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Wind und PV in der Türkei weiter auf Wachstumskurs

Foto: Deutsche Windkraftunternehmen wie Nordex investieren stark in der Türkei.
Deutsche Windkraftunternehmen wie Nordex investieren stark in der Türkei. (Foto: Nordex)

Trotz der politischen Polarisierung und einer teils prekären Sicherheitslage ist das Investoreninteresse für Photovoltaik und Windkraft in der Türkei weiterhin hoch. Dies zeigte die Energie- und Umweltmesse ICCI 2016 in Istanbul. Auch gibt es erste Schritte für einen Markt für kleinere PV-Dachanlagen.

17.05.2016 – Große Windkraft-Hersteller wie Nordex, Enercon, Siemens, GE, Suzlon oder Goldwind präsentierten sich auf der diesjährigen ICCI, die im Expo Center Istanbul stattfand. Mit etwa 5,5 Gigawatt installierter Leistung hat der türkische Windmarkt bereits ein mittleres Marktniveau erreicht. Yunus Islik, Sales Manager der türkischen Niederlassung von Enercon erwartet einen weiteren Wachstumsschub durch die im Juni beginnende neue Ausschreibungsrunde mit einem Volumen von drei Gigawatt. Im Herbst startet eine zusätzliche Lizensierungsrunde mit zwei Gigawatt. Das Ziel der Nationalen Energy-Roadmap ist es, bis 2023 20 Gigawatt installierte Windkraftleistung zu erreichen. „Wir sehen ein großes Potential für unser Geschäft in der Türkei und sahen auf der diesjährigen ICCI eine hohes Kunden- und Investoreninteresse“, sagte Isik. Mit einer Rendite von rund 15 Prozent biete der türkische Windmarkt attraktive Investitionschancen. Can Güven, Sales Manager bei Leitwind sieht gerade auch im nicht lizensierten Windmarkt für Anlagen mit einer Große von bis zu einem Megawatt sehr gute Möglichkeiten. Kommende Woche wolle das Unternehmen mit Hauptsitz in Südtirol ein erstes drei Megawatt Projekt fertigstellen. Eine Wachstumshürde sei jedoch der zu langsame Netzausbau.

Nordex gut im Geschäft

Nordex Enerji hat bereits Windkraftanlagen mit mehr als 1,3 Gigawatt in der Türkei installiert und erhielt nun weitere Aufträge. Allein im ersten Quartal dieses Jahres hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg den Zuschlag für Windparks mit mehr als 40 Megawatt in der Türkei gewonnen. Die Projekte mit insgesamt 18 Anlagen liegen in unterschiedlichen Regionen des Landes und decken die Windklassen IEC 1 bis 3 ab. Das größte ist der Windpark Karacabey in der Provinz Bursa. Im Auftrag des Kunden Arti Enerji wird Nordex für diesen Park zwölf Anlagen des Turbinentyps N100/2500 liefern, schlüsselfertig errichten und dem Kunden betriebsbereit übergeben. Die N100/2500 ist laut Unternehmenssprecher Ralf Peters für IEC-2-Standorte ausgelegt und passe damit ideal nach Karacabey. Für den Kunden Akça Enerji werden die Hamburger vier Turbinen des Typs N117/2400 für die Aliaga-Erweiterung liefern. Das Projekt liegt in einer Schwachwindregion in Izmir in der Provinz Aliaga. Mit den vier Nordex-Turbinen vergrößert Akça Enerji diesen Windpark um 9,6 Megawatt. Das dritte Projekt ist die Erweiterung des Windparks Teperes für den Kunden Ertürk Grup. Teperes liegt in Büyükçekmece, Istanbul, und Nordex wird dorthin zwei seiner Starkwindturbinen N90/2500 liefern. Mit dem Auftragseingang knüpfe man an den erfolgreichen Jahresabschluss von 2015 an, so Unternehmenssprecher Peters. Derzeit halte man einen Marktanteil von rund 25 Prozent in der Türkei.

Finanzierungspaket für Dachanlagen

Mit einem erwarteten Zubau von 500 bis 600 Megawatt in diesem Jahr nimmt der türkische Photovoltaikmarkt ebenfalls Fahrt auf. Momentan sind gut 370 MW installiert. Der Hauptfokus liegt bisher auf Freiflächenanlagen und großen Dachanlagen. Doch auch der Hausdachmarkt sowie kleinere gewerbliche Anlagen werden zunehmend interessanter. Erstmals bietet nun Sun Energy, ein neues Tochterunternehmen von Zenit Enerji mit Sitz in Izmir ein Finanzierungspaket für Photovoltaik-Dachanlagen von zwei Kilowatt bis 200 Kilowatt an, ein Novum in der Türkei. „Wir sehen hierfür aufgrund der hohen Bankzinsen in der Türkei einen hohen Bedarf“, sagt Unternehmenssprecherin Yonca Kilic. Die Vorfinanzierung beträgt bis zu fünf Jahren und lokale Vertragspartner von Zenit installieren die Anlagen.

„Als nächsten Schritt planen wir auch Pachtmodelle und Mieterstrom anzubieten“, so Kilic. Allerdings stünden dem noch erhebliche bürokratische Hürden im Wege. Das Potential sei jedoch aufgrund der fallenden Kosten der Photovoltaik auch für kleinere Anlagen sowie dem hohen Anteil von mehrgeschossigen Appartementwohnungen in der Türkei hoch. Zudem legte das türkische Energieministerium jüngst ein 100.000 Dächer-Programm auf, das allerdings noch im Detail ausgestaltet werden muss.

Firmen sehen gute Investitionsbedingungen

BayWa r.e. plant nun ebenfalls in den türkischen Solarmarkt einzusteigen. „Wir sehen hier enorme Chancen und kamen zur ICCI um mit potenziellen lokalen Vertriebspartnern zu verhandeln“, sagte Geschäftsleiter Friedhelm Enslin. Laut Einschätzung von Giovanni Capussela, Geschäftsführer von Greenercom aus dem italienischen Pisa haben sich die Investitionsbedingungen in der Türkei für Solar- und Windprojekte in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. Vor allem eine neue Regelung, die Projektentwickler dazu verpflichte Projekte fertigzustellen, bevor sie diese verkaufen, gebe den Investoren zusätzliche Sicherheit, so der Investmentberater. Auch Ioannis Lysaridis, bei Mecasolar zuständig für das Türkeigeschäft, sieht das Land am Bosporus derzeit als den interessantesten europäischen Markt für Solarinvestments. Zusammen mit dem lokalen EPC Partner Seiso stellte das spanische Unternehmen das bisher größte PV-Trackerprojekt in der Türkei mit fünf Megawatt fertig.

Brückenkopf zum Iran

Interessant auf der Energie- und Umweltmesse war auch die Präsenz etlicher Vertreter von Solar- und Windfirmen sowie offizieller Delegationen aus dem Iran, die sich nach internationalen oder türkischen Partnern umschauen. „Der iranische Wind- und Solarmarkt ist nach dem Wegfall des Handelsembargos bereit zu starten, und die Türkei hat hierbei eine wichtige Brückenfunktion“, sagte Roberto Cognetti, Vorstandsvorsitzender von HG Engineering & Investments aus Teheran. Rund 14.000 Fachbesucher und 279 Austeller kamen zur diesjährigen ICCI. Dies war etwas weniger als erwartet, vor allem weil etliche Austeller und Besucher unter anderem aus China aus Sicherheitsgründen die Teilnahme absagten. Die ICI 2017 findet vom 3.-5. Mai in Istanbul statt. Hans-Christoph Neidlein


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