EU-US-HandelsabkommenMehr fossile Abhängigkeit? Nein, danke

Öl- und Gasraffinerie bei Sonnenuntergang
Die im Zuge des EU-US-Handelsabkommens zugesagte Verdreifachung der US-Flüssiggasimporte stößt laut einer Umfrage bei der Mehrheit der Deutschen auf Ablehnung (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz)

Brüssel gibt grünes Licht, doch der Widerstand wächst: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass eine deutliche Mehrheit der Deutschen das EU-US-Handelsabkommen ablehnt – vor allem aus Sorge vor neuen fossilen Abhängigkeiten.

17.06.2026 – Mitte Juni 2026 hat das Europaparlament für eine Umsetzung des ersten Teils des Zollabkommens mit den USA gestimmt. Die Pläne für das EU-US-Handelsabkommen stoßen indes in der deutschen Bevölkerung auf breite Ablehnung. Fast zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger lehnten das Abkommen in einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag des Umweltinstituts München und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ab. Grund ist die Sorge vor neuen fossilen Abhängigkeiten und potenziellen Angriffen auf europäische Umweltstandards.

Zölle abbauen, um jeden Preis?

Die Europäische Kommission hatte sich mit Washington bereits im vergangenen Sommer nach mehreren Monaten Zollstreit auf den sogenannten Turnberry-Deal geeinigt. Ziel der Europäische Union war vor allem, Schaden zu begrenzen und einen drohenden Handelskrieg abzuwenden. Dabei akzeptierte die EU unter anderem Zölle in Höhe von bis zu 15 Prozent auf die meisten Exporte in die Vereinigten Staaten und verpflichtete sich ihrerseits, Zölle auf amerikanische Industrie-Importe abzuschaffen.

Deutschland hatte sich damals für eine schnelle Einigung eingesetzt, um Schäden für die Wirtschaft zumindest kurzfristig zu verhindern. Kritiker mahnten hingegen, mit der Forderung nach einer schnellen Einigung habe Kanzler Friedrich Merz die Verhandlungslinie der EU geschwächt.

Die Umsetzung des Abkommens hatte sich zunächst verzögert, da sichergestellt werden sollte, dass die Vorteile für die USA nur dann gelten, wenn Washington seine Verpflichtungen vollständig einhält. Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump Europa eine Frist bis zum 4. Juli gesetzt. Neben der gestrigen Abstimmung des Europaparlaments ist auf EU-Seite auch noch die Bestätigung durch den Ministerrat nötig.

EU verspricht, Energieimporte aus den USA zu verdoppeln

Die geplante Energiepartnerschaft mit den USA war formal nicht Teil der Abstimmung im Parlament. Als politisches Versprechen im Zuge des Zoll-Deals hatte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen allerdings zugesagt, dass die Europäische Union in den kommenden drei Jahren Energie im Wert von rund 700 Milliarden Euro aus den USA importiert, überwiegend fossile Brennstoffe. Konkret soll der Import von Flüssigerdgas, Öl und Atomprodukten aus den USA verdreifacht werden.

Europaabgeordnete, besonders aus der Grünen Fraktion, kritisieren, dass das Parlament über diesen ‚informellen‘ Teil des Abkommens nicht abstimmen konnte. Auch in der deutschen Bevölkerung stößt das fossile Importversprechen auf breite Ablehnung. Rund 80 Prozent der Befragten halten den Kurs für falsch, während lediglich 17 Prozent ihn unterstützen.

Misstrauen zieht sich durch alle Lager

Die Ablehnung der Energieimporte zieht sich dabei durch fast alle gesellschaftlichen Gruppen. Selbst unter denjenigen, die das Handelsabkommen grundsätzlich befürworten, lehnen fast drei Viertel die geplanten Energieimporte ab.

Auch grundsätzlich herrscht in der Bevölkerung ein tiefes Misstrauen gegenüber der US-Regierung unter Donald Trump. Ganze 85 Prozent der Befragten bezweifeln, dass die USA nach einer Zustimmung des EU-Parlaments auf weitere Zolldrohungen und Zollerhöhungen verzichten werden. Das Vertrauen in ein Abkommen auf Augenhöhe ist also minimal.

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Nach mehreren Monaten Zollstreit haben sich USA und EU in Schottland auf ein vorläufiges Zoll- und Handelsabkommen geeinigt. Das Abkommen geht deutlich zulasten von EU und Klima – und umfasst einen milliardenschweren Fossildeal.

„Ausgerechnet gegenüber Trump verzichtet die EU auf die übliche Praxis, Zollsenkungen an die Einhaltung von Völkerrecht, Umwelt- und Sozialstandards zu knüpfen. Das ist ein eklatanter Doppelstandard gegenüber ihren anderen Handelspartnern“, kommentiert Thomas Fritz von PowerShift die Zustimmung des Europaparlaments. „Mit ihrer Zustimmung ermutigt die EU Trump zudem, weitere riskante Zugeständnisse einzufordern – etwa bei Flüssiggasimporten oder im europäischen Digitalrecht. Auch die Hoffnung, der Zolldeal werde die Handelsbeziehungen zu den USA stabilisieren, erscheint fragwürdig.“

Schutz europäischer Umweltstandards gefordert

Kritiker aus Umweltverbänden warnen eindringlich vor den langfristigen Folgen dieses Abkommens. „Dieser Deal zementiert das fossile Geschäftsmodell und treibt Europa sehenden Auges in eine neue, gefährliche Erpressbarkeit“, warnt Ludwig Essig, Referent für internationale Handelspolitik am Umweltinstitut München. Die Vereinbarung blockiere den Klimaschutz und verlängere das fossile Zeitalter künstlich, anstatt den Ausstieg aus klimaschädlichen Energieträgern voranzutreiben.

Ein weiterer Konfliktpunkt betrifft den potenziellen Einfluss der USA auf die europäische Gesetzgebung. In den vergangenen Monaten hatte die Trump-Regierung mehrfach Forderungen geäußert, europäische Vorgaben abzuschwächen – insbesondere mit Blick auf die Methanverordnung, die zur Reduktion von Emissionen in der Öl- und Gasindustrie beitragen soll.

„Die Mehrheit der Menschen erwartet von ihren gewählten Politikern, dass Europa über seine eigene Gesetzgebung bestimmt und wichtige Klimagesetze nicht als Verhandlungschip gegenüber einem unzuverlässigen Partner wie der Trump-Regierung verspielt“, kommentiert Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. Auch stimmen die Deutschen zu: Über 70 Prozent der Befragten halten es für falsch, europäische Gesetze zu entschärfen, um den USA im anhaltenden Handelsstreit entgegenzukommen. jb

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