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Endlagersuche für hochradioaktiven Atommüll gestartet

Aus den Fehlern der Vergangenheit habe man gelernt: Bürger sollen zukünftig mit in den Auswahlprozess einbezogen und angehört werden. (Foto: Tetzemann / pixabay.com, CC0 Public Domain)
Aus den Fehlern der Vergangenheit habe man gelernt: Bürger sollen zukünftig mit in den Auswahlprozess einbezogen und angehört werden. (Foto: Tetzemann / pixabay.com, CC0 Public Domain)

Die neu gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung hat am Dienstag offiziell die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll aufgenommen. Bis ein passender Ort gefunden wird, dürften allerdings noch einige Jahre vergehen.

08.09.2017 – Auch wenn die Atomenergie in Deutschland schon seit vielen Jahrzehnten zur Stromerzeugung genutzt wird, verfügt die Bundesrepublik noch immer nicht über ein passendes Endlager für die stark strahlenden Rückstände. Das soll sich jedoch nun endlich ändern. Mit der offiziell am Dienstag gestartet Standortsuche der Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) möchte man zeigen, dass aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt wurde.

Derzeit gibt es mit dem Standort „Konrad“ in Salzgitter nur für schwach- bis mittelradioaktive Abfälle ein genehmigtes Endlager. Dieser Kategorie gehören zwar rund 90 Prozent der Rückstände in Deutschland an, jedoch machen sie nur etwa 0,1 Prozent der Strahlung des gesamten Atommülls aus.

Mit der neu gestarteten Suche wird ein seit Jahrzehnten andauernder Streit zwischen Bund, Ländern und der Wissenschaft beigelegt. Deutschlands hochradioaktiver Atommüll soll dabei für mindestens eine Million Jahre sicher verwahrt werden können. Dafür hat eine Expertenkommission in den letzten Jahren die Voraussetzungen für ein Standortauswahlverfahren geprüft.

Atommüllendlager bis 2031

Bis zum Jahr 2031 soll dann ein geeigneter Ort für ein Endlager gefunden werden – so lautet der Plan. Viele Experten bezweifeln aber, dass dies auch tatsächlich so schnell funktionieren kann. Neben geologischen Kriterien spielen auch Faktoren wie eine mögliche Erdbebengefahr sowie die Nähe zu Städten eine wichtige Rolle. Favorisiert wird allerdings die Lagerung in einem Bergwerk, so die Expertenkommission.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Der neue Standortauswahlprozess ist ein Beitrag für den gesellschaftlichen Frieden.“ (Foto: Bundesgesellschaft für Endlagerung)
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks: „Der neue Standortauswahlprozess ist ein Beitrag für den gesellschaftlichen Frieden.“ (Foto: Bundesgesellschaft für Endlagerung)

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte beim offiziellen Start am Dienstag in Berlin, dass es sich bei der Suche um einen langen und gründlichen Prozess handeln wird. Dennoch müsse das Ziel aber so schnell wie möglich erreicht werden. Nie wieder soll völlig ohne Vorwarnung ein Endlager für hochradioaktive Abfälle in eine Region kommen, so Hendricks. Man habe aus den Fehlern von 1974 in Gorleben gelernt. „Der neue Standortauswahlprozess ist ein Beitrag für den gesellschaftlichen Frieden.“

Die BGE-Geschäftsführerin Ursula Heinen-Esser forderte einen transparenten und nachvollziehbaren Standortauswahlprozess. „Wir wollen eine lernende Institution werden, die Fehler jederzeit im Prozess korrigieren kann“, so Heinen-Esser. jk

   

Forum

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  1. Rudolf Tarantik 08.09.2017, 22:10 Uhr
    Herr Heck,
    was halten Sie davon, dass die Polen dieses von Ihnen geliebte, aber noch ungeborene Kind, komplett entwickeln und somit das Risiko und die Entwicklungskosten voll übernehmen. Funktioniert die Technik nicht, oder nicht so billig wie erhofft, dann tragen die Polen das volle Risiko. Funktioniert die Technik problemlos und auch noch so unglaublich billig wie erhofft, dann können wir doch problemlos die gesamte Technik je nach Bedarf kaufen. Kostet ja dann praktisch nichts.
  2. Eitel Heck 08.09.2017, 10:59 Uhr
    Für den 1 Millionen Jahre strahlenden Atommüll soll bis 2031 ein geeignetes Endlager gefunden werden.
    Ich verweise darauf, dass das Konzept des Dual Fluid Kernreaktors mit deutschem Patent und sicherer Technologie, wo praktische Forschungsergebnisse zu Flüssigkeitsreaktoren früherer Jahre eingeflossen sind, vorsieht, den gegenwärtigen Atommüll als wertvollen Rohstoff zur Stromerzeugung und zum Betreiben von Prozesschemie( Kraftstoffe, die ansonsten aus Erdöl hergestellt werden und andere Produkte wie z.B. Wasserstoff) zu nutzen.
    Unkontrollierte Leistungs- und Temperaturexkursionen sind prinzipbedingt nicht möglich.
    Weitere Vorteile:
    keine Anreicherung
    keine Aufbereitung
    kein nukleares Endlager( Die Überschaubare Menge radioaktiver Reststoffe wird im Kraftwerk gelagert)
    Er kann auch unterirdisch betrieben werden, um Gefahren durch Flugzeugabstürze und Naturkatastrophen auszuschließen.
    Die Anschaffungskosten entsprechen einem Kohlekraftwerk, so dass ein 1,5 GW-Reaktor Strom zu Preisen von 0,75 USct/ kWh zu liefern vermag.
    Dieser Reaktor hätte Einfluss auf die Industrieproduktivität und das Wohlstandsniveau in Deutschland.
    Polen will einen 100 MW Testreaktor bauen zur Stromerzeugung bei gleichzeitiger Herstellung von Kraftstoffen und Wasserstoff.
    Will sich Deutschland bei dem abzusehenden Anstieg der Stromkosten und den unklärten Problemen bei der Erreichung der Klimaziele sowie der Entsorgung des Atommülls diese Chance entgehen lassen?

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