Bild: Michael Jakob

Meinung 16.04.2026

Zeit für Klimaoptimismus

Klimaschutz passé? Ganz und gar nicht! Es gibt gute Gründe positiv auf technologische, soziale und politische Dynamiken in Sachen Klima zu schauen.

Michael Jakob ist Klimaökonom und nach Stationen u.a. am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Ökoinstitut als unabhängiger Wissenschaftler und Berater tätig.


Meinung 16.04.2026

Zeit für Klimaoptimismus

Klimaschutz passé? Ganz und gar nicht! Es gibt gute Gründe positiv auf technologische, soziale und politische Dynamiken in Sachen Klima zu schauen.

Bild: Michael Jakob

Michael Jakob ist Klimaökonom und nach Stationen u.a. am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Ökoinstitut als unabhängiger Wissenschaftler und Berater tätig.



Besonders gut sieht es im Moment nicht aus für den Klimaschutz. Die Trump-Regierung hat die USA aus praktisch allen relevanten internationalen Klimaabkommen zurückgezogen und fördert massiv den Ausbau fossiler Energiequellen. Auch in der EU lässt das Engagement für das Klima nach, wie sich unlängst bei der Abschwächung wichtiger Teile des EU Green Deals beobachten lies. Und in Deutschland opponieren Teile der Bundesregierung für weniger Tempo beim Klimaschutz, um Belastungen für die Industrie zu senken.

Das alles ist natürlich sehr ärgerlich. Trotzdem gilt festzuhalten, dass in den letzten Jahren wichtige Fortschritte auf dem Weg zur Klimaneutralität erzielt werden konnten. Anstatt die Hoffnung auf ambitionierten Klimaschutz aufzugeben, sollten wir uns diese positiven Entwicklungen genauer ansehen, um zu verstehen, wie wir den Übergang zur Klimaneutralität weiter beschleunigen können.

Technologischer Fortschritt

Die vielleicht ermutigendste Entwicklung ist der rasante Fortschritt bei sauberen Energietechnologien. In den letzten zwei Jahrzehnten sind die Kosten für Solarenergie um etwa 90% gesunken und die Kosten für Windenergie um mehr als 80%. Damit sind erneuerbare Energien auch ohne spezielle Klimapolitik wettbewerbsfähig gegenüber fossilen Brennstoffen.

So hat Pakistan allein im vergangenen Jahr Solarpaneele mit einer Kapazität von etwa 50 GW importiert, um die schnell wachsende Energienachfrage kostengünstig decken zu können (zum Vergleich: die Gesamtkapazität für Solarstrom in Deutschland liegt bei knapp 120 GW).

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Erneutes Rekordjahr an Investitionen in die Energiewende

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Die Kosten für Batterien sind in den letzten 20 Jahren sogar noch stärker gesunken als die von erneuerbaren Energietechnologien, nämlich um etwa 97%. Dadurch rückt der breite Einsatz von Batteriespeichern zur Stabilisierung der Stromnetze in greifbare Nähe und es ist davon auszugehen, dass sie in naher Zukunft Pumpspeicherkraftwerke überholen werden.

Durch Fortschritte in der Batterietechnologie sind auch Elektrofahrzeuge bereits eine attraktive Alternative zum Verbrennungsmotor. Neue Entwicklungen, wie beispielsweise Festkörperbatterien, versprechen weitere Vorteile, wie schnelleres Laden und einen geringeren Bedarf an kritischen Rohstoffen wie Nickel oder Lithium.

Wärmepumpen werden zunehmend in Gebäuden eingesetzt. Dadurch sinkt der Verbrauch von Öl und Erdgas. Wärmepumpen sind auch ein Eckpfeiler für die Elektrifizierung der industriellen Produktion, beispielsweise in der Lebensmittel- oder Zellstoff- und Papierindustrie. So könnten mehr als 90 % der Industrien in der EU bis 2030 von fossilen Brennstoffen auf grünen Strom umstellen – und das zu moderaten Kosten.

Grüner Wasserstoff ist zwar teuer, kann aber in schwer zu dekarbonisierenden Nischenanwendungen, wie zum Beispiel dem Flug- und Schiffsverkehr, Emissionsminderungen ermöglichen. Und durch verstärkte Kreislaufwirtschaft wird der Bedarf an energieintensiven Grundstoffen verringert, was ebenfalls Emissionen einspart.

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Soziale Entwicklungen

Das Bewusstsein für die Gefahren des Klimawandels ist in den letzten Jahren fast überall auf der Welt angestiegen, zum Teil sehr deutlich. Infolgedessen verändern die Menschen ihre Konsumgewohnheiten, ihr Investitionsverhalten und ihre Investitionsentscheidungen.

Die Zulassungen von Elektrofahrzeugen sind von rund 3 Millionen im Jahr 2020 auf mehr als 18 Millionen im Jahr 2025 gestiegen, während die Neuzulassungen von konventionellen Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren stetig zurückgehen. Gleichzeitig machen in vielen Ländern weniger junge Menschen einen Führerschein.

Auch Investitionen berücksichtigen zunehmend Nachhaltigkeitsaspekte. Mehr als 1.600 institutionelle Investoren, wie z.B. Pensionsfonds, mit einem Anlagevolumen von über 40 Billionen US-Dollar ziehen sich schrittweise aus fossilen Brennstoffen zurück.

Bürger:innen nutzen zunehmend Klimaklagen gegen Unternehmen und Regierungen, um sie für ihr unzureichendes klimapolitisches Engagement zur Verantwortung zu ziehen. So stellte beispielsweise der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2024 fest, dass die Schweizer Regierung die Menschenrechte verletzt hat, da sie nicht genug unternommen hat, um Senior:innen vor den Gesundheitsrisiken des Klimawandels zu schützen.

Überall auf der Welt gehen Menschen auf die Straße, um mehr Klimaschutz zu fordern. Seit März 2022 fanden weltweit fast 120 Klimaproteste statt, und mehr als eine Million Menschen nahmen im September 2023 am Global Climate Strike teil. Auch wenn die Klimabewegung in letzter Zeit weniger sichtbar war, könnte der Krieg der USA gegen den Iran und der damit einhergehende Preisanstieg für Öl und Gas Menschen mobilisieren, sich für einen Ausstieg aus den fossilen Energien einzusetzen.

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Politische Schritte

In vielen Ländern sind Entscheidungsträger:innen den Forderungen der Bevölkerung nach mehr Klimaschutz gefolgt. Sinkende Kosten erleichtern die Einführung von Klimaschutzmaßnahmen. Saubere Energietechnologien werden sogar zunehmend als Chance für die wirtschaftliche Modernisierung und die Schaffung von Arbeitsplätzen betrachtet. Verringerte Abhängigkeit von Energieimporten ist ein weiteres wichtiges Argument für den Ausstieg aus fossilen Energien.

Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 5.000 Klimagesetze. Im Durschnitt sind Klimaschutzmaßnahmen im Laufe der Zeit deutlich ambitionierter geworden, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Inzwischen haben mehr als 150 Länder (und dazu viele subnationale Akteure, wie Städte oder Unternehmen) Ziele für Netto-Null-Emissionen verabschiedet.

Ausstiegsvorschriften bieten eine klare Orientierung für langfristige Investitionsentscheidungen. Es gibt weltweit zahlreiche solche Vorschriften, unter anderem für die Stromerzeugung aus Kohle, für fossile Heizungen und für konventionelle Fahrzeuge. So dürfen beispielsweise in Österreich, Dänemark, den Niederlanden und Slowenien ab 2030 keine Pkw mit Verbrennungsmotoren mehr zugelassen werden.

Mehr als 70 Länder haben CO2-Preise, ein zentrales Instrument für Klimaschutz, das dazu führt, dass sich Emissionsminderungen finanziell auszahlen. Die EU hat inzwischen sogar im Rahmen des sogenannten Grenzausgleichs die CO2-Bepreisung auf Importe bestimmter energieintensiver Güter ausgeweitet, sodass auch ausländischen Unternehmen Anreize zur Emissionsreduzierung haben.

Und während sich die USA aus dem Klimaschutz zurückziehen, füllen andere Länder, insbesondere China, die entstandene Lücke und übernehmen zunehmend eine führende Rolle in der internationalen Klimadiplomatie.

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Den Übergang zur Klimaneutralität beschleunigen

Die beschriebenen technologischen, sozialen und politischen Dynamiken sind eng miteinander verflochten. Technologische Fortschritte erleichtern es, auf klimafreundliche Alternativen umzusteigen und verringern damit politische Widerstände gegen Klimapolitik. Sinnvoll ausgestaltete Klimaschutzmaßnahmen wiederum können den technologischen Fortschritt weiter vorantreiben und Verhaltensänderungen erleichtern. Diese Wechselwirkungen können in einen Kreislauf münden, in welchem sich Fortschritte in einzelnen Bereichen gegenseitig verstärken. Wenn dies geschieht, kann sich der Übergang zur Klimaneutralität drastisch beschleunigen.

Die rückläufige politische Unterstützung für Klimapolitik in den vergangenen Jahren wird zwar die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft hinauszögern, aber sicherlich nicht verhindern. Fundamentale technologische, soziale und politische Veränderungen machen saubere Energietechnologien so attraktiv, dass sie fossile Energien zunehmend verdrängen. So wurden beispielsweise in den USA im vergangenen Jahr mehr erneuerbare Energien zugebaut als jemals zuvor – und das trotz gezielter Förderung für Kohle, Öl und Erdgas durch die Trump-Regierung.

Natürlich ist es keine ausgemachte Sache, dass die Dekarbonsierung der Weltwirtschaft rasch vonstatten gehen wird. Aber genauso wenig steht fest, dass wir dem Klimawandel machtlos gegenüber stehen. Wir sind als Gesellschaft durchaus handlungsfähig, um Maßnahmen zu ergreifen, die Klimafolgen auf ein handhabbares Ausmaß begrenzen. Wenn wir uns dessen bewusst sind, haben wir eine realistische Chance, bestehende Hindernisse auf dem Weg zur Klimaneutralität zu überwinden.

 

Michael Jakob hat ein ganzes, lesenswertes Buch zu dem Thema veröffentlicht: Gute Gründe für Klimaoptimismus. Warum es noch Hoffnung für den Klimaschutz gibt, Bei Springer-Galber: https://link.springer.com/book/9783658506889

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