Update zum Energiewende-Navi

Auf Energiewende-Kurs bleiben – das Projekt ENavi will seinen Teil zur Navigation durch die Energiewende beitragen. (Foto: Nicole Allé)
Auf Energiewende-Kurs bleiben – das Projekt ENavi will seinen Teil zur Navigation durch die Energiewende beitragen. (Foto: Nicole Allé)

Wie lässt sich die Energiewende gemeinsam gestalten? Dieser Frage geht das Projekt ENavi nach. Wissenschaftliche Analysen sollen mit politisch-gesellschaftlichen Anforderungen praxisnah verknüpft werden. In Berlin traf man sich zum Ergebnis-Austausch.

27.11.2017 – Für Wirkungen und Nebenwirkungen der Energiewende lesen Sie die energiezukunft oder fragen Sie Ihren… ja, wen eigentlich? Die Energiewende ist ein komplexes Querschnittsthema, das viele Bereiche betrifft. Im Kopernikus-Projekt ENavi wollen 60 Institutionen aus verschiedenen Bereichen ein Navigationsinstrument zur Energiewende mit dem Ziel einer optimalen Integration von Energiesystemen – Strom, Wärme, Verkehr – erarbeiten, mit dem die Forscher die Wirkungen und Nebenwirkungen von wirtschaftlichen, politischen, rechtlichen, technischen oder sozialen Maßnahmen im Voraus abschätzen wollen.

Im Oktober 2016 ist das Projekt offiziell gestartet, nun gab es in Berlin ein Treffen nach einem Jahr zum bisherigen Ergebnisaustausch und Planung der weiteren Vorgehensweise. Im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollen aus den „gemeinsam erarbeiteten Pfaden realistisch umsetzbare Lösungen entstehen“. Das heißt, es soll nicht jeder sein eigenes Wissenschaftssüppchen kochen, sondern ein konstruktiver Austausch stattfinden, die daraus resultierenden Maßnahmen sollen in „Reallaboren“ und Modellregionen erprobt werden – „Mehrwert durch Fokussierung und Kooperation“, so ENavi-Sprecher Ortwin Renn, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam (IASS).

Eine Reihe von Fragen werden in den Kopernikus-Projekten anhand von Szenarien durchgespielt und auf Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz hin untersucht, Beispiel: Wie verändert sich das Verbraucherverhalten, wenn bspw. Solarenergie zu einem sehr geringen Preis verfügbar ist? Was passiert, wenn jeder mit einem Elektroauto fährt? Welche intermodalen Verkehrskonzepte kommen bei den Nutzern an und können in der Praxis die CO2-Emission vermindern? Was ist effizienter bei der energetischen Sanierung, eine Optimierung der Gebäudehülle oder der Gebäudetechnik? Wie viel Digitalisierung verträgt ein Gebäudenutzer? Wie können Nutzer zu einem strom- und wärmeenergiesparenden Verhalten motiviert werden?

Strom, Wärme, Verkehr verknüpfen

Strom und Wärmesysteme effizient miteinander zu verknüpfen und zu steuern, darin sehen die Forscher eine große Herausforderung. Heizungssysteme in Neubauten werden etwa immer noch zu 50 Prozent mit fossilen Energieträgern betrieben, etwa 37 Prozent entfallen auf Wärmepumpen, 7,6 Prozent auf Geothermie und nur ganze 4,8 Prozent auf die Solarthermie, der Rest ist Biomasse, berichtete Renn. Damit lassen sich nur schwer die Klimaziele im Gebäudebereich erreichen. Optimierung von Wärmepumpen und Wärmenetzen, ein massiver Ausbau der Solarthermie wie es in anderen europäischen Ländern längst üblich ist, Digitalisierung im Gebäudesektor mit bedarfsgerechter Steuerung – im Projekt sollen verschiedene Ansätze und Möglichkeiten erörtert und im Monitoring erprobt werden. Das gilt für alle Arbeitsbereiche von ENavi, im Verkehrssektor sollen bspw. modale Strukturen analysiert und in den Praxistest überführt werden.

Ein Blick in die bereits erfolgreiche Praxis

„Technische Lösungsansätze gibt es genug“, sagt Prof. Matthias Oechsner, Sprecher des Energy Centers der Technischen Universität Darmstadt, das an der Forschungsinitiative beteiligt ist. „Die Energiewende wird nicht an einem Mangel an technischen Möglichkeiten scheitern.“ Die Herausforderung sei eher, die technische Richtung zu finden, mit der die Klimaziele ebenso erreicht werden wie Umweltverträglichkeit und Versorgungssicherheit. Und dabei auch den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Anforderungen gerecht zu werden. Welche Wege zur Dekarbonisierung sind bspw. denkbar? Wie können Akteure und Stakeholder konstruktiv integriert werden?

Die 60 Verbundpartner, darunter Forschungseinrichtungen, Universitätsinstitute, NGOs, Wirtschafsunternehmen, Stadtwerke und Gebietskörperschaften wollen nun ein „ robustes Wissen“ erarbeiten – sprich: anwendbar. Bei null müssen sie nicht beginnen. Praxisbeispiele zum Gelingen der Energiewende gibt es bereits viele – im Bereich der Bürgerenergie und der Energiewende in Kommunen und Gemeinden lassen sich erfolgreiche Projekte finden. Sie können den Weg mit weisen. na

   

Forum

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  1. Eitel Heck 29.11.2017, 13:08 Uhr
    Bei komplexen Investitionsvorhabe ist es national und international Standart, dass als Voraussetzung für Investitionsentscheidungen zuerst der wissenschaftlich-technische Vorlauf zu klären ist, danach der Gesamtinvestitionsaufwand festzulegen und in Teilvorhaben aufzuschlüssen ist als Grundlage für Ausschreibungen.
    Bei der Energiewende wird dieses elementare Prinzip der Investitionsdurchführung verlassen.
    Windkraftanlagen werden ständig neu gebaut und im Nachhinein soll der wissenschaftlich-techtische Vorlauf, beispielsweise für Stromspeichertechnologien, erarbeitet werden. Das ist ein absolutes Novum.
    Diese Investitionsdurchführung ist aus meiner Sicht die wesentliche Ursache für die gravierenden Rückstände bei der Realisierung der Klimaziele.
    Da wesentliche Bestandteile des wissenschaftlich-technischen Vorlaufs nicht vorliegen, die aber vorliegen müssten, wird die Energiewende von einer Flut kaum noch lesbarer und sich teilweise widersprechenden Studien begleitet. Das ist auch ein Novum der bisherigen Investitionsdurchführungen in Deutschland.
    Sie haben sich eine Studie herausgesucht, die Ihren Vorstellungen entspricht.
    Auch das Bundeswirtschaftsministerium hat mit einer Studie nachgewiesen, dass der sofortige Kohleausstieg von 7 GW keine Versorgungsprobleme bereitet. Zu dieser Studie gibt es Widerspruch vom Wirtschaftsrat der CDU und dem von "Aktiv" genannten Wirtschaftsforschungsinstitut.
    Der Wirtschaftsrat der CDU weist darauf hin, dass
    - auch der geforderte vollständige Kohleausstieg bis 2030 realitätsfern ist,
    -Industrie und Verbraucher belastet sind durch die höchsten Strompreise in Europa.
    Die Wirtschaftsweisen weisen auf ein Umsteuern in der Energiewende hin, um riesige Wohlstandsverluste zu vermeiden.
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die neue Bundesregierung nicht auf die aus meiner Sicht abenteuerlichen grünen Forderungen eingeht und die Energiewende zum Wohle unseres Landes umsteuert.
    Damit beende ich die Diskussion.
  2. Rudolf Tarantik 29.11.2017, 11:49 Uhr
    Wenn selbst der BDEW einen Rückbau von 5 GW Braunkohlekraftwerke als absolut unbedenklich einstuft, dann sollte man das schlicht akzeptieren.
    https://www.bdew.de/internet.nsf/id/20172811-pi-klimaziel-2020-energiewirtschaft-kann-co2-reduktion-um-40-prozent-erreichen-uebrige-se
  3. Eitel Heck 28.11.2017, 10:18 Uhr
    Der Kommentatur versucht immer mit allgemeinen Phrasen jede andere Meinung außerhalb von Bündnis 90/ Die Grünen negativ zu bewerten.
    Die Wirtschaftszeitung Aktiv veröffentlichte den Standpunkt von Professor M.Frondel vom Wirtschaftsforschungsinstitut zum Kohleausstieg.
    Zum Kohleausstieg liegt eine ähnliche Information vom Wirtschaftsrat der CDU vor.
    Das Gutachten der Wirtschaftsweisen, das am 28.08.2017 der Bundeskanzlerin übergeben wurde, enthält den Wunsch eines ökonomisch sinnvollen Umsteuerns bei der Energiewende mit dem Hinweis, dass mit der bisherigen planwirtschaftlichen und kleinteiligen Vorgehensweise die vollständige Energiewende nicht ohne riesige Wohlfahrtsverluste gelingen kann.
    Der Wirtschaftsrat der CDU weist darauf hin, dass Industrie und Verbraucher bereits durch die höchsten Strompreise Europas belastet sind.
    Die Bild-Zeitung vom 10.8.2017 weist darauf hin, dass energieintensive Unternehmen( u.a. Stahl-,Baustoff- oder Chemieindustrie) in den letzten Jahren nicht mehr ausreichend investiert haben, um ihren Bestand zu sichern.Der Grund hierfür sind sind hohe Energiepreise und Unsicherheit über weitere energiepolitische Rahmenbedingungen. Der Geschäftsführer des Institutes der Deutschen Wirtschaft Köln weist darauf hin, dass Deutschland eine Energiewende braucht , die mit den Bedingungen eines Wirtschaftsstandortes vereinbar ist.
    Der Johannisberger Appell, unterzeichnet von über 100 Hochschulprofessoren, fordert eine technisch-ökonomisch ausgereifte Energiepolitik.
    Ein Professor für Theoretische Physik weist darauf hin, dass mit dem Ausbau von Windkraftanlagen mit volatiler Stromerzeugung ohne Groß- und Langzeitspeicher für überschüssigen Strom bei Ausstieg aus den Kernkraft- und Kohlekraftwerken die Gesetze der Physik( Kirchhoffscher
    Knotensatz, Gaußsches Verteilungsgesetz) missachtet werden.

    Die Bewertung der Energieerzeugung erfordert Fachkompetenz.
  4. Rudolf Tarantik 27.11.2017, 17:36 Uhr
    Eine Zeitung, die vom Arbeitgeberverband finanziert wird, ist natürlich absolut objektiv, unideologisch und im Bereich der wissenschaftlichen Energiewende der perfekte Profiratgeber.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/AKTIV
    Es wird natürlich keine Angst verbreitet und mit (einfachen Milchmädchen-) Zahlen fundiert begründet.
    Obgleich die Netzagentur, die ja die Versorgungssicherheit verantworten muß, das Gegenteil sagt.
  5. Eitel Heck 27.11.2017, 15:59 Uhr
    Das vorgesehen Navigationsistrument zur Energiewende wird von mir befürwortet.
    Es ist jedoch sehr komplex und schwierig umsetzbar.
    Meinungsumfragen zur Energiewende haben wenig Aussagekraft, da der Großteil der Bevölkerung über die Auswirkungen der volatilen Windstomerzeugung und daraus abgeleitet, über die Konsequenzen in der Stromkostenentwicklung nicht ausreichend informiert ist.
    Die nicht ausreichende Information für die Bevölkerung zu den Auswirkungen der Energiewende hat bereits der Bundesrtechnungshof kritisiert.
    Der nicht ausreichende Informationsgrad der Bevölkerung ist auch der Grund, warum Spitzenpolitiker Volksentscheide in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern, darunter der Schweiz, ablehnen.
    In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen Artikel der Wirtschaftszeitung "Aktiv" vom 25.11.2017 mit dem Titel "Klimaschutz-Kampf um Kraftwrerke" verweisen(im Internet online einsehbar).
    Der Professor M. Frondel, vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI bewertet kritisch die Forderungen von Bündnis 90/Die Grünen zum sofortigen Ausstieg aus 20 Kohlenkraftwerken und zum vollständigen Ausstieg aus allen Kohlekraftwerken bis 2030.
    Der Wirtschaftsrat der CDU weist im Zusammenhang mit den Forderungen zum Kohleausstieg darauf hin, dass in Deutschland Industrie und Verbraucher mit den höchsten Strompreisen Europas belastet sind.
  6. Rudolf Tarantik 27.11.2017, 09:17 Uhr
    "Technische Lösungsansätze gibt es genug", jedoch was fehlt sind politische Vorgaben, z.B. ein EE-Abregelverbot, eine Steichung der Umlagen auf Strom bei sektoraler Verwertung oder Speicherung, und ein vernünftig hoher CO2 Preis auf alle fossilen Energieträger.

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