Petersberger Klimadialog 2026: Weichenstellen für die globale Energiewende in Krisenzeiten

Der Petersberger Klimadialog 2026 rückt die Energiewende als Sicherheitsfaktor in den Fokus. Als Wegbereiter der COP 31 debattierten 30 Nationen in Berlin über fossile Unabhängigkeit und internationale Klimafinanzierung.
23.04.2026 – Über die vergangenen zwei Tage tagte in Berlin der Petersberger Klimadialog. Die Konferenz, an der mehr als 30 Nationen teilnahmen, soll Raum für Gespräche über politisch komplexe Herausforderungen der Klimapolitik bieten und gilt als strategischer Wegbereiter für die kommende Weltklimakonferenz – COP 31 – im November in Antalya.
Der Dialog hat den internationalen Konsens gefestigt, dass die neue fossile Energiekrise einen irreversiblen Strukturbruch einleitet, und den Übergang zu Erneuerbaren Energien und zur Elektrifizierung beschleunigt.
Raus aus der fossilen Abhängigkeit
Die fossile Energiekrise in Folge des Iran-Kriegs hat die strukturellen Risiken und Verwundbarkeit einer auf Gas, Öl und kritischen Rohstoffen basierenden Versorgung erneut offengelegt. NGOs wie Germanwatch, NABU und Greenpeace forderten im Vorfeld des Dialogs ein klares Signal für mehr Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern und für Erneuerbare Energien, anstatt Fortschritte zu verzögern.
“Die fossile Energiekrise zeigt klar: Erneuerbare Energien machen Staaten sicherer, wirtschaftlich robuster und politisch unabhängiger“, sagt Laura Schäfer, Leiterin des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch. „Sie verringern die Anfälligkeit für Druck aus anderen Staaten. Für Importländer wie Deutschland ist die Abkehr von Kohle, Öl und Gas daher nicht nur klimapolitisch, sondern auch strategisch und ökonomisch sinnvoll.”
„Durch den Krieg im Nahen Osten sind die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl stark gestiegen. Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, dass die Bundesregierung weiter auf Öl und Gas setzt und erneuerbare Energien ausbremst“, kommentiert auch Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland. „Nur wer auf erneuerbare Energie setzt, befreit sich von den gefährlichen Präsidenten Putin und Trump.”
Auch Bundesumweltminister Carsten Schneider bekräftigt die Relevanz von Klima- und Energiewende. „Diese Krise ist eine Krise der Fossilen. Wer heute auf den Import von Öl und Gas angewiesen ist, setzt sich unkalkulierbaren Risiken aus. Erneuerbare sind dagegen Sicherheits-Energien“, sagte Schneider in seiner gestrigen Rede und forderte einen schnelleren Erneuerbaren-Ausbau sowie mehr Energieeffizienz. Verfügbare, kostengünstigere erneuerbare Energie stärke Energiesicherheit und Souveränität, sichere wirtschaftliche Resilienz, Wertschöpfung und Beschäftigung. „Wenn wir sie schnell genug umsetzen, ist sie unser stärkster Hebel bei der Minderung des Klimawandels. Gerade in dieser Krise zeigt sich auch: die globale Energiewende ist weit fortgeschritten und unaufhaltbar.“ Dabei sei auf den vergangenen COPs definiert worden, was zu tun sei: Den Ausstieg aus fossilen Energien beschleunigen, die Erneuerbaren Energien verdreifachen, die Energieeffizienz verdoppeln.
Die Schlüsselrolle der Klimafinanzierung
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der internationalen Klimafinanzierung. Vergangene Klimakonferenzen haben gezeigt, dass viele Staaten des globalen Südens den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen nur dann mittragen können, wenn ausreichende Mittel für die Anpassung an die Klimakrise bereitgestellt werden. In den vergangenen Jahren stellte Deutschland jährlich rund sechs Milliarden Euro für die internationale Klimafinanzierung bereit. Das bisherige Ziel der Bundesregierung ist allerdings 2025 ausgelaufen. Nun steht Deutschland unter Zugzwang, ein ambitioniertes und glaubwürdiges neues Finanzziel vorzulegen. Den Vereinbarungen der letzten Klimaverhandlungen nach müsste dieses bis 2030 jährlich zwölf Milliarden Euro betragen, so WWF und Germanwatch. In seiner Rede sagt Bundeskanzler Friedrich Merz internationale Unterstützung zu, eine Entsprechung im Haushalt für die strategische Zusammenarbeit gibt es allerdings noch nicht.
„Klimafinanzierung ist eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen und Fortschritt in den internationalen Verhandlungen“, betont Ute Sudmann, Leiterin des Bereichs Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch. „Jeder Euro für Klimaschutz und -anpassung verringert ein Vielfaches an Schäden.“
Bisher fehlen jedoch noch klar Zusagen, um das auf der COP29 beschlossene NCQG (New Collective Quantified Goal) von 1,3 Billionen Dollar pro Jahr ab 2035 bereitzustellen. Damit entscheidet die finanzielle Zusage maßgeblich über die globale Bereitschaft zu weitergehenden Klimaschutzmaßnahmen.
Merz bekennt sich zum Pariser Klimaabkommen
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekannte sich in seiner Rede am zweiten Tag der Konferenz klar zum Pariser Klimaschutzabkommen, der multilateralen Zusammenarbeit und dem europäischen Emissionshandel. Auch das Potenzial Erneuerbaren Energien als Antwort auf die geopolitischen Herausforderungen erkannte er grundsätzlich an.
„Nie hat Bundeskanzler Merz deutlicher ausgesprochen, wie eng die aktuelle fossile Preiskrise und die geopolitischen Turbulenzen zusammenhängen. Allerdings ließ der Kanzler die konkreten Konsequenzen für die deutsche Klimapolitik offen“, kommentiert Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace. „Nötig wären jetzt klare Schritte, die den Verbrauch von Öl und Gas senken. Die spürbar steigende Nachfrage nach Wärmepumpen, Balkonkraftwerken und E-Autos zeigt, dass die Menschen im Land die Vorteile der Erneuerbaren sehen und nutzen.“
Mit den gestern bekanntgewordenen offiziellen Entwürfen von EEG, Netzpaket und Kraftwerksstrategie plant die Bundesregierung derzeit allerdings neue Hemmnisse für die Energiewende statt der notwendigen Beschleunigung. Experten aus der Erneuerbaren Branche kritisieren besonders den Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket, die Vergütungsstreichung für kleine Photovoltaikanlagen in der EEG-Novelle und die zugunsten von Gaskraftwerken verzerrte Kraftwerksstrategie. Kaiser fordert, Kanzler Merz solle „seine gefährlich irrlichternde Wirtschaftsministerin auf einen Kurs bringen, der deutschen Unternehmen den Anschluss an technologische Zukunftsmärkte sichert.“
Im Anschluss an das Treffen stehen die Verhandlungen zur Fossil Fuel Treaty im kolumbianischen Santa Marta sowie die Konferenz der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation in London an. Auch diese Konferenzen sollen eine Brücke zur COP 31 schlagen. Julia Broich






















































