschutz, zur Erhaltung der Biodiversität und zum Klimaschutz“ betreffen. Dieser wurde seit 2024 Jahr für Jahr reduziert – mittlerweile um fast 200 Millionen Euro.
Die Auswirkungen sinkender Mittel für globale Klimafinanzierung waren bereits auf der Weltklima(Zwischen)konferenz SB64 vor wenigen Wochen in Bonn spürbar. Zusammen mit den sinkenden Mitteln für globale Zusammenarbeit auch in anderen Industrieländern wächst die Skepsis, ob die gemeinsam vereinbarten Ziele zur Bereitstellung dringend benötigter Klimafinanzierung erreicht werden können.
Auf der nächsten Weltklimakonferenz COP31 Ende des Jahres in der Türkei wird daher absehbar erneut ein Streit über Artikel 9.1 des Pariser Klimaabkommens entbrennen. Dieser verpflichtet Industrieländer dazu, Klimafinanzierung für Länder bereitzustellen, die besonders stark von der Klimakrise betroffen sind.
Wenn es nicht gelingt, Lösungen zu finden und als Weltgemeinschaft einen Konsens darüber zu bewahren, dass Investitionen in Klimaschutz und Anpassung eine existenziell dringende Aufgabe sind, wird das Projekt Weltrettung erneut und verschärft auf der Kippe stehen. Entscheidungen zur Einsparung im deutschen Bundeshaushalt mögen auf den ersten Blick nicht relevant erscheinen, können aber leicht dazu beitragen, dass das zarte Kartenhaus der Klimadiplomatie zusammenfällt.




















































