Die Antarktis schmilzt von unten

Foto: Gletscher in der Antarktis.
Das Abbrechen von größeren Gletscherspalten ins Meer nennt sich im Fachjargon „Kalben“. (Foto: © Liam Quinn, CC BY-SA 2.0)

Lange wurde der Südpol im Vergleich zum Nordpol als weniger gefährdet angesehen. Doch neueste Messungen zeigen, dass die Antarktis noch stärker zum Anstieg des weltweiten Meeresspiegels beiträgt. Denn die Gletscher schmelzen vor allem unter Wasser.

06.04.2018 – Noch Anfang des Jahres rätselten Forscher über den geringen Eisumfang in der Antarktis, trotz Lufttemperaturen, die im Südpolarmeer größtenteils unter dem Durchschnitt lagen. Forscher der University of Leeds fanden nun heraus, dass die Antarktis vor allem unter der Meeresoberfläche schmilzt. „Wir haben eine neue Methode eingesetzt, die es uns erlaubt die „grounding line“ des Schelfeises zu kartographieren und ihren Rückzug in der gesamten Antarktis zu analysieren“, erklärt der Hauptautor der Studie Hannes Konrad der Deutschen Welle

Diese grounding lines sind besonders wichtig für das Verhalten von sogenannten Gezeitengletschern, die im Meer enden und durch Abbrüche Eisberge produzieren. Mit dem Begriff wird die Linie oder Zone bezeichnet an der der Gletscher den Kontakt mit dem Grundgestein verliert und beginnt auf dem Ozean zu schwimmen. In der Antarktis bildeten sich aus ins Meer vorrückenden Gletschern teilweise riesige Eisschelfe, die wie fester Bestandteil des Kontinents wirken, jedoch keine grounding line besitzen und auf dem Meer schwimmen. Zirkulierende warme Tiefenströmungen im Ozean können den Bereich der mit dem Grundgestein verbunden ist immer weiter zurückdrängen, sodass noch größere Teile der Gletscher auf dem Meer schweben.

Foto: Visualisierung der Antarktis aus dem Weltraum.
Die Türkis gefärbte Fläche zeigt die Teile der Antarktis, die nicht mit dem Grundgestein verbunden sind und auf dem Meer schwimmen. (Foto: © NASA, CC0 1.0)

Das Meer wird wärmer und höhlt die Gletscher aus

Die Forscher fanden heraus, dass durch die Erwärmung der Ozeane die Gezeitengletscher unter der Wasseroberfläche rapide schmelzen. Und nicht nur die geschmolzenen Eismassen unter der Oberfläche sorgen für einen Anstieg des weltweiten Meeresspiegels. Die ausgehölten Gletscher brechen auch schneller ab und treiben als riesige Eisberge ins offene Meer hinaus, wo sie schneller schmelzen können. Im Sommer 2017 brach ein Eisberg siebenmal so groß wie Berlin von einem Eisschelf der Westantarktis ab. Zwei Monate später verlor der Pine-Island-Gletscher einen Eisberg viermal so groß wie Manhattan.

Zwar transportiert dieser Gletscher mehr Eis ins Meer als jeder andere Gletscher weltweit, doch inzwischen weißt er eine deutlich negative Massenbilanz auf. Einer weiteren Studie zufolge verlor der Pine-Island Gletscher in 20 Jahren 20 Kilometer seiner grounding line. Auch die anderen Gletscher der West-Antarktis verlieren immer mehr an Bodenhaftung. „Das Problem ist: selbst wenn wir es schaffen die Erwärmung der Meere zu stoppen oder sie zu kühlen, können einige Gletscher nicht mehr stabilisiert werden. Das heißt, dass einige Inseln aufhören werden zu existieren“, glaubt Hannes Konrad.

Laut Konrad wird die West-Antarktis zu einer weltweiten Meeresspiegelerhöhung von 4-5 Metern beitragen und damit im nächsten Jahrzehnt einen höheren Anteil zu verantworten haben als Grönland und der Nordpol. „Dies wird nicht sofort geschehen. Es ist also immer noch etwas Zeit uns anzupassen. Aber es wird geschehen und wir müssen uns darauf vorbereiten und Maßnahmen ergreifen“, fügt er hinzu. mf

   

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