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StimmungsbildMehrheit der Menschen sieht Energiepolitik kritisch

Personen auf einem Platz von oben, teilweise unscharf
Die Energiepolitik der Bundesregierung steht bei Bevölkerung und Unternehmen in der Kritik. (Foto: Timon Studler auf Unsplash / Unsplash-Lizenz)

Die Energiepolitik der Bundesregierung kommt in der Bevölkerung nicht gut an. Vor allem die Streichung der Vergütung für kleine Solaranlagen stößt auf Ablehnung, aber auch die Reform des Heizungsgesetzes sehen viele Menschen skeptisch.

12.03.2026 – Rund 69 Prozent der Menschen im Land beurteilen die aktuelle Energiepolitik der Bundesregierung negativ. Nur 14 Prozent der Menschen bewerten sie als sehr positiv oder eher positiv. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der naturstrom AG durchgeführt hat.

Mehr als 53 Prozent aller Befragten halten die Pläne von Wirtschaftsministerin Reiche, die Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen bis 25 Kilowatt zu streichen, für „eindeutig falsch“ oder „eher falsch“. 36 Prozent finden sie „eindeutig richtig“ oder „eher richtig“, 10 Prozent sind unentschieden.

Auch die vorgebliche Abschaffung des sogenannten Heizungsgesetzes wird mehrheitlich kritisch bewertet, vor allem die damit einhergehende Verunsicherung. Rund 57 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Reformpläne der Bundesregierung für „eindeutig“ oder „eher mehr Verunsicherung“ sorgen. Sogar unter den Wähler:innen von CDU und CSU ist die Skepsis groß, in dieser Gruppe befürchten 39 Prozent mehr Verunsicherung. Lediglich 33 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass die Reform zu mehr Planbarkeit bei der Heizungswahl führt.

„Energiepolitik an den Menschen vorbei“

„Die Bundesregierung macht Energiepolitik an den Menschen vorbei“, kommentiert Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG die Ergebnisse. „Die Pläne für einen abrupten Stopp der Solarförderung und zugleich niedrigere Anforderungen an den Einbau neuer Gasheizungen senden ein fatales Signal: Dieser Bundesregierung ist es mit der Transformation nicht ernst.“

Die Auswirkungen auf reale Investitionsentscheidungen bleiben abzuwarten. Auch nach der Vorstellung der Pläne zur Heizungsreform sehen 40 Prozent der Befragten die Wärmepumpe als die langfristig wirtschaftlichste Heizlösung. Lediglich 16 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Gasheizungen bei steigender Beimischung von Wasserstoff oder Biomethan auf lange Sicht die günstigste Heiztechnik darstellen.

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Ein Großteil der Hausbauer beschreitet längst den Erneuerbaren Weg

Will die Bundesregierung auch künftig den Einbau fossiler Heizungen zulassen, haben sich die meisten Erbauer von Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern längst für Erneuerbare Technologien entschieden. Kassenschlager: die Wärmepumpe.

Allerdings wird an dieser Stelle auch sichtbar, wie stark die Energiewende im Heizungskeller politisch aufgeladen ist. Bei der Beurteilung der Frage, welche Heizung langfristig für die günstigste Lösung angesehen wird, gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Anhängern der einzelnen Parteien. Knapp 86 Prozent der Grünen-Anhänger, knapp 63 Prozent der Linken-Anhänger und 53 Prozent der SPD-Anhänger setzen bei dieser Frage auf eindeutig auf die Wärmepumpe, aber nur knapp 40 Prozent der CDU/CSU-Anhänger, bei der AfD sind es gar nur knapp 11 Prozent. Doch das Bild zeigt auch, dass die Wärmepumpe über Parteigrenzen hinweg als echte wirtschaftliche Alternative angesehen wird.

Diese Perspektive spiegelt sich auch in der Erwartung der künftigen Heizkosten: Über 80 Prozent der Befragten rechnen damit, dass Heizen mit Gas künftig „auf jeden Fall“ oder „eher“ teurer wird, wenn der verpflichtende Anteil grüner Gase steigt. „Die Menschen haben begriffen, dass der Einbau einer neuen Gasheizung ein finanzielles Risiko darstellt“, bilanziert Oliver Hummel von naturstrom. Und zwar über alle Parteigrenzen hinweg: Die Erwartung, dass Heizen mit Gas teurer wird, teilen je nach Parteipräferenz von den Linken bis zur Union zwischen 77 und 86 Prozent.

„Ob Heizungstausch oder Solarförderung: Noch handelt es sich um Pläne und Eckpunkte“, erinnert Oliver Hummel. „Die Bundesregierung selbst und auch die Fraktionen im Bundestag können noch nachjustieren.“ Anlass zum Nachdenken für den Koalitionspartner SPD: Nur 6,2 Prozent der eigenen Anhänger:innen bewerten die Energiepolitik der Regierung positiv.

Auch Unternehmen sind unzufrieden

Inzwischen haben sich rund 4.500 Unternehmen in Deutschland einem Appell angeschlossen, der die Energiepolitik der Bundesregierung kritisiert. Gefordert wird eine Modernisierung des Energiesystem und das Festhalten am beschleunigten Ausbau der Erneuerbaren Energien.

„Mit den Vorhaben wie im Netzpaket oder den Eckpunkten eines Gebäudemodernisierungsgesetzes vorgestellt wurden, verliert die Bundesregierung die Ziele und Chancen der Energiewende aus den Augen. Sie gefährden bestehende Investitionen und Arbeitsplätze. Geplante Regeln, die die Rahmenbedingungen selbst für sogar bereits getätigte Investitionen massiv und einseitig zu Ungunsten innovativer Geschäftsmodelle im Energiesektor verändern, bedeuten nicht nur einen Vertrauensbruch gegenüber Unternehmen, sie sind auch Gift für dringend notwendige neue Investitionen und den Standort Deutschland“, heißt es im Appell.

Umfrage der Deutschen Umwelthilfe: Erneuerbare für nationale Sicherheit

Den Aspekt der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern thematisiert eine Umfrage der Deutschen Umwelthilfe. 72 Prozent der Befragten sind demnach überzeugt, dass die Abhängigkeit von fossilen Energielieferungen das Risiko internationaler Konflikte erhöht, 57 Prozent sehen dadurch die nationale Sicherheit geschwächt. Dementsprechend wünschen sich 58 Prozent der Menschen in Deutschland eine Priorisierung der Energiewende. Die Befragung wurde im Februar 2026 nach der US-Intervention in Venezuela und Trumps Drohungen zur Annexion Grönlands durchgeführt – noch vor Kriegsbeginn in Iran, der dieses Stimmungsbild absehbar noch verstärkt haben dürfte. pf

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Die Deutschen schauen derzeit weniger positiv auf die Energiewende als noch vor wenigen Jahren. Sie sorgen sich vor allem vor finanzieller Belastung. Wie stark sich der Einzelne betroffen fühlt, hängt auch von der politischen Orientierung ab.

Janina Mütze ist Gründerin und Geschäftsführerin von Civey, einem Online-Meinungsforschungsunternehmen

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