Feinstaub geht auf die Nerven

Im Stau mal kurz an die frische Luft? Forscher sind den krankheitsfördernden Auswirkungen des Feinstaubs auf der Spur. (Foto: Pixabay CC0 Creative Commons)
Im Stau mal kurz an die frische Luft? Forscher sind den krankheitsfördernden Auswirkungen des Feinstaubs auf der Spur. (Foto: Pixabay CC0 Creative Commons)

Der Verdacht, dass Feinstaubbelastung die Funktion des Gehirns negativ beeinflusst, erhärtet sich mit einer neuen toxikologischen Studie, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Erkrankungen des zentralen Nervensystems belegt.

16.09.2017 – Während Umweltschützer im Zuge des Dieselskandals nach Fahrverboten in Städten rufen, stellt sich die deutsche Autoindustrie immer noch auf den Standpunkt, Tonangeber in Sachen Schadstoff-Grenzwerte zu sein. Während Diesel-Pkw auf dem Papier immer sauberer werden, bleibt die Luft in den belasteten Städten hoch Feinstaub-belastet. Seit Jahren warnen Wissenschaftler vor den Auswirkungen hoher Luftverschmutzung, da Feinstaub nicht nur Lungenkrankheiten und Allergien verursacht, sondern sich zudem negativ auf die Funktion des Gehirns auswirken kann – und daher die Entstehung und den Verlauf von gefürchteten Alterskrankheiten wie etwa Alzheimer oder andere Formen von Demenz beeinflussen kann.

Das belegen bereits durchgeführte Studien des IUF – Leibniz-Institut für umweltmedizinische Forschung aus Düsseldorf als auch einer epidemiologischen Studie aus Kanada, die einen Zusammenhang zwischen der Verminderung kognitiver Fähigkeiten und dem daraus folgenden Risiko an Alzheimer bzw. Demenz zu erkranken und dem Wohnen an dicht befahrenen Straßen feststellte. Über das Lungengewebe kann Feinstaub in den Blutkreislauf aufgenommen werden und sich im Körper verbreiten, dabei bis ins Hirn vordringen.

Nachweis im Mausmodell bestätigt den Verdacht

Da in epidemiologischen Studien Zusammenhänge beschrieben werden, kann jedoch aus Sicht der Wissenschaft kein kausaler, also ursächlicher Zusammenhang belegt werden. Daher hat das IUF 2012 das internationale Leibniz-Projekt AIRBAG (AIR pollutants and Brain Aging research Group) initiiert, um die Ergebnisse der epidemiologischen Studien in einer toxikologischen Studie mit dem Mausmodell zu ergänzen und eine Brücke zu den bestehenden epidemiologischen Befunden zu schlagen. Die daraus nun in der Fachzeitschrift Particle and Fibre Toxicology publizierten Ergebnisse machen deutlich, dass luftgetragene Schadstoffe aus Dieselfahrzeugen – die in der Studie als Beispiel für verkehrsbedingte Luftverschmutzung verwendet wurden – auch im Mausmodell bei einer Alzheimer Erkrankung die Bildung der dafür typischen Amyloid Plaques beschleunigen und damit die motorischen Defizite verstärken.

Die Ergebnisse weisen also deutlich darauf hin, so die Studienautoren, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und Erkrankungen des zentralen Nervensystems gebe. In folgenden Studien soll erforscht werden, ob die gleichen Ergebnisse im realen Straßenverkehr reproduzierbar sind und ob die Befunde für den Menschen ebenso ausfallen; auch die Bestandteile des Abgasgemischs, welche die Schäden verursachen, müssen noch näher beleuchtet werden: Die aktuellen Grenzwerte richten sich bislang hauptsächlich nach der Masse des Feinstaubs in der Luft, nicht aber nach dessen Zusammensetzung oder Herkunft. Weiterhin müssen die genauen Mechanismen näher untersucht und nicht zuletzt die mögliche präventivmedizinische Maßnahmen erforscht werden, so Prof. Jean Krutmann, Direktor des IUF.

Feinstaub auch aus der Landwirtschaft

Die Ergebnisse sollten der politischen Debatte um Diesel und Feinstaubbelastung den Weg weisen, doch dabei darf nicht nur der Verkehrssektor betrachtet werden – der Beitrag von Kohlekraftwerken, Kaminfeuern, Heizungen und nicht zuletzt der konventionellen Landwirtschaft werden sträflich in der Diskussion um Feinstaubbelastung vernachlässigt. Das entstehende Ammoniak aus der Gülle reagiert in der Luft zu Ammoniumsalzen und wird dabei zu sekundärem Feinstaub – der auch die Städte und Kleinstädte erreicht, und so die dort ohnehin starke Belastung durch den Verkehr nochmal erhöht. na

   

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