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Starre Großkraftwerke kosten uns Hunderte Millionen Euro

Ungeachtet der steigenden Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien wird die Leistung der Atom- und Kohlekraftwerke nicht gedrosselt. Das verursacht nicht nur horrende zusätzliche Kosten, sondern setzt auch vermeidbare Treibhausgasemissionen frei. (Foto:
Ungeachtet der steigenden Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien wird die Leistung der Atom- und Kohlekraftwerke nicht gedrosselt. Das verursacht nicht nur horrende zusätzliche Kosten, sondern setzt auch vermeidbare Treibhausgasemissionen frei. (Foto: © glasseyes view, flickr.com/photos/axelhartmann/6050119079, CC BY-SA 2.0)

Ungeachtet der steigenden Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien wird die Leistung der Atom- und Kohlekraftwerke nicht gedrosselt. Das verursacht nicht nur horrende zusätzliche Kosten, sondern setzt auch vermeidbare Treibhausgasemissionen frei.

01.06.2016 – Immer häufiger sind die Stromnetze in Deutschland überlastet, weil Kraftwerke zu viel Energie produzieren. Allerdings führen die Überlastungen auch zu überflüssigen Netzkosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro, so das Ergebnis einer von Greenpeace in Auftrag gegeben Kurzstudie. Die Mehrkosten kommen dadurch zustande, dass die Erneuerbaren-Energien-Anlagen abgeregelt und dementsprechend auch entschädigt werden müssen. Im Bundesland Schleswig-Holstein sollen die starren Großkraftwerke 2015 zusätzliche Netzkosten in Höhe von 160 Millionen Euro verursacht haben. Getragen werden die Kosten von den Stromkunden. Die Bundesregierung sieht das Problem jedoch bei den Erneuerbaren. Mit der Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetzes soll der Zubau der Windenergie massiv gebremst werden, um den Ausbau der Stromnetze nicht abzuhängen. Allerdings zeigt die Greenpeace-Analyse, dass das eigentliche Probleme ein ganz anderes ist: Starre Großkraftwerken verstopfen die Netze und machen ein teures Netzmanagement überhaupt erst nötig.

„Die Energiekonzerne lassen ihre unflexiblen Großkraftwerke auch dann mit hoher Auslastung laufen, wenn genug Wind- und Sonnenstrom da sind. Das ist nicht nur schädlich fürs Klima, sondern auch teuer für die Stromkunden“, urteilt Greenpeace-Energieexperte Tobias Austrup. „Statt Windräder muss die Bundesregierung für die Energiewende mehr konventionelle Kraftwerke vom Netz nehmen und Platz schaffen für die Erneuerbaren“, so Austrup weiter. Dies wird auch daran deutlich, dass Deutschlands Stromexporte mit jedem Jahr steigen. Im vergangenen Jahr war vor allem der Kohlestromanteil besonders hoch, da die Kraftwerke deutliche Überkapazitäten verzeichnet haben. Trotz der gestiegenen Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien, wurde die klimaschädliche Energieerzeugung aus Kohlekraftwerken nicht gedrosselt.

Windenergie ist Sündenbock für Netzengpässe

„Die Union will vor allem die Windenergie zum Sündenbock für Netzengpässe machen. Das ist absurd. Auch die Energiewende-Gegner sollten endlich anerkennen, dass die unflexiblen Großkraftwerke Umweltprobleme verursachen und die eigentlichen Strompreistreiber sind“, so Austrup. Die Abregelungen von Wind-, Photovoltaik- und Biomasse-Anlagen summierten sich bereits in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2015 auf rund 1,9 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht rund 1 Prozent der Erneuerbaren-Stromerzeugung des gesamten letzten Jahres oder dem Stromverbrauch von über 500.000 Haushalten.

Außerdem analysiert die durch Greenpeace beauftragte Kurzstudie am Beispiel des Stromnetzes in Schleswig-Holstein das Einspeiseverhalten konventioneller Kraftwerke. Das Atomkraftwerk Brokdorf und das Steinkohlekraftwerks Moorburg haben selbst dann ihre Produktion kaum gedrosselt, wenn sehr viel Strom aus Erneuerbaren Energiequellen verfügbar war. Insbesondere beim AKW Brokdorf wäre technisch oftmals eine Leistungsreduzierung möglich gewesen. Dagegen wurde die Stromproduktion gedrosselt, sobald der Börsenstrompreis unter null lag. „Nur bei negativen Strompreisen drosseln die Großkraftwerke ihre Leistung, während sie bei Netzengpässen stur weiterlaufen. Das darf nicht durch eine Energiewende-Bremse belohnt werden“, fordert Austrup daher. jk


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Kommentare

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Energiewender 01.06.2016, 11:27:50

+182 Gut Antworten

Ist nicht die Abschaltung von EE-Anlagen wegen unflexiblen Fossilkraftwerken ist gesetzeswidrig?

 

§11 Abs.1 EEG: "Netzbetreiber müssen vorbehaltlich des § 14 den gesamten Strom aus erneuerbaren Energien oder aus Grubengas, der in einer Veräußerungsform nach § 20 Absatz 1 veräußert wird, unverzüglich vorrangig physikalisch abnehmen, übertragen und verteilen."

 

http://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/__11.html

 

Von daher ist die Lage einfach falsch dargstellt, wenn die Netze voll sind und auf die Windräder geschimpft wird. Eigentlich wären die fossilen Kraftwerke abzuschalten, zumindest runterzufahren. Und wenn das Hochfahren Mühe und Kosten verursacht, sind das einfach technische Probleme, die man selbst verschuldet hat. Gaskraftwerke haben diese Probleme nicht.

Joschua Katz 01.06.2016, 12:12:35

+187 Gut Antworten

Hallo Energiewender,

 

das ist absolut richtig, die Erneuerbaren haben eigentlich einen Einspeisevorrang. De facto müssten also die Großkraftwerke ihre Produktion runterfahren. Technisch wäre das anscheinend sogar möglich, da auf negativen Börsenstrompreise schließlich auch mit einer Verringerung der Leistung reagiert wird.

 

Da die fossilen Kraftwerke bei Netzüberlastungen ihre Produktion jedoch nicht veringern, müssen dann die Erneuerbare-Energien-Anlagen entschädigt werden, was zu den extrem hohen Kosten führt.

 

Viele Grüße

Joschua Katz / Redaktion


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