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Klimaklage





Lars Lange, Rachel-Architekturprojekt, (Foto CC-BY-SA 3.0 Stefan Braunbarth, stefanbraunbarth.de)

Meinung 08.12.2014

Die Energiewende ist vollbracht

Der Energiewende-Diskurs wird zu kurzsichtig geführt, unser ökonomisches System mit seinem monströsen Stromverbrauch nicht in Frage gestellt. Die Debatte muss mit einer Postwachstumsstrategie verknüpft werden. Die Energiewende ist vollbracht heißt: wir brauchen keinen weiteren Neubau von Öko-Kraftwerken.

Lars Lange, Initiator Rachel-Architekturprojekt


Meinung 08.12.2014

Die Energiewende ist vollbracht

Der Energiewende-Diskurs wird zu kurzsichtig geführt, unser ökonomisches System mit seinem monströsen Stromverbrauch nicht in Frage gestellt. Die Debatte muss mit einer Postwachstumsstrategie verknüpft werden. Die Energiewende ist vollbracht heißt: wir brauchen keinen weiteren Neubau von Öko-Kraftwerken.

Lars Lange, Rachel-Architekturprojekt, (Foto CC-BY-SA 3.0 Stefan Braunbarth, stefanbraunbarth.de)

Lars Lange, Initiator Rachel-Architekturprojekt



08.12.2014 – Einer der lautesten und wahrnehmungsstärksten Diskurse der letzten Jahre heißt „Energiewende“. Dieser Diskurs leidet in zwei Kernbereichen an einer bemerkenswerten Kurzsichtigkeit. Zum einen hinterfragen die Akteure in keiner Weise den verbrauchspolitischen Status Quo, der Jahresstromverbrauch in Deutschland wird nicht ansatzweise in seiner Monstrosität in Frage gestellt – im Gegenteil. Oft wird die Diskussion um die Energiewende mit der irrwitzigen Forderung aufgeladen, den hiesigen Stromverbrauch massiv auszuweiten, etwa durch die Idee, in Zukunft auf die individuelle Elektromobilität zu setzen. Der Diskurs bleibt völlig in den engen und gefährlichen Grenzen einer Technikgläubigkeit, durch die unser überkommenes, nationales Wohlstandsmodell erhalten werden soll. Die konsumbasierte Selbstinszenierung durch rituelle Inbesitzbringung von Waren und Dienstleistungen wird einfach als unumstößliches Axiom des menschlichen Lebens beibehalten.

Zum anderen leidet der Energiewende-Diskurs grundsätzlich an einem performativen Widerspruch: Es wird behauptet, dass jede neu errichtete Erneuerbare-Energie-Anlage, sei es Wind, Biomasse oder Photovoltaik, ein Gewinn für die Umwelt sei. Dem ist nicht so. Schön dargelegt hat dies der Oldenburger VWL-Professor Niko Paech in seinem Buch „Die Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“. Ohne die Thesen im Einzelnen wiedergeben zu wollen, möchte ich drei Punkte herausstellen:

I) Den additiven Charakter jeder Neuanlage

Jede Zubau-Strategie bedeutet zuallererst einen zusätzlichen Ressourcenverbrauch. Auch eine Windturbine verbraucht Stahl und Seltene Erden, die Herstellung von Photovoltaik-Modulen verschlingt Energie, die Rohstoffe für eine Biomasseanlage müssen nach Deutschland transportiert werden. Die behauptete Amortisierung der bei der Produktion eingesetzten Energie tritt vermutlich nie ein. Denn die vermeintlichen Öko-Fabriken produzieren erneuerbare Kraftwerke noch größtenteils mit fossilen Energieträgern. Jede Neuanlage trägt so stofflich durch das bei ihrer Produktion freigesetzte CO2 zum Klimawandel bei. Die Menge Strom, die eine Neuanlage im Laufe ihrer operationellen Verfügbarkeit ins Netz einspeist, kann nicht mit derjenigen Energie in Zusammenhang gebracht werden, die zu ihrer Produktion verwendet wurde: Dieses einmal emittierte CO2 wird nicht wieder dadurch aus der Atmosphäre verschwinden, dass eine Neuanlage in Betrieb geht. Stattdessen kommt es zunächst lediglich zu einer Ausweitung des Stromangebotes, ohne dass fossile Kraftwerke in gleichem Maße vom Netz gehen.

II) Ausdehnung des Stromangebotes

Durch den Zubau erneuerbarer Stromerzeuger verzeichnen wir in Deutschland seit Jahren an der Börse einen sinkenden Strompreis, der sich langsam auch auf den Haushalts-Strompreis niederschlägt. Dadurch werden weitere Anreize geschaffen, sich mit stromfressenden Symbol-Konsumgegenständen und Energiesklaven zu umgeben, die durch niedrige Strompreise in der Produktion ebenfalls günstiger werden.

III) Einkommenseffekt

Diese Energiewende schafft Arbeitsplätze, steigert die verfügbaren Einkommen. Das bedeutet: mehr Konsum! Mehr Konsum bedeutet einen höheren Ressourcenverbrauch, bedeutet ein Anheizen des Wirtschaftswachstums. Jeder Euro, der als Einkommen verfügbar ist, verursacht zwischen einem und mehreren Kilogramm CO2.

Zudem müssen wir immer die planetarische Perspektive mit wahrnehmen: Jeder in Deutschland lebende Mensch verbraucht jährlich im Durchschnitt um die 8.000 kWh Strom pro Kopf. Selbst wenn wir nur in Deutschland auf 100 Prozent Ökostrom kommen wollen, so halte ich diese „Energiewende“ für ökologisch schlicht nicht verantwortbar. Zu groß wäre der Ressourcenverbrauch, um die benötigten Anlagen herzustellen – vom Landschaftsverbrauch ganz zu schweigen.

Doch was ist mit den Ländern des Globalen Südens? Diesen müssten wir gerechterweise zubilligen, einen mit Deutschland vergleichbaren quantitativen Lebensstandard zu erreichen, ihnen also einen ebenso hohen Stromverbrauch zugestehen. Ist das weltweit durch den Neubau von Erneuerbaren-Energie-Erzeugern klimaneutral zu stemmen? In Indien beträgt der durchschnittliche Stromverbrauch knapp 650 kWh, in China 3.300 kWh, Stand 2011. Rechenaufgabe: Wie viele erneuerbare Energieerzeuger müssen wir bauen, um jedem Menschen dieser Welt 8.000 kWh Strom pro Jahr bereit zu stellen? Wie viele Ressourcen werden dafür benötigt und wo kommen diese her?

Die Ideologie der deutschen Energiewende, die den Stromverbrauch und unser Konsumniveau nicht in Frage stellt, bedeutet wahrscheinlich in der Konsequenz die Schaffung gewaltsam abgeschotteter Wohlstandsinseln. Einen Weg, den Europa und die USA mit ihren hermetisch abgesicherten Außengrenzen bereits eingeschlagen haben.
Wollen wir das?

Wie also weiter? Wir brauchen eine Abkehr von jeder Zubau-Strategie. Die Energiewende ist vollbracht! Wir haben jetzt knapp 28 Prozent Ökostrom in Deutschland im Netz, das reicht, um die Sphäre der Ökonomie an uns Menschen anzupassen, und nicht – so wie bisher – den Menschen an eine Ökonomie anzupassen. An eine Ökonomie, die wenige immer reicher und viele immer ärmer macht. Wir brauchen die Entwicklung einer Postwachstumsstrategie. Tragen wir unserer Erfahrung Rechnung, dass mit der Zunahme der wirtschaftlichen Stärke eines Landes der Verbrauch von Antidepressiva wächst, nicht aber das subjektive Glücksempfinden. Suffizienz heißt das Zauberwort, materielle Genügsamkeit. Wir brauchen eine Deindustrialisierung Deutschlands, eine Abkehr von der Arbeitsplatz-Ideologie. Rechnen wir mit einer reduktiven Anpassung des Verbrauchs um 75 Prozent.

Wer will einen Standort? Ich will eine Heimat! Blühende Landschaften, die hatte mir Helmut Kohl einst versprochen, da war ich 17 Jahre alt. Doch Kohl hatte statt farbenfrohen Blüten und duftenden Auen nur graue Gewerbegebiete und rauchende Industrieschlote in seinem Kopf. Aber ich, fanatisch CDU-treu, poche auf das Kohl-Versprechen, weigere mich, den Kohl‘schen Blüten-Sarkasmus, des Exkanzlers Neusprech, zu verstehen, beharre auf blühenden Wiesen, auf sauberer Luft, auf himmlischer Ruhe, auf klarem Wasser, auf einer Überlebenschance für so viele Menschen auf unserem gemeinsamen Planeten. Ein Recht haben wir darauf. Und blühende Landschaften heißt blühende Landschaften. Nicht beleuchtete Parkplätze. Nicht Straßen. Keine Industrieanlagen. Keine Flughäfen. Keine Gewerbeparkwucherungen. Und erst recht keine Kraftwerke.

Wie kann das gelingen? Strukturell durch die Abkehr von großen Zwangs-Körperschaften, durch Raum für kleinteilige Labore, durch den Aufbau horizontaler Netze. Das Recht auf Allmende ersetzt den Arbeitsplatz-Zwang. Doch die entscheidende Grundfrage ist, wie wir das Primat der Ökonomie in unseren Köpfen überwinden und andere Sinnzusammenhänge für uns entdecken. Den Wachstumsgedanken wenden. Inneres, geistiges, kulturelles Wachstum erspüren.

Lasst uns das Projekt „Energiewende“ für abgeschlossen erklären. Und das Projekt Wachstumswende beginnen.

Lars Lange ist Initiator des Rachel-Architekturprojektes. Sein Hauptziel ist es, das bestehende vertikale System nichtkonfrontativ durch frei vernetzte, horizontale Strukturen zu ersetzen. Der Beitrag ist auch auf Telepolis erschienen.

Kommentare

u. schwiedop am 08.12.2014

+185 Gut Antworten

Klingt wie das verklausulierte und intellektuell theoretisierende eingeständnis, dass die sog. energiewende gescheitert ist - zumindest auf dem gesellschaftlichen/wirtschaftlichen niveau der brd.

 

Was aber in anbetracht riesige wüsten zur nutzung von solarenergie schlicht blödsinn ist.

 

Oder es ist der versuch, den leuten das steinzeitalter als erstrebenswert zu verkaufen. ... nice try aber ziemlicher unfug!

Jürgen Wanninger am 08.12.2014

+185 Gut Antworten

Sozialisten aller Länder vereinigt Euch. Ho-Ho-HoChiMin

M.Loehr am 09.12.2014

+184 Gut Antworten

Sie waren also fanatischer Kohl-Anhänger. Ich habe diesen Herrn einmal gewählt, aber das war´s dann auch. Die Geschichte mit den blühenden Landschaften haben Sie falsch verstanden. Wenn man Ihre Groteske liest, wundert einen das nicht. Fanatiker sind Sie geblieben, zu Missverständnissen neigen Sie auch weiterhin. Das kommt vor. Allerdings sollten Sie mit Ihrem Unsinn anderen Menschen nicht auf den Senkel gehen. Fanatiker, Weltverbesserer bzw. Besserwisser, hatten wir in der Vergangenheit genug. Ging eigentlich nie gut aus. Bevor Sie Deutschland deindustrialisieren wollen, mieten oder kaufen Sie mit Gleichgesinnten irgendwo eine Scholle und führen ein deindustrialisiertes Leben. Und wenn Sie dann die Schnauze davon voll haben, kehren Sie zurück in den Sozialstaat. Der fängt Sie wieder auf. Sofern die Wirtschaftsleistung noch vorhanden ist. Da wir allerdings immer mehr Leute wie Sie in der Gesellschaft haben, die auf der Waldorfschule ihren Namen getanzt haben, die Soziologie, Pädagogik oder Philosophie studiert haben, mit abstrusen Flausen im Kopf, werden wir uns wohl zwangsläufig deindustrialisieren. Wenn wir uns dann vom Wohlstand verabschiedet haben, wird die darauf folgende Generation wieder einen ordentlichen Beruf erlernen wollen.

Lars Lange am 09.12.2014

+189 Gut Antworten

hallo u.,

die energiewende ist nicht gescheitert, sie ist vollbracht! aber das wirtschaftliche niveau der brd - und das wirtschaftliche möchte ich vom gesellschaftlichen entkoppeln - wird so nicht haltbar sein, das sage ich ja in dem artikel.

sehen wir einmal ab von dem ressourcenverbrauch, den es erfordern würde, diese wüsten mit solaranlagen zu überdachen... wem gehören denn die riesigen wüsten zur nutzung der solarenergie?

die wüsten sind ja nicht gänzlich menschenleer, sondern siedlungsgebiet von menschen. desertec war die idee eines weiteren landraubes, eines landgrabbings, eine weitere einhegung der allmende.

 

tatsächlich scheinen strukturen der steinzeit nicht unspannend zu sein, obwohl wir recht wenig darüber wissen. es geht aber niemals um ein zurück, sondern es geht darum, die gegenwart immer neu zu gestalten. und dazu können wir auf erfahrungen in der vergangenheit zurückgreifen. auf gelebtes leben.

hierzu können wir auch gerne zurück auf die steinzeit schauen, auf die ersten städte zum beispiel, die in der jungsteinzeit entstanden sind. bemerkenswert an den fundstellen: in catal hüyük, mohenjo daro oder harappa gab es nur einen häusertypus, keine herrschaftshäuser oder religiöse bauten. wir können daraus schließen, dass es anscheinend keine vertikalen herrschaftsstrukturen gab, keine dramatischen unterschiede in der verteilung des vermögens.

spannend. lehrreich. erstrebenswert.

"es muss nicht immer weitergehen", so lautet ein kapitel in niels boeings streitsschrift "alles auf null". es geht nicht darum, einen vermeintlich idealen gesellschaftszustand wieder zu erlangen, den es vielleicht so auch nicht gab. aber ich glaube, wir sind an einem punkt in der kulturellen entwicklung angelangt, in dem wir sagen können, dass manche hervorbringungen nicht sinnvoll für unser zusammenleben ist. atomkraftwerke zum beispiel. können wir machen, ist aber sinnlos.

unsere ökonomie, unsere kultur kennt aber viele atomkraftwerke.

R. Faßbender am 09.12.2014

+178 Gut Antworten

Herr Lange, der Kommentar von M.Loehr spiegelt leider die allgemeine Denke nur all zu gut wider- und die gerade neu antretende Generation hält den Griff ins Wohlstandsregal für noch viel mehr selbstverständlicher.

Das Weniger Mehr ist, hat schon immer nur ein Bruchteil der Bevölkerung verstanden...

Vor 50 Jahren hätte man E=mc² in den Grundschulunterricht bringen müssen- das wäre die Chance gewesen breites Wissen in der Masse anzulegen- statt dessen glaubte man Eliten fördern zu müssen- und genau damit war der Zug endgültig abgefahren...

Ich selbst habe mich damit abgefunden, das gegen die heutigen Massenmanipulationen nichts mehr auszurichten ist...

Lars Lange am 09.12.2014

+170 Gut Antworten

hallo m., ich war nie kohl-, dafür aber sarkasmus-anhänger.

wobei sarkasmus auch immer etwas trauriges, weil hilfloses hat. und hilflos fühle ich mich in dieser welt. ich greife mal wahllos etwas heraus:

>Es ist ein historischer Wendepunkt – nicht nur für die Klimaforschung, sondern für die Menschheit. Seit dem Frühjahr 2014 wissen wir: der Westantarktische Eisschild ist höchstwahrscheinlich instabil geworden und damit gewissermaßen im freien Fall. (...) Damit sind mehrere Meter Meeresspiegelanstieg und der Untergang von Küstenstädten und ganzen Inselstaaten vorprogrammiert und praktisch unausweichlich geworden.

beängstigend und dramatisch. eine zäsur.

ich sehe da einen gewissen bedarf für's weltverbessern, oder?

abstrus, ja fanatisch scheint mir die idee zu sein, in dem jetzigen zivilisatorischen system, nämlich dem primat der ökonomie, einfach weiter zu machen.

ich denke, es geht darum, zu fragen, was unser leben lebenswert, was uns glücklich macht. das sind natürlich fragen der philosophie, ferner der soziologie, vielleicht auch die der pädagogik. es sind wichtige fragen, heute und jetzt.

R. Faßbender am 09.12.2014

+165 Gut Antworten

Zitat

ich sehe da einen gewissen bedarf für's weltverbessern, oder?

abstrus, ja fanatisch scheint mir die idee zu sein, in dem jetzigen zivilisatorischen system, nämlich dem primat der ökonomie, einfach weiter zu machen.

 

Sie werden weitermachen, Herr Lange, und zwar so lange bis das große Elend komplettiert ist.

90% aller Besitztümer befinden sich in Händen von 10% der Bevölkerung.

Und bei den 10% ist das Verhältnis dann noch einmal ähnlich.

Von den Reichsten der Reichen sind mir nur eine Handvoll Persönlichkeiten bekannt, die zumindest verstehen, das das nicht gut ist...

 

Vergleichen sie unser Dasein mit einem Monopoly Spiel, sind 90% der Mitspieler bereits absolut chancenlos,- über die Hälfte schauen ohnehin nur noch zu!

 

Diese Gesellschaft hat z.T. (aus verschiedenen Gründen) nicht begriffen- und ein großer Rest -der begreifen konnte- wollte nicht begreifen- nicht das sie es nicht besser wussten- aber man lebt nach dem Motto: Nach mir die Sintflut!

 

Seit inzwischen 20 Jahren ist das alles beherrschende Thema Geld- Geld und nochmal Geld- seit 6 Jahren fliegen uns die Billionen um die Ohren.

 

Es geht schon lange nicht mehr darum etwas sinnvolles zu tun- nein, es muss sich rechnen!

Es wurde ein Parallelwirtschaftssystem pervers ausgebaut (die sogenannte Finanzwirtschaft) in der inzwischen ein zig-faches des weltweit erwirtschafteten BSP umgesetzt wird.

In Millisekunden handeln Computer mit Computern-

mit Geld; das zu 70-90% aus dem NICHTS geschöpft wird.

 

Wenn ein kleines Grüppchen wie z.B. Occupy Wallstreet (die meisten Anhänger wussten nicht einmal halbwegs wogegen sie protestierten) sich dagegen auflehnt, erntet sie von der Bevölkerung nicht etwa größte Unterstützung- sondern bestenfalls ne Pizza, etwas Schulterklopfen und vom größten Teil Unverständnis.

 

Wenn jeder an sich denkt, ist an Alle gedacht - AMEN!

K. Orczinski am 10.12.2014

+164 Gut Antworten

"Die Energie­wende ist voll­bracht heißt: wir brauchen keinen weiteren Neubau von Öko-Kraft­werken."

 

Herr Lange, herr Lange: Lassen Sie das mal nicht Ihren Chef und Vorstandsvorsitzenden der Naturstrom AG Dr. Thomas Banning hören. Ach ja, die energiezukunft ist das Info-Portal der Naturstrom AG.

 

Naja, im Notfall eben Sozialstaat. Da hat man auch einfach mehr Zeit für kreative Ideen!

 

Weiter so und beste Grüße

Lars Lange am 10.12.2014

+158 Gut Antworten

hallo k.,

mein text ist eine polemik. mir ist es wichtig, den energiewendediskurs hin zu einem wachstumswendediskurs zu öffnen. naturstrom versucht wie kein anderer ökostromanbieter, einen eigenen kraftwerkspark aufzubauen. diese strategie halte ich für richtig. allerdings würde ich es begrüßen, wenn naturstrom vermehrt gebrauchtanlagen erwirbt, statt auf einen neuanlagenbau zu setzen.

naturstrom ist als eines von recht wenigen unternehmen in deutschland durch teile der umweltbewegung gegründet worden, namentlich bund-mitglieder waren beteiligt. und auch der bund beschäftigt sich mit einer postwachstumsökonomie, hier ein recht aktuelles positionspapier: tinyurl.com/nna58bm

vielleicht können wir sagen, dass der postwachstumsgedanke in der genetischen disposition des unternehmens naturstrom zu finden ist.

und das ist ja eine höchst spannende frage: wie können wir denn eine firma wie naturstrom transformieren in einer postwachstumsgesellschaft? wie sehen denn geschäftsmodelle aus in einer postwachstumsgesellschaft? gibt es dort überhaupt noch geschäfte? oder müssen wir nicht zu ganz anderen formen des gesellschaftlichen stoffwechsels übergehen, modelle finden, die es vorher so noch nicht gab?

ich meine im übrigen, dass kreativität in einer solchen neuen gesellschaft, einer neuen sozialen plastik, eine zentrale rolle spielen wird. denn wir müssen den verlockungen und absobtionskräften des konsumismus etwas sehr starkes entgegenstellen. ich mag beuys sehr gerne, vor allem als anthropologe: jeder mensch ist ein künstler heißt nicht, dass kunst etwas beliebiges ist, sondern dass der mensch im kreativen lebensvollzug erst ganz mensch ist, dass die kreativität vielleicht der kern der menschlichen existenz ist. wenn wir von diesem kern, diesem möglichen nucleus namens kreativität, ausgehen, so ergeben sich wie von selbst eine vielzahl von gestaltungsmustern für ein neues zusammenleben. der homo ludens ersetzt den homo oeconomicus. es wird zeit.

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