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Klimaklage





JapanKühlwasser aus Atomruine in Fukushima wird ins Meer geleitet

Angestellte von Tepco arbeiten im April 2013 an den unterirdischen Wasserspeicherbecken des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi. Im Hintergrund erheben sich zwei Arten von oberirdischen Lagertanks.
Kontaminiertes Kühlwasser aus der Atomruine in Fukushima werden seit über einem Jahrzehnt in Tanks auf dem Gelände gelagert. Nun soll es im Meer verklappt werden (Bild: Greg Webb / IAEA / CC BY-SA 2.0).

Die Reaktoren des havarierten Atomkraftwerks in Fukushima müssen ständig gekühlt werden. Millionen Tonnen aufbereitetes, aber weiterhin belastetes Wasser sollen ab Juli ins Meer geleitet werden. Dies birgt Risiken für Mensch und Umwelt.

27.06.2023 – Tepco, Betreiber des havarierten Atomkraftwerks Daiichi in Fukushima will gereinigtes, aber noch immer radioaktiv kontaminiertes Wasser aus der Atomruine im Meer verklappen. In diesem Jahr soll es erstmals in den Pazifik abgelassen werden. Wissenschaftler und Umweltschützer sind skeptisch.

Tausend Tanks voll radioaktivem Kühlwasser

Die havarierten Reaktoren der Atomruine in Fukushima müssen seit der Kernschmelze 2011 durchgehend gekühlt werden. Dafür wird Meerwasser genutzt, das anschließend in tausenden Tanks gelagert wird. Inzwischen haben sich über 1,3 Millionen Tonnen radioaktives Wasser auf dem Gelände der Atomruine angesammelt, berichtet die Tagesschau. Die Kapazitäten des Zwischenlagers sind damit fast erschöpft.

Bereits 2021 kündigte Tepco an, das kontaminierte Kühlwasser reinigen und anschließend im Meer verklappen zu wollen. Das radioaktiv belastete Wasser von inzwischen über 12 Jahren wurde in Anlagen aufbereitet und soll Anfang Juli erstmals ins Meer geleitet werden.

Auch gereinigtes Wasser enthält noch gefährliche Stoffe

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) prüfte gereinigte Wasserproben und hat den Plan grundsätzlich gebilligt. Der Gehalt an radioaktivem Tritium im Kühlwasser ist allerdings überdurchschnittlich hoch. Große Mengen an Tritium sind als gesundheitsschädlich eingestuft. Tepco will das Wasser deshalb bei der Einleitung ins Meer weiter verdünnen.

Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen sowie Wissenschaftler stehen dem Plan skeptisch gegenüber. Es sei unklar, ob die noch im Wasser enthaltenen Stoffe keinen Schaden anrichteten. So legt ein Bericht von Greenpeace von 2020 nahe, dass die Konzentration verschiedener radioaktiver Stoffe auch im gereinigten Wasser noch deutlich höher liegt als von Tepco angegeben. Das Wasser enthalte unterschiedlich hohe Dosen von 61 verschiedenen Radionukliden wie radioaktives Strontium, Cäsium, Iod und Kobalt, berichtet auch das Magazin scinexx.

Mehr Stress für das Meer

„Japans Plan, das aufbereitete, kontaminierte Kühlwasser in den Pazifischen Ozean zu leiten, ist verfrüht und gegenwärtig nicht ratsam“, kritisiert auch Robert Richmond, Professor und Direktor des Kewalo Marine Laboratory, Universität von Hawaii in Manoa sowie Mitglied des wissenschaftlichen Expertenbeirats des Pacific Islands Forum. „Der Ozean ist eine kostbare und gemeinsame Ressource für die gesamte Menschheit, jetzt und für künftige Generationen.“

Die von Tepco erstellte radiologische Umweltverträglichkeitsprüfung sei mangelhaft und unzureichend, ebenso die Überwachungspläne und -konzepte für Ökosysteme. Es fehlten Studien darüber, was mit bestimmten radioaktiven Teilchen im Meer geschehe und wo sie sich akkumulierten, führt Richmond aus.

Verschmutzung durch Pestizide, Schwermetalle, Industrieabfälle, Kohlenwasserstoffe, Kunststoffe sowie Störungen des Ökosystems aufgrund der übermäßigen Ausbeutung der Ressourcen und des Klimawandels setzten die Gesundheit der Meere und der Menschen bereits jetzt erheblich unter Druck. Stressfaktoren dürften nicht mehr isoliert, sondern im Belastungskontext behandelt werden.

„Es stellt sich immer mehr die Frage, ob die Meere als Müllhalde genutzt werden sollen, wenn unsere Ozeane bereits gestresst sind und Probleme haben“, meint auch Tony Hooker, Professor und Direktor des Zentrums für Strahlenforschung an der Universität Adelaide in Australien. „Verdünnung ist keine Lösung mehr für Verschmutzung.“ jb

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