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Ukraine: Experten über AKWs in Kampfregion besorgt

Das Atomkraftwerk Saporoschje  am Dnepr im Südosten der Ukraine ist mit seinen sechs Reaktorblöcken das größte Kernkraftwerk Europas. (Foto: Ralf1969, wikimedia.commons, CC BY-SA 3.0)
Das Atomkraftwerk Saporoschje am Dnepr im Südosten der Ukraine ist mit seinen sechs Reaktorblöcken das größte Kernkraftwerk Europas. (Foto: Ralf1969, wikimedia.commons, CC BY-SA 3.0)

200 Kilometer ist die größte Atomanlage Europas von den Kämpfen in der Ostukraine entfernt. Die 15 Reaktoren des Landes sind veraltet und kaum geschützt, Kiew ist schon länger besorgt. Unbekannte attackieren Anlagen und die NATO schickt Experten.

02.09.2014 – Die größte Atomanlage Europas im Südosten der Ukraine liegt zwar noch 200 Kilometer entfernt vom derzeitigen Kampfgebiet im Donezk, doch zahlreiche Atomexperten und Umweltschützer sind besorgt. Denn nie zuvor hat es einen Krieg in einem Land mit mehreren Atomkraftwerken gegeben. In der Ukraine sind es 15 aktive Kernreaktoren, die meisten davon sind vollkommen überaltert, viele dürften gar nicht mehr am Netz sein.

Die ukrainischen AKWs seien nicht einmal gegen den Absturz größerer Flugzeuge geschützt. Wie der WDR berichtet, ist auch die ukrainische Atomaufsicht besorgt. „Unsere modernen AKW der Baureihe WWR 320 sind gegen den Absturz kleiner Flugzeuge bis etwa zehn Tonnen gesichert. Aber schon für eine Boeing 737 mit ihren rund 60 Tonnen ist das natürlich nicht ausreichend“, erklärte Sergej Boschko, Chef der Aufsicht, gegenüber dem WDR. Die Kernreaktoren sind den schweren Waffen schutzlos ausgeliefert, die in der Ostukraine von beiden Seiten benutzt werden.

„Atomkraftwerke nicht für Krieg ausgelegt“

„Diese Atomkraftwerke sind nicht für Krieg ausgelegt, sondern für Frieden“, bestätigt Boschko. Auf dem Gelände der größten Atomanlage Europas in Saporoschje lagern außerdem über 100 Spezialbehälter mit abgebrannten Brennelementen ungeschützt im Freien. Ein Mitglied des Vorstands der ukrainischen Atomaufsicht kommt zu einem noch drastischeren Ergebnis. Dem WDR schrieb er: „Atomkraftwerke und Krieg sind nicht miteinander vereinbar. Ein Krieg mit konventionellen Waffen in einem Gebiet mit Atomkraftwerken wird früher oder später unweigerlich zu einem ‚nuklearen‘ Krieg.“ Gemeint ist wohl ein zweites Tschernobyl.

Tatsächlich haben beide Kampfparteien wohl große Mengen an Waffen, die einem Atomkraftwerk sehr gefährlich werden könnten – von Flugzeugabschüssen und deren Folgen ganz zu Schweigen. Im Frühjahr versuchten sogar Bewaffnete mitten in der Nacht in die Atomanlage Saporoschje einzudringen. Polizisten konnten sie wohl gerade noch daran hintern. Wer die Männer waren ist unbekannt.

Kiew ist beunruhigt und holt NATO-Experten

Im Mai begutachteten NATO-Experten auf Einladung Kiews die Atomkraftwerke des Landes und gaben der Ukraine zahlreiche Empfehlungen vor allem zur Sicherung der Anlagen vor Angriffen. Das Land ist schon seit längerem um die eigenen Kernreaktoren besorgt und bittet um Beistand. Besonders der Fall von Kämpfen in der Nähe von Atomanlagen beschäftigte laut WDR die Experten.

Auch die Verflechtungen der ukrainischen und russischen Atomwirtschaft könnten Probleme bereiten. Denn die Kraftwerksblöcke in der Ukraine sind sowjetische Reaktortypen, der Atommüll wird derzeit nach Russland über die Grenze in Endlager nach Sibirien oder in den Ural geschickt. Die Ukraine selbst hat kein atomares Endlager. Und auch die ukrainischen Atomexperten wurden bislang ausschließlich in einem Ausbildungszentrum in Sewastopol auf der Krim ausgebildet – mittlerweile russisches Gebiet. cw


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