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Ölförderung im Berggorilla-Lebensraum gestoppt

Berggorillas sind äußerst bedroht. (Bild: © kathy1976  / pixelio.de)
Berggorillas sind äußerst bedroht. (Bild: © kathy1976 / pixelio.de)

Umweltschützer können aufatmen – zumindest vorerst: Der britische Ölkonzern Soco International PLC hat eingelenkt und wird einstweilen nicht im Virunga Nationalpark nach Öl bohren. Allerdings hängt die Zukunft der Berggorillas weiterhin von der Uneso und der kongolesischen Regierung ab.

17.06.2014 – Durch das Kinodrama „Gorillas im Nebel“, das den harten Kampf der Tierschützerin Diane Fossey gegen die Ausrottung der Berggorillas schildert, wurde der Virunga-Park mit seinem üppigen Grün und nebelfeuchten Waldhängen weltbekannt. Was die Öffentlichkeit kaum mitbekommen hat: Die großen Affen sind nicht nur durch Wilderer bedroht, sondern auch wegen des schwarzen Goldes im Inneren der Erde, tief unter den Wurzeln der Bäume. Vorerst können Umweltaktivisten erleichtert sein: Der britische Ölkonzern Soco International PLC lenkt ein und wird seine Aktivitäten zur Ölförderung in Virunga, Afrikas ältestem Nationalpark, einstellen.

Der World Wide Fund for Nature (WWF) hatte sich in einer internationalen Kampagne weltweit für die Rettung des Nationalparks in der Demokratischen Republik Kongo eingesetzt und massiv gegen die geplanten Ölbohrungen protestiert. „Heute hat der Naturschutz gegen die Profitsucht gewonnen. Wir feiern einen Sieg, den Nationalparkvertreter und Aktivisten vor Ort gemeinsam mit Unterstützern weltweit errungen haben. Damit ist die derzeit größte Bedrohung für den Park zumindest vorerst abgewendet“, freut sich Marco Lambertini, Generaldirektor des WWF International. „Wir fordern die Regierung der Demokratischen Republik Kongo nachdrücklich auf, alle mit dem Park überlappenden Ölkonzessionen endgültig zurückzunehmen. Sie würde damit ihrer Verantwortung für das Welterbe Virunga gegenüber der Weltgemeinschaft eindrucksvoll gerecht werden.“

Der WWF hatte im Herbst vergangenen Jahres Beschwerde gegen das an der Londoner Börse gelistete Unternehmen Soco bei der nationalen Kontaktstelle der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eingereicht. Die Rückzugsankündigung ist Ergebnis des Mediationsprozesses zwischen den beiden Parteien. Das Unternehmen wird bereits laufende seismische Tests beenden und im Anschluss vorerst kein Öl im Nationalpark fördern. Bedroht bleibt das Gebiet allerdings weiterhin. Soco sichert bislang lediglich zu, auf Ölbohrungen solange zu verzichten, wie die Unesco und die kongolesische Regierung dies als unvereinbar mit dem Status des Parks als Welterbe ansehen.  

Die WWF-Petition gegen Ölbohrungen in Virunga hatten mehr als 750.000 Menschen aus aller Welt unterzeichnet. Die Umweltschutzorganisationen bedankte sich bei ihren Unterstützern und erklärte, nun gelte es, Virungas Zukunft zu sichern und weitere bedrohte Weltnaturerbestätten zu retten, die immer häufiger in einen Interessenskonflikt von wirtschaftlicher Entwicklung und Naturschutz gerieten - das Great Barrier Reef in Australien, das Selous Wildreservat in Tanzania und den Doñana Nationalpark in Spanien. 

Der Virunga Nationalpark, UNESCO Weltnaturerbe und Ramsar Feuchtgebiet, ist 790.000 Hektar groß und im Osten der Demokratischen Republik Kongo gelegen, an der Grenze zu Ruanda und Uganda. Ebenso wie der Volcanoes Nationalpark in Ruanda entstand der Park 1969 aus dem bereits seit 1925 bestehenden Albert-Nationalpark. Er ist der artenreichste Nationalpark Afrikas und unter anderem Heimat von knapp 200 der vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Der zugehörige Edwardsee ist zudem Lebensgrundlagen für mehr als 50.000 Menschen.

Eine WWF-Studie hat ein wirtschaftliches Wertschöpfungs-Potenzial des Virunga Nationalparks von bis zu 1,1 Milliarden US-Dollar jährlich ermittelt – falls der Park nachhaltig bewirtschaftet würde. Dabei könnten vor Ort bis zu 45.000 sichere Arbeitsplätze in den Bereichen Wasserkraft, Fischerei, Öko-Tourismus, Medizin sowie Forschung und Bildung entstehen.rr


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