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Verkohlte Erde

Foto: Schwarz-Weiß Bild eines Braunkohle-Tagebauwerks
Wo man hinsieht zerstörte Natur. Auch eine mögliche Verseuchung des Grundwassers besteht. (Foto: © Stephan Malicke / flickr.com, CC BY-ND 2.0)

Der Abbau von Braunkohle zerstört Natur und bewohnte Gebiete, im Westen wie im Osten Deutschlands. Auch eine anschließende Renaturierung der Tagebauwerke ist langwierig und mit hohen Risiken verbunden. Der Erhalt von Arbeitsplätzen wiegt die negativen Faktoren einer Zerstörung von Lebensraum nicht auf.

08.11.2017 – Die Aktivisten, die im Vorfeld der 23. Klimakonferenz in Bonn das nahe gelegene Tagebauwerk Hambach stürmen, wirken wie winzige Ameisen in dem 85 Quadratkilometer großen Loch. Bis zu 370 Meter tief in die Erde haben sich die riesigen Radschaufelbagger schon gefressen. Der Eingriff in die Natur ist unübersehbar. Doch nicht nur die Natur muss für die Förderung von Braunkohle weichen, ganze Ortschaften fielen dem unaufhaltsam fortschreitenden Abbau des braunen Sedimentgesteins bereits zum Opfer. Als nächstes wird es das Dorf Kerpen-Manheim treffen. Von ehemals über 1.700 Einwohnern leben nur noch knapp 500 hier, davon 220 Flüchtlinge, die kurzfristig in der Stadt untergebracht wurden. Ab 2022 dann wird das Tagebauwerk Hambach den Ort vollends verschlucken.

Ebenfalls im Zuge der COP23 trafen sich in Manheim Aktivisten und Unterstützer der „Pacific Climate Warriors“. Das Netzwerk macht auf den steigenden Meeresspiegel aufmerksam. Ganze Pazifikinseln sind vom Untergang bedroht, Schuld daran sind unter anderem die immensen CO2-Emmissionen der Braunkohlekraftwerke. Manheim scheint ein gut gewählter Ort für ihren Protest. Kohle lässt Orte verschwinden, sei es durch den Klimawandel im entfernten Pazifik oder den Abbau des klimaschädlichen Energieträgers direkt um die Ecke.

Während viele ehemalige Bewohner des Ortes Umsiedlungsmaßnahmen bereits zugestimmt und teilweise eine neue Bleibe in Manheim-Neu gefunden haben, scheinen auch die meisten der übrig gebliebenen Bewohner einen Umzug zu akzeptieren. Was bleibt ihnen auch anderes übrig. Eine lebenswerte Stadt gehört der Vergangenheit an.

Renaturierung im Osten

Nicht nur im Rheinland, auch im Osten Deutschlands sind die Menschen vom Tagebauwerk betroffen. Doch im Süden Leipzigs zeigt sich, welche Chancen sich auf ehemaligen Tagebauflächen bieten. Der Abbau von Braunkohle ist endlich und das Bundesberggesetz verpflichtet die Betreiber, die brachliegenden Flächen jahrzehntelang für eine Folgenutzung herzurichten. Was dies bedeuten kann zeigt sich zum Beispiel im Süden Leipzigs. Bis 1989 wurde dort Braunkohle auf einer Fläche so groß wie München abgebaut. Anschließend jedoch fand eine Renaturierung der Kraterlandschaft statt, Restlöcher wurden geflutet, flächendeckend gepflanzt und mit Freibädern und Gastronomie ein riesiges Naherholungsgebiet für die Leipziger Stadtbewohner erschaffen. Auch neue Ortschaften in attraktiver Seen-Lage entstanden.

Doch dieser Prozess beanspruchte über 25 Jahre, nachdem die Menschen Leipzigs fast 60 Jahre mit Feinstaub belastete Luft einatmen mussten, die durch den Abbau und Verfeuerung der Braunkohle entstand. Für die Menschen Manheims spiegelt dieser Prozess die aktuelle Realität wieder. Erst 2045 werden die Radschaufelbagger ihre Arbeit einstellen, dann soll auch die Hambacher Grube geflutet werden und der tiefste See Deutschlands entstehen. Voraussichtliche Fertigstellung des künstlichen Gewässers im Jahre 2100.

Und mit der Renaturierung ist die Folgenutzung nicht abgeschlossen. Immer wieder muss die Wasserqualität der Seen und die Ufer nahe Bepflanzung kontrolliert werden. Dass hierbei nicht immer alles glatt läuft, zeigen Berichte über biologisch praktisch tote Seen in Sachsen, oder der Erdrutsch am Concordiasee in Sachsen-Anhalt, bei dem drei Menschen starben.

Braunkohle und seine Kosten

Bei allen negativen Aspekten schafft und erhält der Braunkohleabbau auch Arbeitsplätze. Besonders in der strukturschwachen Lausitz hängen viele Menschen an ihren Jobs im Tagebau oder den Kraftwerken. Laut dem Bundesverband für Braunkohle lag die Zahl Ende 2016 bei 7.870 Beschäftigten in der Region. Dazu kommen noch indirekte Arbeitsplätze, zum Beispiel durch Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, sowie Dienstleistungen im Umfeld der Energiebetreiber. Die Lausitzer Energie Bergbau AG rechnet hier mit 8.000 bis 12.000 weiteren Arbeitsplätzen. Doch viele junge Menschen zieht die Braunkohle nicht mehr an. Zwei Drittel der Beschäftigten sind über 46 Jahre, ein Viertel bereits über 56 Jahre alt.

Eine Studie im Auftrag von Greenpeace kommt zu dem Ergebnis, dass die Potenziale eines weiteren Ausbaus Erneuerbarer Energien die wegfallenden Arbeitsplätze in Brandenburg und der Region Lausitz zu einem großen Teil kompensieren könnten. Bereits jetzt sind im Bereich der Erneuerbaren Energien bundesweit über 370.000 Menschen beschäftigt. Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für das Land, während gleichzeitig die Braunkohle die deutsche Gesellschaft bis zu 15 Milliarden Euro jährlich kostet. Manuel Först


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