Energiewende Schweiz: Gerangel um neue AKW in der Schweiz geht weiter

Das Schweizer Parlament hat nach langen Debatten dem Vorschlag von Energieminister Rösti zugestimmt, das seit 2017 geltende Neubauverbot für AKW wieder aufzuheben. Umweltverbände sind empört und kündigten ein Referendum an.
18.06.2026 – Das Schweizer Parlament (Nationalrat) hat in dieser Woche mit 100:98 Stimmen den Gesetzesvorschlag von Energieminister (Bundesrat für Energie) Albert Rösti angenommen, der das 2017 in einer Volksabstimmung beschlossene AKW-Neubauverbot wieder aufheben soll, berichten Schweizer Medien.
Ein Hintergrund für Röstis Vorstoß und die erneute Debatte war u. a. die seit längerer Zeit laufende Volksinitiative Blackout stoppen einiger Wirtschaftsverbände und bürgerlicher Parteien – darin geht es um die zukünftige Strom-Versorgungssicherheit der Schweiz und deren vermeintliche Gefährdung verbunden mit der Forderung, dass die Schweiz sich alle „klimafreundlichen Technologien“ offenhalten müsse.
Momentan beziehe die Schweiz rund 30 Prozent ihres Stroms aus Atomenergie, so Bundesrat Rösti, der in der Debatte argumentiert, dass die Schweizer für die Stromversorgung der Zukunft zwischen klimaschädlichen Gaskraftwerken, unsicheren Stromimporten oder neuen Kernkraftwerken wählen müssten. Seit der letzten Abstimmung hätten sich zudem die Rahmenbedingungen geändert – durch die Energiekrise infolge des Ukraine-Krieges und einen steigenden Strombedarf der Schweiz. Den Bau neuer AKWs müsste man sich daher offenhalten, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Für mögliche Standorte hatte der Energieminister auch schon eine Idee und erwähnte dabei die bestehenden AKW-Standorte Leibstadt und Beznau nahe der deutschen Grenze. Umwelt-Organisationen warnen indes vor dem Atom-Risiko, das von den Schweizer Uralt-Reaktoren ausgeht.
Auch die Finanzierung war Thema in der Debatte. Nun solle das Energieministerium bis Ende des Jahres einen Bericht zu den finanziellen Folgen möglicher AKW-Neubauten vorlegen, hieß es aus dem Parlament.
Bei Umweltschutzverbänden löste die Entscheidung Empörung aus. Neue Kernkraftwerke torpedierten die Energiewende und würden den notwendigen und sinnvollen Ausbau Erneuerbarer Energien ausbremsen. Zudem wären die Punkte Kosten und Entsorgung in der Debatte nicht berücksichtigt. Einige Organisationen und die Grünen haben bereits angekündigt, ein Referendum auf den Weg zu bringen. Wenn dafür ausreichend Unterschriften gesammelt werden, könnte die Schweizer Bevölkerung erneut darüber abstimmen.
Bereits 2024 hatte die Schweiz verbindliche Erneuerbare-Energien-Ziele bis 2035 und 2050 festgelegt. Eines der Kernanliegen der Revision des Energiegesetzes (EnG) waren die Zubauziele für Erneuerbare Energie im Inland sowie deren Beitrag zur Produktion im Winterhalbjahr.
Atomkraft-Debatten auch in der EU
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete noch Anfang dieses Jahres Europas Abkehr von der Atomkraft als einen strategischen Fehler. Dabei führen Investitionen in Kernenergie zu Verschuldung und politisch riskanten Abhängigkeiten, zeigt der Report Debt, Delays, Dependencies – Why Public Banks Should Not Support Nuclear Power von urgewald und Ecodefense, der eindringlich vor den Folgen einer Renaissance der Atomkraft warnt. Der World Nuclear Industry Status Report 2025 machte außerdem deutlich, dass Kernenergie weltweit an Bedeutung verliere und Erneuerbare im Aufwind sind, mit enormen Zuwächsen an Solar- und Batteriekapazitäten bei sinkenden Kosten.
Rahmenstromabkommen EU und Schweiz
Anfang 2025 hatten sich die EU-Kommission und die Schweizer Regierung nach fast 20 Jahren Verhandlung auf ein Rahmenstromabkommen geeinigt. Die Marktintegration der Schweiz soll den Stromhandel mit der EU rechtlich ordnen, vereinfachen und die Stromkosten für alle Verbraucher langfristig senken. Die Vorteile beider Länder – zahlreiche Windkraft- und Solaranlagen in Deutschland und riesige Speicherkapazitäten in der Schweiz – ließen sich für eine sichere und günstige Stromversorgung beiderseits der Grenze verbinden. na
Hinweis der Redaktion: Dieser Beitrag wurde korrigiert. Wir hatten zuerst berichtet, dass der Vorschlag von Rösti im Parlament abgelehnt wurde und es beim Neubauverbot bleibt. Nach einer erneuten Abstimmung im Schweizer Nationalrat drei Tage später haben sich die Mehrheitsverhältnisse dann geändert und der Vorschlag von Rösti bekam doch eine Mehrheit. Das letzte Wort hat voraussichtlich das Schweizer Stimmvolk in einem Volksentscheid im Frühjahr 2027.






















































Kommentare
Jan am 19.06.2026
Laut SRF ist war die Abstimmung erfolgreich, was denn nun? https://www.srf.ch/news/schweiz/atomenergie-doch-keine-rueckweisung-parlament-hebt-akw-neubauverbot-auf