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Habitat. Traditionelle Bauweisen für den globalen Wandel

Infolge des Klimawandels gewinnt das Wissen über die Nutzung lokaler Ressourcen und das umweltschonende Bauen an Bedeutung. In dem umfassenden Werk ist das globale Knowhow regionaler Bauweisen in einer großartigen Übersicht bildgewaltig zusammengetragen.

In allen Regionen der Welt haben Menschen Wege gefunden, sich lebenswerte Bedingungen zu schaffen und diese mit erprobten Bauweisen über Generationen weitergegeben. Durch Hightech und moderne Bauweisen ist dieses Wissen jedoch teilweise bereits verloren gegangen.

Ein Haus bzw. ein Zuhause zu haben gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Das hat sich nicht geändert, wohl aber die technologische Entwicklung – mit neuen Materialien und einer Unmenge an technischen Hilfsmitteln wird heute gebaut um möglichst hohen Komfort und Lebensqualität beim Wohnen zu erreichen. Doch angesichts von Klimawandel, Luft- und Umweltverschmutzung, Ressourcenknappheit und einer rasant wachsenden Bevölkerung wird der Ruf nach nachhaltigem und energie- und ressourcenschonendem Bauen stärker – allerdings nur selten umgesetzt. Dabei wird es wichtiger Gebäude zu schaffen, ohne die Umwelt massiv auszubeuten und zu zerstören, und Baumaterialien rund um den Globus zu transportieren. Mittlerweile ist sogar der Sand der Strände weltweit zu einem höchstbegehrten Gut für den Bausektor geworden, und weltweit entstehen weiterhin bedenkenlos Betonbauten – als gäbe es keine Alternativen.

Altes Wissen nutzen und anpassen

Ein internationales Team aus über 100 Experten hat nun das geballte praktische Wissen regionaler Bauweisen zusammengetragen. Es ist ein Schwergewicht, inhaltlich als auch physisch: Vier Kilo wiegt das Werk „Habitat. Traditionelle Bauweisen für den globalen Wandel“ aus dem Architekturverlag Detail, und zeigt mit rund 1.000 großartigen Abbildungen und Erläuterungen traditionell geprägte Bauten in 80 Ländern der Welt, wie Menschen Ressourcen vor Ort zum nachhaltigen Bauen nutzen – eine Sammlung vieler beinahe vergessener Kenntnisse, sich beim Bauen möglichst der Umwelt anzupassen, dem örtlichen Klima und die vorhandenen Ressourcen optimal und schonend zu nutzen.

Denn in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit könnte ein Schlüssel für das Bauen der Zukunft in den traditionellen Bauweisen liegen: Anhand vielfältiger Beispiele wird deutlich, wie sich der gebaute Lebensraum den fünf Klimazonen der Erde jeweils perfekt anpassen kann und wie eine nachhaltige Bauweise mit der geeigneten Materialwahl funktioniert, wie regionale Bauweisen zudem helfen können, vor Naturkatastrophen und Wetterextremen zu schützen oder deren Auswirkungen zu lindern.

Kulturgeschichte bewahren

Mit dem Werk soll auch der Wissensschatz jahrtausendealter menschlicher Erfahrung beim Bauen und Wohnen für künftige Generationen bewahrt werden – sie sollten es nutzen. So ist das Werk auch ein Plädoyer für den Erhalt der alten Handwerkstechniken und indigenem Wissen. Zudem werden die Beziehungen und Zusammenhänge zwischen Gesellschaft und Bauen in all ihrer Komplexität noch einmal vor Augen geführt. Das ist nicht nur für Architekten interessant, es werden ebenso die Zusammenhänge von globaler Kultur- und Sozialgeschichte in Zeiten des Klimawandels deutlich.

In vorindustrieller Zeit war die Architektur zwangsläufig klimagerecht, ein Gebäude in Nordafrika war anders strukturiert als etwa eines im europäischen Norden, am Meer wird anders gebaut als in den Bergen. Die traditionelle Alltagsarchitektur wird von der Form und den örtlich verfügbaren Baustoffen geprägt. Betrachtet man sie nun heute unter dem Gesichtspunkt des Energiesparens, so erweist sie sich häufig als bestens durchdacht, effizient, wirkungsvoll und zudem nachhaltig. Viele Beispiele sind so einfach wie faszinierend – wie etwa die Technik des Windturms, die sich am arabischen Golf etabliert hat: Allein die Gebäudeform sorgt für angenehme Kühle in Atrien und Räumen –  und kommt dabei ganz ohne Klimaanlagen aus; weltbekanntes Beispiel ist das Iglu, geometrisch so konstruiert, dass es den geringstmöglichen Wärmeverlust hat.

Verantwortung für die Umwelt übernehmen

Viele zeitgenössische Bauten sind mit einem Übermaß an Technologie ausgestattet, um etwa den Energiebedarf zu reduzieren. Doch der Aufwand zur Herstellung als auch zum Betrieb ist oft hoch, das Fehlerrisiko nimmt zu, das Nutzerverhalten passt sich häufig nicht der Technik an. Hightech-Gebäude verbrauchen in der Praxis nicht selten mehr Energie als vorher errechnet. Low Tech Bauen gewinnt wieder an Bedeutung und ist vor allem bei denen beliebt, die die Häuser bewohnen sollen. Es geht dabei nicht darum, traditionelle Bauweisen einfach nachzubauen – aber sich das Wissen anzueignen und es kreativ auf zukünftige Bauaufgaben zu übertragen, möglichst wenig technisierte, gut durchdachte Konzepte zu entwickeln, mit geringem Energieaufwand –  und um die große Verantwortung des Planers für Bewohner und Umwelt. Das kann erfahren, wer sich vorbehaltlos auf das wunderbare Werk einlässt.

Sandra Piesik (Hrsg.): Habitat. Traditionelle Bauweisen für den globalen Wandel
Mit Beiträgen von mehr als 140 Autoren aus über 50 Ländern
Hardcover, 600 Seiten, Format: 28 x 36
Architekturverlag Detail, 2017
Preis: 99,00 Euro
ISBN 978-3-95553-393-9

 


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