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Wie Deutschland die Energieunion voranbringen kann

Ende November hatte die EU-Kommission das sogenannte Winterpaket „Clean energy for all Europeans“ vorgestellt. Seitdem wird über die Vorschläge und die Ausgestaltung der Energieunion diskutiert. (Foto: © European Union 2016 / Source: EC - Audiovisu
Ende November hatte die EU-Kommission das sogenannte Winterpaket „Clean energy for all Europeans“ vorgestellt. Seitdem wird über die Vorschläge und die Ausgestaltung der Energieunion diskutiert. (Foto: © European Union 2016 / Source: EC - Audiovisual Service / Photo: Jennifer Jacquemart)

Wie kann Deutschland seine Ideen der Energiewende nach Europa bringen und ein Comeback der Atomenergie verhindern? Die neuen Vorschläge der EU-Kommission haben eine Diskussion ausgelöst, wie die Zukunft der europäischen Energiewende aussehen könnte.

28.04.2017 – Noch stehen Politik und Gesellschaft am Anfang der Debatte wie der Begriff der Energieunion mit Leben und Inhalten gefüllt werden kann. Die EU-Kommission hatte dazu im sogenannten Winterpaket eine ganze Reihe von Vorschlägen gemacht, die nun unter Experten in Brüssel und den Mitgliedsstaaten diskutiert werden. Den jüngsten Beitrag liefert die Heinrich-Böll-Stiftung mit einer neuen Studie über die Chancen, Reibungspunkte und Handlungsoptionen der Energiewende in Europa. Am Donnerstag diskutierten im Bundestag die Energieexperten von Grünen, SPD und Linken mit Fachleuten die Ergebnisse.

Einig waren sich Studienautorin Katharina Umpfenbach vom Ecologic Institut und der Grünen-Vizefraktionschef im Bundestag Oliver Krischer darin, dass Deutschland mit seinen Vorstellungen der Energiewende auf europäischer Ebene etwas mehr Demut zeigen könnte. Ein offener Dialog auf Augenhöhe über die Ausgestaltung sei wichtig, betonte Umpfenbach. Denn Deutschlands Nachbarn würden die deutschen Forderungen nach einem Umbau des Energiesystems nach deutschem Vorbild kritisch sehen. Die Befürchtungen lauten: Deutschland vollzieht eine Energiewende, die sich andere Länder nicht leisten könnten, der Umbau führe zu sozialen Verwerfungen und Energiearmut. „In vielen Mitgliedstaaten prägen die Sorgen um negative soziale Folgen die Debatte über die Transformation des Energiesystems stärker als in Deutschland“, fasst die Studie zusammen.

„Deutschland muss vorangehen“

Deutschland müsse seine Hausaufgaben im Stromsektor machen, insbesondere im Bereich des Netzausbaus und des Kohleausstiegs, schlussfolgerte Umpfenbach. „Deutschland muss vorangehen“ und zeigen, dass die Energiewende sozial und finanziell machbar sei. „Es ist unrealistisch den Kohleausstieg in Polen zu beginnen“, sagte die Studienautorin im Hinblick auf die sehr verschiedenen Situationen in den 28 EU-Mitgliedsstaaten. In Polen etwa dominiert die Kohleverstromung den Strommix mit über 75 Prozent, in Frankreich dagegen die Atomenergie. Diese historisch gewachsenen Strukturen lassen sich nicht von heute auf morgen ändern.

Deutschland solle nicht nur die Machbarkeit demonstrieren, sondern auch die enormen wirtschaftlichen Vorteile einer engeren Zusammenarbeit, einer Energieunion und eines europäischen Binnenmarkts für Strom hervorheben, empfiehlt die Studie. Sinkende Kosten durch mehr Wettbewerb und eine stärkere Verzahnung der Strommärkte, eine bessere Versorgungssicherheit und die Senkung der Importabhängigkeit sind dabei nur einige Vorteile.

Neue Regeln für den Strommarkt

Entscheidend für die europäische Energiewende wird das neue Strommarktdesign sein, darin sind sich Umpfenbach, Krischer und seine Kollegen von SPD und Linken einig. Die neuen Regeln für den Strommarkt müssen flexibler werden und den richtigen Rahmen bieten, damit die EU ihr Ziel von 50 Prozent Erneuerbare Energien am Strommix bis 2030 erreichen kann. cw


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Kommentare

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Eitel Heck 30.04.2017, 22:21:55

+189 Gut Antworten

Eine europäische Energieunion ist dringend notwendig.Dass Länder wie die Niederlande, Polen und Tschechien bereits Stromsperren bauen, um ihre Stromnetze vor Überlastung durch deutschen Windstrom zu schützen, zeigt, wie dringlich eine Harmonisierung der Ziele und Instrumente der Energiewende mit dem europäischen Energiebinnenmarkt ist.

Während Deutschland als einziges Land innerhalb der Europäischen Union vorzeitig aus der Kernenergie aussteigt, will die EU-Kommission die Kernenergie reaktivieren.

Scherpunkte der Energieunion sollten unter anderem sein, eine gemeinsame Strategie

1. zur Kernenergie,darunter

-Perspektive der gegenwärtigen Kernkraftwerke,

-Entwicklung von Kernreaktoren der 4. Generation und Kernfusion,

2. Wasserstoffkraftwerke mit umweltfreundlichen Brennzellen und einer europäischen Wasserstoffwirtschaft,


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