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NGO betreibt am Aralsee Schadensbegrenzung

Schiffsruine in Moynaq im ausgetrockneten Aralsee – Usbekistan (Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/manfreds-photos/15062959490/" target="_blank">Manfred Jansen / flickr.com</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/" target=
Schiffsruine in Moynaq im ausgetrockneten Aralsee – Usbekistan (Foto: Manfred Jansen / flickr.com, CC BY-ND 2.0)

Die schleichende Austrocknung des Aralsees gilt als eine der schlimmsten Umweltkatastrophen der Welt. Jetzt kämpft eine NGO für Änderungen bei der lokalen Wasser- und Landwirtschaftspolitik sowie einen dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien.

15.04.2017 – Einst war der Aralsee mit einer Ausdehnung von rund 68.000 Quadratkilometern noch der viertgrößte Binnensee der Erde – größer als der Michigansee in den USA oder der Baikalsee in Russland. Der Bodensee fand damals locker 126 Mal in ihm Platz. Doch mit dem Start der wirtschaftlichen Nutzung immenser Wassermassen Mitte des 19. Jahrhunderts, begann das langsame Sterben des Aralsees. Zu dieser Zeit expandierte die lokal ansässige Baumwollindustrie sehr stark und die Felder benötigten eine immer intensivere Bewässerung.

Dadurch wurden den beiden Hauptzuflüssen, der aus dem Süden kommende Amudarja sowie der aus dem Osten fließende Syrdarja, große Wassermengen für den Baumwollanbau entnommen. Vor allem im südlichen Teil erreichte den Aralsee praktisch kaum noch Wasser. Dadurch kam es in den letzten Jahrzehnten zu einem schleichend langsamen und dennoch kontinuierlichen Rückgang der ursprünglich noch riesigen Wassermengen.

Das langsame Verschwinden des Aralsees im Zeitraum von 2000 bis 2011. (Foto: NASA Earth Observatory / Thomas Bresson / commons.wikimedia.org, Public Domain)

Als Folge des immensen Wasserschwundes nahm in den stetig wachsenden Uferregionen die Versalzung immer stärker zu. Aber auch der Salzgehalt des Sees stieg kontinuierlich, wodurch nach und nach die Fischbestände abstarben. Spätestens in den 1990er Jahren war die Fischereiwirtschaft fast gänzlich zum Erliegen gekommen.

Gleichzeitig lagert sich immer mehr Salz auf den Oberflächen landwirtschaftlich genutzter Flächen ab, wodurch große Mengen an Trinkwasser verderben. Inzwischen wird daher in der Region die Wasserarmut für die Bevölkerung immer bedrohlicher. Aufgrund geringerer Wasserverdunstungen und der spürbaren Erderwärmung kommt es außerdem zu immer stärkeren regionalen Klimaveränderungen.

Bisher wurde aus den Fehlern nicht viel gelernt

„Doch aus den Fehlern der von den sowjetischen Machthabern begründeten menschlichen Fehlleistungen hat man in Usbekistan und den Nachbarländern noch nicht viel gelernt“, klagt Hans-Josef Fell, Präsident der Energy Watch Group. So werde in Tadschikistan weiterhin fleißig an einem Staudamm gebaut, der nach seiner Fertigstellung riesige Strommengen liefern soll. Jedoch wird er dann auch zu einer zusätzlichen Verknappung der Trinkwassermengen führen und die gesamte Problematik an der Region weiter verstärken.

Daher bleibt die Frage offen, wieso die benötigten Strommengen nicht schon längst mithilfe anderer regenerativer Energieformen produziert werden. Die weiten Steppen und Wüsten sind nämlich nicht nur sehr windreich, sondern weisen auch überdurchschnittlich viele Sonnentage pro Jahr auf. Mit einem breit angelegten Ausbau verschiedener Formen Erneuerbarer Energien wäre der Bau des Staudamms redundant. Zusätzlich könnte damit eine weitere Wasserverknappung verhindert werden.

NGO engagiert sich für effizientere Wassernutzung

Die Nichtregierungsorganisation (NGO) KRASS (Khorezm Rural Advisory Support Service) hat daher zusammen mit der usbekischen Universität Urgench Methoden für eine wesentlich effizientere Wassernutzung entwickelt. Durch eine Auskleidung der Bewässerungsgräben mit Folien könne der Bewässerungsbedarf um 75 Prozent reduziert werden, da das Versickern von Wasser verhindert wird. Außerdem wäre auch eine Verwendung von Reststoffen aus der Landwirtschaft und Viehhaltung für Biogasanlagen möglich, wodurch klimaschädliches Erdgas ersetzt werden könnte.

Zurzeit ist KRASS aber weiterhin auf der Suche nach Lösungen für die Probleme am Aralsee. Dabei müssen nun Konzepte der zukünftigen Energie- und Wasserversorgung gleichermaßen entwickelt werden. Die Entwicklung dezentraler Energieversorgungsysteme durch Photovoltaik- oder Kleinwindanlagen stehen dabei ebenso wie effiziente Bewässerungssysteme im Fokus.

Wissenschaftler hatten bereits vor vielen Jahrzehnten von dem Ausmaß der Katastrophe am Aralsee gewarnt. Doch ohne Erfolg, ihnen wurde nicht Gehör geschenkt. Die ökologischen und inzwischen auch sozialen Probleme sind „hausgemacht“, sie hätten verhindert werden können. Ein frühzeitiger aktiver Klimaschutz hätte die Menschen in der Region vor vielen Problemen bewahrt. Nun muss am Aralsee zumindest noch Schadensbegrenzung betrieben werden. Einmal mehr wird deutlich, wie wichtig ein vernünftiger Umgang mit der Umwelt wirklich ist. jk


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