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Kosten für AKW-Rückbau übersteigen alle Prognosen

Der Weg zum Endlager wird länger und vor allem teurer als gedacht. (Foto: © Wikimadia.Commons / Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen / CC BY-SA 2.0)
Der Weg zum Endlager wird länger und vor allem teurer als gedacht. (Foto: © Wikimadia.Commons / Bündnis 90/Die Grünen Nordrhein-Westfalen / CC BY-SA 2.0)

Dass die Steuerzahler beim AKW-Rückbau und der Endlagerung mit zur Kasse gebeten werden ist klar, wie teuer es wird noch kaum zu beantworten. Die Kostenexplosion für den Rückbau des AKW Greifswald nährt wieder einmal die schlimmsten Befürchtungen.

27.07.2016 – Aktuelle Zahlen machen die Dimensionen mal wieder deutlich: Für den Rückbau des ehemaligen DDR-Kraftwerks bei Greifswald wurden anfangs 3,2 Milliarden Euro veranschlagt, aktuell wird aber mit 6,5 Milliarden gerechnet, das berichtete in dieser Woche der Chef der Energiewerke Nord, Henry Cordes, gegenüber der ARD.

Der Abschlussbericht der Atomkommission liegt seit April vor, der Bundestag wird im Herbst darüber entscheiden. Laut Empfehlung der Atomkommission sollen die vier großen Atomkonzerne für den Rückbau der AKW und die Atommüll-Entsorgung einen festen Betrag von rund 47 Milliarden Euro zahlen. Die Mehrkosten muss der Staat, sprich der Steuerzahler tragen. Bis zu einer Million Euro hat jeweils jedes Kraftwerk den vier großen Energiekonzernen in Deutschland täglich eingebracht - doch Rücklagen gibt es nur wenig.

Nach dem Beschluss zum Risikoaufschlag von 23,3 Milliarden Euro für die Finanzierung der Atommülllagerung warnte Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, bereits im April, dass dieser Betrag viel zu gering sei und auf die Steuerzahler enorme finanzielle Risiken zukommen werden. Die Zustimmung zu diesem „Atomkompromiss“ im Bundestag gilt indes als höchst wahrscheinlich.

Gewinne privatisieren – Verluste sozialisieren

„Das Märchen vom billigen Atomstrom erzählen uns die vier großen deutschen Energiekonzerne schon lange“, sagt Franz Alt. Fatalerweise ist die Atompolitik darauf begründet. „In den 1960-ger und 70-ger Jahren ließen die Atomkonzerne tausende Fässer mit Atommüll in der Asse verschwinden“, so Alt, „dieses angebliche Endlager ist heute ein gefährlicher Müllplatz“. Rund zehn Milliarden Euro kostete die Steuerzahler die komplette Sanierung der Asse bisher.

Die Energie-Expertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, wirft indes der Bundesregierung vor, dass die Kosten für den Atomausstieg mit allen Folgekosten für die vier großen Energieversorger mit unrealistischen Zinssätzen absichtlich schöngerechnet wurden. Parallel zu diesen Fakten und Zahlen klagen die Atomkonzerne wegen des vorzeitigen Atomausstiegs und fordern Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe wegen entgangener Gewinne. Die Atomkonzerne versuchten, die Politik unter Druck zu setzen um noch an Geld zu kommen, so Kemfert gegenüber der ARD – das grenze schon an Erpressung.

Bis zum Jahr 2100, so rechnet die Expertin, könnten die Kosten aufgrund der Inflation auf geschätzte 169 Milliarden Euro ansteigen. Das beinhalte noch nicht die Kosten für die Endlagerung. Und sollte einer der Energieversorger in die Insolvenz gehen, dann haftet der Staat mit der vollen Summe.

In anderen Atom-Ländern sieht man besorgt nach Deutschland und versucht die Probleme weiterhin zu verdrängen und die Atommeiler so lange wie möglich laufen zu lassen. Trotz schwerer Sicherheitsmängel weigern sich etwa Frankreich, Belgien und auch die Schweiz, ihre maroden Meiler abzuschalten. In Frankreich forciert die Regierung indes die Suche nach einem Endlager und hat einen ersten Standort nahe der deutschen Grenze nun im Parlament beschlossen.  Die Kosten für die Atomkraft werden nachkommende Generationen noch jahrhundertelang begleiten. na


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