Photovoltaik-Nachfrage steigt, muss aber noch mehr zulegen

Laut BSW-Solar wurden 2017 insgesamt rund 55.000 kleine Solarstromanlagen auf Deutschlands Hausdächern installiert. (Foto: Nicole Allé)
Laut BSW-Solar wurden 2017 insgesamt rund 55.000 kleine Solarstromanlagen auf Deutschlands Hausdächern installiert. (Foto: Nicole Allé)

Die Nachfrage nach PV-Anlagen auf dem eigenen Dach als auch bei Unternehmen legte im Jahr 2017 spürbar zu, berichtet die Solarwirtschaft. Dabei werde bereits jedes zweite neue Solardach mit einem Solarspeicher kombiniert. Dank Mieterstrom-Modell wird auch auf Mehrfamilienhäusern Solarstrom produziert.

05.01.2018 – Gegenüber dem Vorjahr ist die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen im Jahr 2017 im Eigenheimsektor um etwa ein Viertel gestiegen – das berichtet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar). Schätzungsweise wurden 2017 insgesamt rund 55.000 Solarstromanlagen mit einer Nennleistung von bis zu 10 Kilowatt (kWp) auf Deutschlands Hausdächern installiert, im Jahr 2016 waren es noch rund 44.000 neue Solaranlagen. Aufgrund der deutlich verbesserten Rentabilität neuer PV-Systeme erwartet der Verband 2018 ein weiteres Anziehen der Nachfrage.

Bis heute wurden im gesamten Bundesgebiet rund 980.000 Photovoltaikanlagen in dieser Leistungsklasse installiert. „Die Investition in eine klimafreundliche Eigenstromversorgung macht sich meist auch finanziell nach relativ kurzer Zeit bezahlt“ sagt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des BSW-Solar. Im Trend liegen Batteriespeicher, mit denen der eigene Solarstrom rund um die Uhr verfügbar wird. Jede zweite neue Photovoltaikanlage der Eigenheimklasse werde bereits zusammen mit einem Solarstromspeicher installiert, der den Eigenverbrauch erhöht und damit auch die Stromnetze entlaste, so Körnig.

Auch Firmendächer werden zunehmend solar

Auch die Zahl der Photovoltaikanlagen für größere Dächer in Gewerbe, Handel und Industrie dürfte in 2017 gestiegen sein. Dennoch blieb der gesamte Ausbau unter dem Ziel der Bundesregierung. Insgesamt stimme die Belebung der PV-Nachfrage zuversichtlich, so Körnig. Ausreichend sei das jedoch noch nicht: „Wenn wir die Klimaziele erreichen und den wachsenden Ökoenergiebedarf im Strom-, Wärme und Verkehrssektor decken wollen, müssen wir an Tempo jedoch noch deutlich zulegen.“ Experten halten eine Vervielfachung der jährlichen solartechnischen Installationsleistung für erforderlich.

Solarer Mieterstrom – Energiewende in die Städte

Seit das Mieterstromgesetz im Juli 2017 in Kraft getreten ist bieten einige Akteure das Modell bereits an. Damit kommt die Energiewende in die Städte, und auch Menschen ohne Eigenheim und ohne eigene Investitionsmöglichkeit können zukünftig direkt profitieren. Gerade in den städtischen Lastzentren könnten sehr große Mengen Solarstrom ohne Netzausbau in die vorhandenen, leistungsfähigen Stromnetze integriert werden. Voraussetzung für den Mieterstromzuschlag ist, dass der Strom in einer Solaranlage auf dem Dach eines Wohngebäudes erzeugt und an dessen Bewohner geliefert wird. Von den Mietern nicht verbrauchter Strom kann ins öffentliche Netz eingespeist oder zwischengespeichert werden. Der Bundesverband Solarwirtschaft rechnet also auch in diesem Bereich mit wachsendem Interesse an lokal erzeugten Solarstromangeboten. Schätzungen des Dachverbandes der Immobilienwirtschaft GdW zufolge könnten mit heutiger Technik 6-8 Gigawatt Solarleistung alleine für Mieterstromprojekte im Geschosswohnungsbau in deutschen Städten umgesetzt werden. 

Sonneneinstrahlung in Deutschland ausreichend

Aktuelle Analysen von Meteocontrol für den Bundesverband Solarwirtschaft belegen, dass die Sonne in Deutschland ausreichend scheint, um hohe Anteile des privaten Stromverbrauchs abzudecken. In allen Regionen des Landes lag die gemessene Solarstromerzeugung 2017 dabei leicht über den Werten des Jahres 2016. Im Jahr 2017 hat eine für Einfamilienhäuser typische neue Photovoltaikanlage mit einer Nennleistung von 5 Kilowatt im Bundesdurchschnitt daher mehr als 4.700 kWh Solarstrom erzeugen können, so die Erhebung. Das decke rechnerisch den durchschnittlichen jährlichen Stromverbrauch eines 4-Personen-Haushalts. Die durchschnittlichen Anschaffungskosten einer Photovoltaikanlage dieser Leistungsklasse liegen inzwischen unter 10.000 Euro und betragen oft nur noch ein Drittel dessen, was für die Installation einer schlüsselfertigen Solarstromanlage gleicher Leistung noch vor zehn Jahren verlangt wurde, so der BSW-Solar. na

   

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