Atomenergie: SMRs kritisch hinterfragen

Der Verein Zukunft ohne Kernenergie räumt mit Mythen über Small Modular Reactors auf. In einem Fragenkatalog wird fundiert erklärt, was an den Versprechen über SMRs dran ist – und was nicht.
08.09.2026 – Small Modular Reactors (SMRs) gelten seit einigen Jahren als Zukunft der Atomindustrie und sollen viele der Probleme herkömmlicher AKW wie hohe Baukosten, lange Konstruktionszeiten und große Mengen an hochradioaktivem Atommüll lösen. So stellte die Weltbank SMRs vor nicht allzu langer Zeit als Lösung für Entwicklungsländer dar. Auch die EU-Kommission stellte erst im März 2026 eine SMR-Strategie vor, die die kleinen Reaktoren bis 2030 ans Netz bringen soll.
Weltweit laufen nur zwei SMRs, kommerziell verfügbar sind sie nicht. Viele der vorteilhaften Annahmen über SMRs sind zudem kaum haltbar. Der Verein Zukunft ohne Kernenergie e. V. hat nun eine detaillierte FAQ-Sammlung zum Thema vorgestellt. Darin werden u.a. die Frage nach Skalierung, Urananreicherung und einem möglichen Beitrag zu den Klimazielen kritisch beleuchtet.
Mehr Kernkraftwerke, mehr Sicherheitsrisiken
Zu den Hauptkritikpunkten an SMRs zählt das fortlaufende Erzeugen hochradioaktive Abfälle bei weiterhin ungelöstem Endlagerproblem, die vermehrte Verbreitung von höher angereichertem Uran, und grundlegende Sicherheitsrisiken.
Bei bisherigen Projekten fand etwa ein Gutachten des Okö-Instituts im Auftrag des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) keine Senkung der Bauzeiten und -kosten. Skalierungseffekte seien nur schwer realisierbar und es stehe nicht zu erwarten, dass die Kostennachteile durch Lern- oder Masseneffekte kompensiert werden können. Zudem müssten wohl 3000 SMRs produziert werden, bevor sich der Einstieg in die Massenproduktion lohnen würde. Komplikationen und sicherheitstechnische Risiken, die sich aus der deutlich höheren Anzahl der benötigten SMRs ergeben, würden bei Planungen zudem weitgehend vernachlässigt.
Besonders Transport und Rückbau wurden bisher kaum näher untersucht. Dabei produzieren SMRs laut einer Stanford-Studie bis zu 30-mal mehr radioaktive Abfälle als herkömmlicheReaktoren. Als Abfälle werden genutzte Brennelemente sowie schwach- und mittelaktive Abfälle gezählt.
Nicht zuletzt ist die zivile Nutzung der Kernenergie untrennbar mit nuklearer Aufrüstung verflochten, und ihr Ausbau befeuert immer auch ein neues globales Wettrüsten. Gleichzeitig zementiert die Verfügbarkeit des Brennmaterials Uran geopolitische Abhängigkeiten, besonders von Russland.
Kein nennenswerter Beitrag zur Energiesicherheit bis Ende 2030
Hinzu kommt die fehlende Wirtschaftlichkeit der SMRs. Große Energieunternehmen wie etwa EnBW und RWE halten die Technologie für zu unreif für Investitionen privatwirtschaftlicher Unternehmen.
SMRs sind zudem mit allen bekannten Problemen der Atomkraft behaftet. Bei Abwägen der Baukosten und der tatsächlichen Leistung sind sie jedoch teurer als herkömmliche große Reaktoren. Auch im Vergleich zu erneuerbaren Energien und Speichern bleiben SMRs wirtschaftlich im Nachteil.
Die Initiative geht – ebenso wie der World Nuclear Industry Status Report 2025 – davon aus, dass SMRs bis Ende 2030 keinen nennenswerten Beitrag zur Energiesicherheit oder zu den EU-Klimazielen leisten werden. Der FAQ-Katalog ist als ausbaufähiges Nachschlagewerk angelegt. Der Verein bittet um fachliche Hinweise und neue Fragen. jb
























































Kommentare
Klaus Erich am 09.09.2026
Welche Ultra-Schwachköpfe wollen noch immer AKWs bauen, die mit Abstand teuerste Variante der Stromerzeugung? Wie wäre es, wenn diese Leute erst mal ein Endlager für Atommüll unter ihrem Wohnort fordern würden?