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DeutschlandfondsInvestitionsrisiko abbauen

Brandenburger Tor
Mit dem Deutschlandfonds hat die Bundesregierung Ende 2025 ein neues Instrument eingeführt, um private Investitionen in großem Umfang zu fördern (Bild: Bhavik Nasit / Unsplash+ Lizenz).

Mit dem Deutschlandfonds will die Bundesregierung private Investitionen in die Energiewende lenken. Experten aus dem Sektor begrüßen den Schritt, warnen jedoch vor Mitnahmeeffekten und fordern weitere Reformen.

30.12.2025 – Ende Dezember hat die Bundesregierung den Deutschlandfonds vorgestellt. Der Fonds ist ein Finanzierungsinstrument der Bundesregierung, das private Investitionen in wichtige Zukunftsprojekte in Deutschland anreizen soll. Der Staat stellt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Kapital, Kredite und Garantien in Höhe von rund 30 Milliarden Euro bereit. Ziel ist, damit etwa 130 Milliarden Euro an privaten Investitionen auszulösen.

Konkret sollen mit Hilfe des Fonds Projekte im Energie-, Rohstoff-, und Technologiesektor gefördert werden. Ein besonderer Fokus liegt auf Wärme- und Stromnetzen, der Rohstoffgewinnung, innovativen Tech-Startups und der Verteidigungsindustrie. Unter anderen startet ein Kreditprogramm zur Förderung von Geothermie-Projekten noch in diesem Jahr.

Investitionshemmnisse verringern

Hintergrund ist der hohe Investitionsbedarf in Deutschland, etwa für Energieinfrastruktur, industrielle Transformation und neue Technologien. Viele dieser Projekte sind langfristig, kapitalintensiv und mit Unsicherheiten verbunden – keine einladenden Voraussetzungen für Investoren. Der Deutschlandfonds soll diese Investitionshemmnisse gezielt abbauen, indem er einen Teil der finanziellen Risiken übernimmt. So verbessert sich das Verhältnis von Risiko und Ertrag für private Kapitalgeber.

Zu den wichtigsten Instrumenten des Deutschlandfonds zählen staatliche Garantien, langfristige Kredite über die KfW, direkte staatliche Beteiligungen und Nachrangkapital. Garantien sichern einen Teil möglicher Verluste ab und senken das Ausfallrisiko. Kredite bieten stabile Konditionen für große Industrie- und Infrastrukturprojekte. Direkte Beteiligungen des Staates wirken als Vertrauenssignal für private Investoren. Nachrangkapital haftet im Verlustfall zuerst, wodurch private Investoren besser geschützt sind.

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Wirkung könnte verpuffen

Kritiker weisen darauf hin, dass staatliche Beteiligungen sorgfältig gesteuert werden müssen, um Fehlanreize zu vermeiden. Befürworter sehen im Fonds hingegen ein notwendiges Instrument, um den hohen Investitionsbedarf in Zeiten knapper öffentlicher Mittel zu bewältigen.

„Mit dem Deutschlandfonds setzt die Bundesregierung die richtigen Weichen für mehr Investitionen in Wachstum, Innovation und Energiewende. Die gezielte Ausrichtung auch auf die Finanzierung von Energieinfrastrukturen ist ein wichtiger Schritt“, erklärt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Es fehlten allerdings noch eigenkapitalstärkende Instrumente für die Energieversorgungsunternehmen. Damit die nötigen Investitionen realisiert werden könnten, müssten Risiken angemessen verteilt werden.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) warnt, die beabsichtigte Wirkung könne verpuffen. „Ähnlich wie beim Investitionsplan für Europa, dem sogenannten Juncker-Plan vor zehn Jahren, könnten die staatlichen Gelder hauptsächlich zu Mitnahmeeffekten führen“, warnt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin. „Dies wäre der Fall, wenn Unternehmen Projekte realisieren, die sie ohnehin umgesetzt hätten und Investoren lediglich Risiken auf den Staat abwälzen. Daher ist ein kluges, politisch unabhängiges Management der KfW so wichtig. Entscheidungen müssen strikt auf Qualität beruhen, nicht auf politischen Interessen.“

Sonst bestehe die Gefahr, dass vor allem alte Strukturen anstatt neuer Ideen gefördert würden. Auch vor Klientelpolitik warnt Fratzscher. Notwendig für eine erfolgreiche Umsetzung seien große Reformen bei Steuern, Innovation, Regulierung und Sozialsystemen und ein europäischer Horizont.

Idee stammt von Ampel-Regierung

Der Deutschlandfonds war noch eine Idee des vorangegangenen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck, der eine Ausstattung mit 100 Milliarden Euro vorgesehen hatte. Im Wahlkampf schrieb sich dann auch die SPD den Deutschlandfonds auf die Fahne. Mit knapp einem Drittel des Startkapitals geht es nun los. jb

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