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Studie belegt dramatisches Insektensterben

Auch die Familie der Raubfliegen gehört zu der Klasse der Insekten. Weltweit sind zurzeit noch über 7.000 verschiedene Arten bekannt. (Foto: © Joschua Katz)
Auch die Familie der Raubfliegen gehört zu der Klasse der Insekten. Weltweit sind zurzeit noch über 7.000 verschiedene Arten bekannt. (Foto: © Joschua Katz)

Seit 1989 hat die Masse an Fluginsekten in Deutschland erschreckend stark abgenommen, zeigt eine langjährige Untersuchung. In über 60 Naturschutzgebieten haben die Forscher einen durchschnittlichen Rückgang von mehr als 76 Prozent festgestellt.

20.10.2017 – Lange wurde noch darüber gemutmaßt, ob die Insektenwelt in Deutschland tatsächlich in Schwierigkeiten steckt. Durch eine am Mittwoch im Wissenschaftsjournal PLOS ONE veröffentlichte Studie kann diese Frage nun sehr deutlich mit ja beantwortet werden. Erstmals konnte der Insektenschwund in Deutschland mit einer ausreichend großen Datenlage bestätigt werden. Die Ergebnisse sind jedoch noch viel erschreckender, als in den letzten Jahren erwartet. In den letzten 27 Jahren betrug der Rückgang bei Fluginsekten in den 63 untersuchten Naturschutzgebieten durchschnittlich über 76 Prozent – in der Sommerperiode sogar über 81 Prozent.

Der Verlust gilt dabei nicht für spezifische Biotoptypen, sondern betrifft das ganze Offenland – also sämtliche Gebiete, die nicht zum Wald zählen. Damit zeigen die Ergebnisse auch, dass die bereits nachgewiesenen Rückgänge von Schmetterlingen, Wildbienen oder Nachfaltern mit dem nun bestätigten drastischen Sterben der Fluginsekten einhergehen. Davon sind nicht nur gefährdete Arten betroffen, sondern praktisch die gesamte Welt der Insekten.

Ursache für Insektensterben unklar

Zusätzlich zur Langzeiterfassung der unterschiedlichen Fluginsekten wurden auch potentielle Ursachen für das Insektensterben erfasst, berichtet der NABU. Im gesamten Beobachtungszeitraum wurden daher täglich Klimadaten von über 160 Wetterstationen im Umfeld der Naturschutzgebiete aufgezeichnet. Außerdem wurden Luft- sowie Vegetationsbilder ausgewertet. Allerdings konnte dadurch ein großer Teil der Verluste nicht erklärt werden.

Mangels ausreichender Datenlage war es den Forschern jedoch nicht möglich, einen weitaus wahrscheinlicheren Einflussfaktor zu berücksichtigen. Da viele landwirtschaftlich genutzte Flächen in direkter Nähe zu den Biotopen liegen, gibt es dort eine entsprechend hohe Belastung durch Pestizide und Düngemittel. Schon lange wird vermutet, dass die intensive Landwirtschaft in Deutschland einen großen Einfluss auf die Insektenwelt haben könnte. Dieser Zusammenhang konnte jedoch auch in der nun veröffentlichten Studie nicht abschließend nachgewiesen werden. Dabei liegen rund 90 Prozent der untersuchten Naturschutzgebiete im direkten Umfeld von intensiver Landwirtschaft.

Durch ihre Insellage und die langen Außengrenzen wird vermutet, dass die Biotope stark von der Umgebung beeinflusst werden und damit auch einem hohen Eintrag von Pestiziden und Düngemitteln ausgesetzt sind. Dadurch liegt die Vermutung nahe, dass auch die Insektenwelt stark von den Einflüssen der Menschheit beeinträchtigt wird. jk

   

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