Europas Energiepreiskrise 2026Maßnahmen gegen die Preiskrise

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Europas Energiepreiskrise 2026 (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz)

Im Frühjahr 2026 steht die Europäische Union erneut vor der Herausforderung, die wirtschaftlichen Folgen einer volatilen Energieversorgung zu bewältigen. Kurzfristige Entlastungen treffen auf eine strukturelle Neugestaltung der Märkte.

20.04.2026 – Der Iran-Krieg treibt die Preise für Öl, Gas und Strom in die Höhe. Die Wettbewerbsfähigkeit Europas leidet unter hohen Energiepreisen – vor allem für Strom. Im Dialog ‚Europas Energiepreiskrise - Wie die EU reagiert‘, diskutieren Experten von der Deutsche Industrie- und Handelskammer DIHK, dem Bundesverband der Energie BDEW sowie Agora Energiewende auf den Energietagen 2026 darüber, wo Europa steht. Sie sind sich einig: Erneuerbare Energien halten den europäischen Strompreis bisher vergleichsweise resilient gegen den Preisanstieg.

Darüber hinaus entlasten politische Maßnahmen verschiedener EU-Staaten Verbraucher, aber Öl bleibt auf dem Weltmarkt weiterhin knapp. In Deutschland besteht noch erhebliches Einsparpotenzial bei vielen einzelnen Maßnahmen, um wie die europäischen Nachbarn Sparanreize zu setzen.

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Erneuerbare stabilisieren die Strommärkte

Um die Volatilität auf dem Strommarkt langfristig zu begrenzen, hat die EU bereits als Teil der Reaktion auf die letzte Energiepreiskrise sogenannte zweiseitige Differenzverträge (Contracts for Difference, CfDs) eingeführt. Ein flächendeckender Einsatz von CfDs soll weiter dazu beitragen, den Strompreis von den schwankenden Erdgaskosten zu entkoppeln.

In einem CfD schließt der Staat mit Erzeugern erneuerbarer Energien einen Vertrag über einen festen Basispreis ab. Liegt der Börsenpreis – der weiterhin über das Merit-Order-System gebildet wird – unter diesem Wert, gleicht der Staat die Differenz aus, um Investitionssicherheit zu bieten. Steigen die Preise jedoch – oft getrieben durch teure Gaskraftwerke – über diesen Basispreis, müssen die Erzeuger die Mehreinnahmen an den Staat zurückzahlen. Dieser Mechanismus entkoppelt den Markt vom Gaspreis, da die ‚Übergewinne‘ abgeschöpft und dazu genutzt werden, die Netzentgelte zu senken oder Haushalte und Industrie direkt zu entlasten.

Die abgeschöpften Gewinne sollen zweckgebunden eingesetzt werden, um Netzentgelte dynamisch zu senken. In Phasen hoher Marktpreise sollen sinkende Netzentgelte die Belastung für die Verbraucher automatisch abfedern, während gleichzeitig europaweit abgestimmte Zielkorridore für Energiesteuern Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt verhindern sollen.

Mit dem Citizens’ Energy Package werden Mitgliedstaaten zudem verpflichtet, den Zugang zu erschwinglicher Energie als Grundrecht zu schützen – dies schließt ein EU-weites Verbot von Stromsperren sowie den Schutz vor Sommer-Energiearmut durch erschwingliche Kühlung ein. Energy Sharing soll weiter vereinfacht werden.

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Gasversorgung ohne russische Fossilimporte

Die EU hat Ende 2025 beschlossen, russischen fossilen Energieträgern endgültig den Rücken zu kehren. Der nun in Europa erforderliche Herkunftsnachweis sowie die Methanverordnung stellten allerdings Handelshürden dar, warnt Maximilian Rinck, Abteilungsleiter Handel und Beschaffung, BDEW.

Bisher gibt es in Europa noch keine physische Knappheit bei Gas, vor allem, weil der Großteil des nach Europa exportierten LNGs aus den USA stammt, erklärt Rinck. Allerdings haben die wenigsten Länder in Europa langfristige Lieferverträge, da sie ihre Gasnachfrage verringern wollen. Diese Flexibilität könnte nun zum Problem werden. Asien, deren Gasversorgung durch den Iran-Krieg eingebrochen ist, muss auf dem Weltmarkt nach Alternativen suchen, - und bietet mehr Geld.

In vielen Bereichen könnte zudem durch Effizienzmaßnahmen die Gasnachfrage gesenkt werden. Allein im Gebäudesektor könnten eine konsequente Heizungssteuerung und geringinvasive Maßnahmen an der Gebäudehülle bereits im ersten Jahr bis zu 10 TWh eingesparen. Ein ebenso großes Einsparpotenzial von weiteren 10 TWh liegt in der Industrie. Hier ermöglichen vorliegende Audits die schnelle Umsetzung effizienterer Lösungen bei Prozesswärme, Antriebstechnik und der Nutzung von Abwärme, heißt es von der Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz DENEFF.

Tankrabatt und Millionengewinne bei Mineralölkonzernen

Unsicherer stellt sich die Lage auf dem Ölmarkt dar. „Durch den Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus fehlen aktuell rund 10 Prozent der globalen Ölversorgung. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die Auswirkungen mehrere Monate anhalten, sodass mit erhöhten Preisen zu rechnen ist“, sagt Patrick Plötz, Professor und Leiter des Geschäftsfelds Energiewirtschaft, Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Karlsruhe, gegenüber dem Science Media Center (SMC).

Die deutsche Bundesregierung hat vergangene Woche beschlossen, die Mineralölsteuer zu senken, um soziale Härten abzufedern. Dies schwächt jedoch den natürlichen Marktmechanismus ab, bei dem hohe Preise zu geringerem Verbrauch führen. Zudem gibt es keine Garantie, dass die Tankstellen die Steuersenkung an die Bürger weitergeben. Experten befürchten, dass Entlastungen in den Margen der Mineralölkonzerne versickert, die bereits in den vergangenen Wochen Millionengewinne vermeldet haben. Die Maßnahme funktioniert zudem nach dem Gießkannenprinzip, wodurch Besserverdienende mit großen Autos absolut gesehen stärker profitieren als Geringverdiener.

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Die Zeit für ein Tempolimit ist gekommen

Da der Straßenverkehr für knapp 60 Prozent des EU-weiten Ölverbrauchs verantwortlich ist, könnten alternative Maßnahmen zur Nachfragedämpfung eine physische Knappheit verhindern. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) betonte in den vergangenen Wochen, dass signifikante Mengen Öl nur durch eine Verhaltensänderung im Verkehrssektor eingespart werden können. Die IEA hat unter anderem eine ausgeweitete Homeoffice-Regelung sowie die Einführung verschärfter Tempolimits vorgeschlagen. Technisch wären solche Maßnahmen umgehend umsetzbar und könnten den Ölbedarf unmittelbar senken.

„Im Verkehrssektor gibt es kurzfristig wirksame Hebel wie mehr Homeoffice, Tempolimits, eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs etwa über ein günstigeres Deutschlandticket sowie weniger Inlandsflüge“, kommentiert auch Plötz. „All dies wirkt unmittelbar auf den Verbrauch und kann die Ölnachfrage spürbar senken. Insgesamt ist kurzfristig eine Verringerung um einige Prozent im Verkehrsbereich realistisch. Herausforderungen bestehen vor allem bei gesellschaftlicher Akzeptanz und Verteilungswirkungen.“

Kurzfristig seien insbesondere ein Tempolimit sowie der Verzicht auf pauschale Steuersenkungen sinnvoll, kombiniert mit gezielter Unterstützung für einkommensschwache Haushalte. Dadurch werde die Nachfrage verringert, ohne Preissignale zu verzerren. Langfristig sei entscheidend, die strukturelle Abhängigkeit von Öl zu verringern. Der Ausbau erneuerbarer Energien und der Umstieg auf Elektromobilität seien zentrale Hebel, um die Anfälligkeit gegenüber geopolitischen Krisen dauerhaft zu reduzieren. jb

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