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Tschernobyl: Wald-Ökosystem massiv gestört

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 hinterlässt noch immer massive Spuren: Totes Pflanzenmaterial wird kaum zersetzt, denn die Strahlung hemmt Bakterien, Pilze und Insekten. Die Folge: Bäume wachsen langsamer und die Waldbrandgefahr steigt. (Grafik
Die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 hinterlässt noch immer massive Spuren: Totes Pflanzenmaterial wird kaum zersetzt, denn die Strahlung hemmt Bakterien, Pilze und Insekten. Die Folge: Bäume wachsen langsamer und die Waldbrandgefahr steigt. (Grafik: University of South Carolina)

Rund um Tschernobyl ist das Ökosystem stark gestört. Laub und Totholz werden kaum zersetzt, die Strahlung hemmt Insekten, Bakterien und Pilze. Dadurch ist das Gebiet durch Waldbrand gefährdet, ein Feuer könnte Strahlung durch die Luft verbreiten.

24.10.2014 – Auch fast 30 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl ist das Ökosystem im Norden der Ukraine noch immer massiv gestört. Betroffen von der Strahlung sind nicht nur Menschen, auch Tiere, Insekten, Bäume, Bakterien und Pilze sind nicht mehr so zahlreich vorhanden und entwickeln und verhalten sich noch immer anders. Vögel entwickeln beispielsweise in den verseuchten Gebieten kleinere Gehirne. Nun kam eine Untersuchung der Chernobyl and Fukushima Research Initiative an der University of South Carolina zu dem Schluss, dass auch das Baumwachstum und der für das Ökosystem Wald elementare Prozess der Zersetzung von Totholz und Blättern stark gestört sind.

Ausgang der Analyse war die Beobachtung, dass sich in den verstrahlten Gebieten deutlich mehr Laub und Totholz, also organisches Material, ansammelte und nicht verrottete. Baumstämme toter Bäume, die normalerweise nach zehn Jahren zersetzt wären, sind dort auch nach 15-20 Jahren noch erhalten. Die Wissenschaftler verteilten zur Untersuchung über 600 Beutel gefüllt mit unbelastetem Pflanzenmaterial von verschiedenen Bäumen in unterschiedlich radioaktiv belasteten Gebieten. Nach einem Jahr sammelten sie die Proben wieder ein und überprüften den Gewichtsverlust.

Strahlung hat Auswirkungen auf Pilze und Bakterien

Das Ergebnis war, dass in unbestrahlten Gebieten 70 bis 90 Prozent der Blätter verrottet waren, in bestrahlten Gebieten dagegen nur rund 40 Prozent. Die für den Zersetzungsprozess wichtigen Bakterien, Pilze und Insekten sind in verstrahlten Regionen in geringerer Zahl anzutreffen und werden von der Strahlung in ihrer Wirkung beeinträchtigt, folgerten die Wissenschaftler. Durch die Anzahl der vielen Proben konnten mögliche Effekte und Einflussfaktoren wie Temperatur, Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit ausgeschlossen werden.

Die Forscher sehen in der langsamen Zersetzung von totem Pflanzenmaterial auch einen Grund für den langsamen Baumwuchs um die Region Tschernobyl. Denn im Ökosystem Wald werden durch den Zersetzungsprozess von totem Holz und Blättern wichtige Nährstoffe zurück in den Boden gebracht, die Pflanzen zum Wachstum benötigen. Stehen diese Nährstoffe nicht zur Verfügung ist auch das Pflanzenwachstum gehemmt. Aus den großen Mengen Laub und Totholz ergibt sich außerdem noch ein anderes Problem: Das Gebiet ist stark durch Waldbrand gefährdet. Großfeuer im Wald wären möglicherweise in der Lage, Strahlung in die Luft zu bringen und weiter zu verbreiten. Experten befürchten, dass ein solches Szenario für die kommenden Jahre nicht auszuschließen ist. Einen Plan zur Lösung des Problems gibt es bislang nicht und auch die rasche Fertigstellung der dringend notwendigen neuen Schutzhülle für den havarierten Reaktor ist in Gefahr.cw


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