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Kalifornien stuft Glyphosat als krebserregend ein

Monsanto vertreibt unter dem Markennamen Roundup in über 130 Ländern Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat enthalten. Angewendet werden diese nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch von Hobbygärtnern. (Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/j
Monsanto vertreibt unter dem Markennamen Roundup in über 130 Ländern Pflanzenschutzmittel, die Glyphosat enthalten. Angewendet werden diese nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch von Hobbygärtnern. (Foto: Mike Mozart / flickr.com, CC BY 2.0)

Der US-Bundesstaat Kalifornien hat angekündigt, das umstrittene Pestizid Glyphosat ab Juli als potentiell krebsauslösend einzustufen. Ein herber Rückschlag für den Saatgutkonzern Monsanto, der nun gerichtlich gegen die Entscheidung vorgehen möchte.

29.06.2017 – Die kalifornische Behörde für Gesundheit und Umwelt ist davon überzeugt, dass das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ein Gesundheitsrisiko darstellt. Die Konsequenz: Ab dem 7. Juli wird es auf die Liste potentiell krebserregender Chemikalien gesetzt. Das teilte die Behörde am Montag in Kalifornien mit. Dadurch werden die Verpackungen von Glyphosat zukünftig mit der Warnung „krebserregend“ gekennzeichnet.

Keine gute Nachricht für den Hersteller Monsanto, der die Entscheidung gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters als „ungerechtfertigt auf Basis von Wissenschaft und Gesetz“ bezeichnete. Schließlich befindet sich das Unternehmen gerade in einer rund 66 Milliarden US-Dollar teuren Übernahme durch den deutschen Bayer-Konzern. Seit Jahren ist das Mittel zur Unkrautbekämpfung bereits umstritten und immer wieder Ziel neuer Klagen. Daher will der US-Konzern nun gerichtlich gegen die Entscheidung der Behörde vorgehen.

Gesundheitsgefahr, oder nicht?

Erst im März hatte die Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) Glyphosat in ihrem Gutachten als nicht krebserregend eingestuft. Damit war sie dem Urteil der europäischen Lebensmittelagentur (EFSA) gefolgt. Jedoch hieß es in dem Urteil lediglich, dass die verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse zurzeit nicht dafür ausreichen würden, Glyphosat als krebserregend, mutagen oder fortpflanzungsschädigend einzustufen.

Da Monsanto aber Studien manipuliert haben könnte, die überhaupt erst zur Zulassung von Glyphosat beitrugen und auch die Entscheidung der ECHA beeinflusst haben, gab es viel Kritik an diesem jüngsten Urteil. Der Konzern habe in den letzten Jahren gezielt einzelne Wissenschaftler sowie auch die US-amerikanische Umweltschutzbehörde EPA beeinflusst, berichtete die New York Times. Demnach wurden bestimmte Glyphosat-Studien als unabhängige Ergebnisse einzelner Wissenschaftler eingestuft, obwohl eine Beeinflussung durch Monsanto nicht ausgeschlossen werden konnte.

Im Jahr 2015 hatte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört, Glyphosat noch als wahrscheinlich krebserregend bezeichnet. Auf diese Einschätzung bezieht sich nun auch die Entscheidung der Behörde für Gesundheit und Umwelt in Kalifornien.

Neuzulassung in Deutschland

Gegen eine Wiederzulassung von Glyphosat liefen bereits im vergangen Jahr Bürger, Verbände und Politiker Sturm. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) sammelte rund 145.000 Unterschriften gegen die Neuzulassung. Die Entscheidung im US-Bundesstaat Kalifornien könnte nun erneut Schwung in die Diskussion bringen, ob das Pflanzenschutzmittel hierzulande verboten werden sollte.

Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik (Bündnis 90/Die Grünen), ist der Meinung, dass bei Umweltministerin Hendricks der Widerstand gegen Glyphosat schwinde. „Gegen ein paar Umwelt-Auflagen scheint sie bereit zu sein, der Glyphosat-Laufzeitverlängerung zuzustimmen“, so Ebner. „Dabei hatte Hendricks vor einem Jahr lautstark verkündet, mit ihr und der SPD werde es keine Neuzulassung geben, „solange die gesundheitlichen Risiken nicht restlos geklärt sind“. Die Risiken sind aber aktuell alles andere als geklärt. Die Bundesregierung muss die neuen Krebs-Hinweise ernst nehmen – eine Glyphosat-Neuzulassung ist unverantwortlich.“ jk


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