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Weltklimakonferenz COP 25Internationaler Klimagipfel in Chile abgesagt

Proteste gegen soziale Ungleichheit in Santiago de Chile auf der Plaza Baquedano, Oktober 2019. (Foto: Carlos Figueroa / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0)
Proteste gegen soziale Ungleichheit in Santiago de Chile auf der Plaza Baquedano, Oktober 2019. (Foto: Carlos Figueroa / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0)

Weil in Chile seit Wochen soziale Proteste die Städte teilweise lahmlegen, sei eine Austragung der geplanten Weltklimakonferenz im Dezember nicht möglich. Das hat gestern Staatschef Piñera verkündet, dessen Rücktritt viele Chilenen fordern.

31.10.2019 –  Die chilenische Regierung hat die Ausrichtung der nächsten Weltklimakonferenz im Dezember als auch des geplanten Asien-Pazifik-Gipfels im November gestern offiziell abgesagt. Die anhaltenden Proteste im Land würden eine Ausrichtung des Klimagipfels unmöglich machen, sagte Staatschef Sebastián Piñera in Santiago de Chile gegenüber der internationalen Presse.

In einigen Städten und vor allem in der Hauptstadt Santiago de Chile hatten sich im Laufe der letzten Wochen und Tage Demonstranten teils gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert, die Lage spitzt sich immer weiter zu; die Menschen fordern einen Rücktritt des Präsidenten.  Chile hat vor allem sozioökonomische Probleme. Die Proteste richten denn auch gegen die wachsende soziale und wirtschaftliche Ungleichheit und soziale Missstände. Auslöser der Demonstrationen war eine Anhebung der U-Bahn-Preise, die der Präsident wieder zurücknahm. Viele Chilenen fordern nun eine grundlegende Änderung der Wirtschaftspolitik.

Chiles Klimaschutz  

Chile sprang nur als Gastgeber ein, als der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro die eigentlich in Brasilien geplante Klimakonferenz 2019 absagte und sich von jeglichen Klimazielen verabschiedete. Chile gilt indes als Vorreiter in Sachen Energiewende im südamerikanischen Raum. 20 Prozent des chilenischen Energiemix kommen bereits aus Wind- und Sonnenenergie. In Chiles Atacama-Wüste steht ein solarthermisches Kraftwerk, Lateinamerikas erstes Solarturmkraftwerk, ein Aushängeschild für die Energiewende. Bis zum Jahr 2040 sollen gar hundert Prozent der chilenischen Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien kommen.

Doch die Energiepolitik hat Schattenseiten und ist weniger dem Klimaschutz, als vielmehr der Versorgungssicherheit und wirtschaftlichen Energie-Unabhängigkeit des Landes geschuldet. Die chilenischen Bürger profitieren kaum von der Energiewende. Wenige Unternehmen beherrschen den Markt, Modelle der Bürgerbeteiligung sind kaum vorhanden. Zudem bleibt die Abhängigkeit von der Kohle bestehen. Abgase aus besonders schmutzigen Kohlekraftwerken machen einige Zonen im Land wegen hoher Verschmutzung fast unbewohnbar. Wegen massiver Umweltverschmutzung und -zerstörung kommt es oft zu Konflikten und Protesten, auch gegen Staudammprojekte. Im Herbst 2018 hatte Chile das Abkommen von Escazú, bei dem es um die Verbindung von Umweltschutz und Menschenrechten geht, denn auch nicht unterschrieben. na