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Hinkley Point C: EDF investiert in umstrittenes Atomprojekt

Nun kann es losgehen! Der französische Stromerzeuger EDF wird das Atomkraftwerk Hinkley Point C im Südwesten Englands trotz erheblicher finanzieller Risiken und politischer Unsicherheit bauen. (Foto: © Lewis Clarke, geograph.org.uk/photo/3434429, CC BY
Nun kann es losgehen! Der französische Stromerzeuger EDF wird das Atomkraftwerk Hinkley Point C im Südwesten Englands trotz erheblicher finanzieller Risiken und politischer Unsicherheit bauen. (Foto: © Lewis Clarke, geograph.org.uk/photo/3434429, CC BY-SA 2.0)

Nun ist die Entscheidung gefallen: Der französische Stromerzeuger EDF wird das Atomkraftwerk Hinkley Point C im Südwesten Englands trotz Risiken und politischer Unsicherheit bauen. Kritiker befürchten, dass das Projekt ein Milliardendesaster wird.

30.07.2016 – Das monatelange Zerren um das umstrittene Atomprojekt Hinkley Point C ist beendet. Die französische Elektrizitätsgesellschaft Électricité de France SA (EDF) gab am Donnerstagabend bekannt, dass sie in den Bau des Kraftwerks investieren wird. Trotz immenser Kostenrisiken und einem bevorstehendem Brexit. Trotz einer Technologie, die nicht zukunftsfähig ist. Gerade kürzlich wurde bekannt, dass die insgesamt anfallenden Laufzeitkosten für Hinkley Point C inzwischen auf 43 Milliarden Euro geschätzt werden – doppelt so viel wie noch vor einem Jahr. Der Verwaltungsrat von EDF hat jedoch alle Warnzeichen ausgeblendet und nun grünes Licht für den Bau gegeben.

Die negative Presse um das Projekt riss auch bis kurz vor der entscheidenden EDF-Sitzung nicht ab. So trat Verwaltungsratsmitglied Gérard Magnin kurz vorher zurück, weil ihm das Vorhaben zu riskant erschien und sich der Schwerpunkt des Konzerns immer weiter in Richtung Kernkraft verschoben hat. Er folgt damit dem früheren EDF-Finanzvorstand Thomas Piquemal, der das Unternehmen bereits im März verließ. Ihm kamen ebenfalls Zweifel an der Finanzierbarkeit von Hinkley Point C auf.

Kostenexplosion macht Hinkley Point C unrentabel

Trotz aller Kritik gibt es auch Befürworter des Großprojekts. Greg Clark, neuer britischer Wirtschaftsminister, bezog vor einer Woche Stellung zum Engagement von EDF. „Neue Atomkraft ist ein wichtiger Teil unseres Plans für ein sicheres, sauberes und bezahlbares Energiesystem“, sagte Clark gegenüber der britischen Zeitung The Guardian. Dabei wird Hinkley Point C weder sicher, noch sauber oder bezahlbar sein. Mehrere EDF-Reaktoren sind aufgrund von Sicherheitsmängeln bereits stark umstritten. So waren im April 2014 Teile der Anlage im französischen AKW Fessenheim überschwemmt, wodurch Steuersysteme ausfielen. Vorrübergehend ließ sich der Reaktor nicht steuern und es kam zu einer Notabschaltung.

Bei einer sauberen Energieversorgung muss sich die Gesellschaft auch nicht darüber den Kopf zerbrechen, wo die bei der Stromproduktion entstandenen Rückstände gelagert werden können. Es wird zunehmend deutlich, wie schwer eine langfristig sichere Endlagerung von Atommüll tatsächlich ist. Die Kosten für den AKW-Rückbau sowie die Endlagerung sind dabei immer noch kaum abzusehen. Bezahlbar ist die Kernenergie damit ebenfalls nicht. Schon die Laufzeitkosten von Hinkley Point C werden inzwischen auf 43 Milliarden Euro geschätzt.

Sicherheitsrisiken durch Flugangriffe

Udo Buchholz vom Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) bemängelt zudem, dass die Möglichkeit eines gezielten Flugangriffs auf Atomreaktoren nicht ausreichend berücksichtigt wird. „Es ist nicht beruhigend, was man über die Pläne zum Schutz von Atomkraftwerken hört: Rund um die AKW aufgeschüttete Erdwälle, Vernebelungsanlagen, Mauern oder Stahlseilnetze im möglichen Anflugbereich“, so Buchholz. Daher biete nur die sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke einen grundlegenden Schutz.

Wägt man alle diese Punkte ab, die für oder gegen die Realisierung des geplanten Atomprojekts sprechen, stellt sich einem unweigerlich die Frage, wieso wir unseren zukünftigen Generationen diese Last aufbürden. Mit den Erneuerbaren Energien haben wir weitaus bessere Alternativen, die nicht nur sauberer und mit einem deutlich geringeren Risiko verbunden sind, sondern inzwischen auch noch kostengünstiger Strom produzieren können. jk


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Kommentare

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Windmüller 30.07.2016, 20:52:26

+211 Gut Antworten

Es mag wirr klingen ( ich bin seit dem Jahr 2000 Naturstrom Kunde ). Ich würde mich freuen, wenn Hinkley Point C gebaut würde. Mit Vernunft kann man die Atomlobby nicht bekehren. Soll man die Meiler doch bauen, die Baukosten sprengen jeden Rahmen, der Strom aus Hinkley Point C wird teurer sein,als deutscher Solar- oder Windstrom. Dann haben die Atomlobbyisten halt eine Monstranz, die sie vor sich hertragen können. In Deutschland erleben wir eine ähnlich traurige Dickschädeligkeit. Da musste man mit aller Macht in Kassel Calden einen 270 Mio € teuren Airport bauen, von dem kaum ein Flieger startet. In Stuttgart baut man für Milliarden einen Bahnhof, bei dem tausende Menschen vor den Folgen gewarnt haben. Mit sachlichen Argumenten oder Vernunft kann man gewisse Kreise nicht überzeugen. Man muss sie ins Unglück laufen lassen. Von daher wünsche ich den Bauherren von Hinkley Point frohes Schaffen.


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