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SicherheitWirksam abschrecken statt endlos aufrüsten

Militärische Drohne
Rüstungsausgaben steigen, Mittel für Klimakrise und Soziales fehlen. Greenpeace plädiert für defensive und kostengünstigere Verteidigungslinien und Diplomatie (Bild: Getty Images / Unsplash+ Lizenz).

Milliarden für neue Waffen steigern das Risiko eines ungewollten Krieges. Investitionen in smarte Drohnentechnologie und Rüstungskontrolle könnten Deutschlands Sicherheit gewährleisten, und finanziellen Spielraum für die Zukunft lassen.

25.03.2026 – Die Welt ist voller Kriege, Europa und Nato rüsten auf. Die Militärausgaben steigen – und sollen dies auch zukünftig tun: Die Nato fordert nun Rüstungsausgaben von 5 statt den bisherigen 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Das Aufrüsten mag notwendig sein, doch so schnell wie möglich teure Waffensysteme zu erstehen, muss nicht der beste Weg für Deutschland sein, um mit neuen Bedrohungen umzugehen, gibt eine neue Studie von Greenpeace Deutschland zu denken.

Verteidigung an der richtigen Stelle stärken

Lange Zeit herrschte Uneinigkeit darüber, wie real die Gefahr für das NATO-Territorium tatsächlich ist. Mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine und dem offenen Infragestellen des Nato-Bündnisses durch die USA ist Europa die Bedrohung durch Russland schmerzlich bewusst geworden. Die Mehrheit der Expert:innen sieht besonders die Souveränität der baltischen Staaten durch Russlands Kurs bedroht.

Die Studie „Gut gerüstet?” warnt vor blinden Flecken einer Politik der schnellen Wiederbewaffnung und rät dazu, zwischen Abschreckung und Eskalationsgefahr kritisch abzuwägen. Statt des „Viel-hilft-viel“-Ansatzes der Bundeswehr sollte Deutschland innerhalb der NATO primär eine Strategie der Verhinderung – deterrence by denial – verfolgen.

Statt Milliarden in schwerfällige Großprojekte zu investieren, sei eine zielgerichtete Modernisierung notwendig. Smarte Investitionen wären prioritär der Ausbau von Drohnentechnologie und effektiven Abwehrsystemen, etwa zum Schutz kritischer Infrastruktur. Investitionen in befestigte Verteidigungslinien im Baltikum seien nicht nur strategisch sinnvoller, sondern auch deutlich kostengünstiger als eine pauschale Aufrüstung in allen Bereichen. Da diese Maßnahmen keine Bedrohung für russisches Territorium darstellten, senkten sie im Vergleich das Risiko einer Wettrüstungsspirale oder Eskalation.

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„In der gegenwärtigen Lage muss man eine Balance finden: Verteidigungsfähigkeit soll abschreckend wirken, aber das Risiko einer Eskalation nicht erhöhen", sagt Alexander Lurz, Greenpeace-Experte für Abrüstung und Frieden. “Dabei müssen die Kosten so gering wie möglich gehalten werden. Diese Mittel werden zur Bekämpfung von gesamtgesellschaftlichen Bedrohungen wie der Klimakrise und sozialer Ungleichheit benötigt.”

Risiko eines ungewollten Krieges minimieren

Ziel müsse sein, das Risiko eines ungewollten Krieges zu minimieren. Die Autoren schlagen deshalb vor, die Aufrüstung durch gezielte Rüstungskontrolle zu ergänzen. Insbesondere weitreichende Distanzwaffen bergen ein enormes Eskalationspotenzial. Hier sollte die Bundesregierung vorangehen und Konzepte entwickeln, um diese Waffengattungen in Europa zu begrenzen. Das würde nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch den finanziellen Spielraum des Staates massiv entlasten.

„Abschreckung allein ist ein Hochrisikospiel. Wer nicht alles auf eine Karte setzen möchte, muss Rüstungskontrolle als festen Bestandteil einer sicherheitspolitischen Gesamtstrategie begreifen“, sagt Lurz. „Besonders bei weitreichenden Distanzwaffen brauchen wir den Verhandlungstisch, um eine unkontrollierte Rüstungsspirale zu verhindern.“

Wahre Sicherheit entstehe nicht durch die schiere Menge an Waffen, sondern durch eine Verteidigungsstrategie, die defensiv glaubwürdig bleibt und gleichzeitig die Tür für Rüstungsbegrenzungen offenlasse. jb

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