Trump-Regierung: USA ziehen sich aus 66 internationalen Organisationen zurück

Die USA steigen aus der UN-Klimarahmenkonvention, dem Weltklimarat, dem Weltbiodiversitätsrat und 63 weiteren Organisationen aus. Die übrigen Staaten müssen nun starke Allianzen bilden, um Energiewende und Klimaschutz weiter voranzutreiben.
12.01.2026 – Die USA haben angekündigt, sich aus zahlreichen internationalen Organisationen zurückzuziehen. Darunter sind 31 UN-Organisationen – wie die UN-Klimarahmenkonvention und der Weltklimarat – und 35 weitere internationale Institutionen, die nicht direkt zur UN gehören. Viele arbeiten zu Themen wie Umwelt- und Klimaschutz, internationale Friedens- und Menschenrechte und Demokratieförderung.
„Es ist erschütternd zu sehen, wie konsequent die Trump-Administration einen umfassenden Plan auf der Basis des Recht des Stärkeren umsetzt: Die finanzielle und administrative Unterstützung von Kohle, Öl und Gas, der systematische Abbau aller nationalen Klimaschutzmaßnahmen, das aktive Verhindern von Klimaschutz innerhalb und außerhalb der USA, der Griff nach dem Öl von Venezuela und jetzt das Aussteigen aus einer Reihe von internationalen Organisationen – all das ist Teil einer groß angelegten Strategie der Trump-Administration. Das Wohl der Allgemeinheit und ein regelbasiertes Miteinander auf der Basis von Kooperation haben in diesem Plan der Trump-Administration keinen Platz“, kommentiert Niklas Höhne, Mitbegründer, New Climate Institute, Köln.
Austritt mit Ankündigung
Der geplante Austritt aus der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) und dem Weltklimarat (IPCC) stechen besonders heraus. Seit über 30 Jahren bildet erstere den rechtlichen und institutionellen Rahmen für die internationale Klimapolitik und einen gemeinsamen, globalen Kampf gegen den Klimawandel.
US-Präsident Donald Trump hatte bereits zu Beginn seiner zweiten Amtszeit angekündigt, die USA erneut aus dem Pariser Klimaabkommen zu führen. Der Austritt wird zeitnah in Kraft treten. Im Februar 2025 hatte die Trump-Administration dann beschlossen, alle internationalen Engagements der USA zu überprüfen. Die Verordnung zum Austritt aus den 66 internationalen Organisationen vom 7. Januar 2026 ist das Ergebnis dieser Prüfung. Der US-Administration nach stehen sie im Widerspruch zu den wirtschaftlichen Interessen der USA. Die USA wird damit u.a. zum ersten Staat, der die Klimarahmenkonvention von 1992 verlässt.
„Dieser Schritt ist auch deshalb sehr problematisch, weil es juristisch nicht abschließend geklärt ist, ob eine neue US-Administration der Klimarahmenkonvention einfach wieder beitreten kann“, gibt Lambert Schneider,Professor und Forschungskoordinator für internationale Klimapolitik, Abteilung Energie und Klimaschutz, Öko-Institut, Berlin, zu denken. Vermutlich müsste dafür unter anderem der US-Kongress die Klimarahmenkonvention erneut ratifizieren.
Zukünftig keine US-Daten zu Emissionen und Klimawandel
In der Praxis bedeute der Austritt, dass die USA in Zukunft bei den internationalen Klimaverhandlungen nicht mehr mit am Tisch sitzen werde, erklärt Schneider. Die UNFCCC verpflichtet Staaten zudem auch zu Berichterstattung über Treibhausgasemissionen und Klimaschutzmaßnahmen. „Sie werden nicht nur keine internationalen Klimaziele mehr haben, sondern auch keine Informationen mehr bereitstellen, wie viele Treibhaugase sie verursachen.“ Zu befürchten sei auch, dass wichtige wissenschaftliche Daten, zum Beispiel von Satelliten, nicht mehr zur Verfügung ständen, was die Forschung zum Klimawandel beeinträchtigten könne.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hatte Ende vergangenen Jahres bereits angekündigt, eines der weltweit wichtigsten Klimaforschungszentren zu schließen – das National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder, Colorado. Das aus öffentlichen Mitteln finanzierte NCAR wurde 1960 gegründet, beschäftigt hunderte Wissenschaftler und ist auf Atmosphärenforschung spezialisiert. Erforscht wird alles von der Chemie der Luftverschmutzung bis hin zu den Auswirkungen höherer Emissionen auf das Klima. Die exzellente Ausstattung mit Supercomputern erlaubte zudem komplexe Modellierungen des Klimawandels.
Ebenso wie das NCAR verlieren nun viele der internationalen Institutionen einen erheblichen Teil ihrer Finanzierungsgrundlage.
Bewährungsprobe für den Multilateralismus
„Der Multilateralismus steht nun vor seiner größten Bewährungsprobe seit dem 2. Weltkrieg“, sagt Christoph Bals, Politik-Vorstand von Germanwatch. „Trump schadet vor allem seinem eigenen Land, aber natürlich auch massiv der gesamten Welt. Nun ist es an der EU und an Deutschland, gemeinsam mit Staaten und Staatengruppen insbesondere aus dem Globalen Süden starke Allianzen aufzubauen, um uns nicht um die gemeinsame Zukunft bringen zu lassen. Dass Erneuerbare Energien und die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie heute meist wettbewerbsfähiger sind als fossile Energien, ist durch einen erfolgreichen gemeinsamen Kraftakt gelungen. Die globale Energiewende ist so stark, dass sie sich durch die Allianz von Trump mit anderen fossil dominierten Staaten wie Russland oder Saudi-Arabien nicht aufhalten lässt, wohl aber bremsen. Viele US-Bundesstaaten und Städte erkennen dies als großen Fehler und machen bei diesem Feldzug gegen die Energiewende nicht mit.
Von Deutschland und der Bundesregierung fordern Bals und Germanwatch eine Führungsrolle. „Es geht darum, sich möglichst schnell von Öl und Gas zu verabschieden, um nicht weiter von den USA und Russland erpressbar zu sein. Es geht darum, Allianzen mit möglichst vielen der fast 200 in der UN-Klimarahmenkonvention verbleibenden Staaten zu schließen, um gemeinsam die gigantischen Risiken der Klimakrise einzudämmen und die neue Energiewelt aufzubauen. Die Lücken, die die Trump-Regierung reißt, können nur gemeinsam gestopft werden.“ jb


















































