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FDP will Fracking erlauben und übersieht Gefahren

Öl- und Gasgewinnung mittels Fracking in Wyoming. (Foto: © EcoFlight)
Öl- und Gasgewinnung mittels Fracking in Wyoming. (Foto: © EcoFlight)

Es klingt paradox: Um die deutschen Emissionen zu senken, will die FDP Fracking zur Gasförderung erlauben. Die deutsche Erdgasindustrie frohlockt. Unterdessen zeigen neue Studien aus den USA: Fracking ist aus Klimasicht schlimmer als gedacht.

22.01.2017 – Seit Monaten wirbt der deutsche Ableger von ExxonMobil verstärkt für Fracking. Bis zu 35 Prozent des jährlichen Erdgasbedarfs könnte durch heimisches Schiefergas gedeckt werden, behauptet das Unternehmen und versucht mit hübschen Infografiken, Videos und Dossiers die Harmlosigkeit von Fracking zu zeigen. Der Tenor: Alles sicher für Natur und Mensch, wir haben Erfahrung. Tatsächlich ist ExxonMobil der größte Fracking-Anwender in den USA und hat auch in Deutschland Erfahrung mit Fracking in konventionellen Lagerstätten. Dort ist Fracking erlaubt.

Fünf Jahre Moratorium

Weitaus gefährlicher ist die Anwendung dagegen in unkonventionellen Lagerstätten, also in Schiefergestein. Die Bundesregierung hatte nach öffentlichen Protesten 2016 ein fünfjähriges Moratorium für die Förderung von Schiefergas verhängt, vier Probebohrungen zu wissenschaftlichen Zwecken sind erlaubt. Danach soll abschließend über Fracking entschieden werden. Die Erdgasindustrie und ExxonMobil waren nicht begeistert, damals hatten sie kaum Fürsprecher im Bundestag.

Das hat sich nun offenbar geändert. Wie der Spiegel berichtet, fordert die FDP, Fracking zu erlauben. „Die unkonventionelle Förderung von Erdgas bietet nicht nur eine Chance für die Versorgungssicherheit, sondern auch für die Energiewende“, zitiert das Magazin den FDP-Fraktionsvize  Michael Theurer und schreibt selbst dazu: „Die Verbrennung von Erdgas erzeugt weitaus weniger Treibhausgase als Kohle, es gilt als Joker im Klimaschutz-Poker.“

Ein unterschätztes Klimaproblem

Das ist nur teilweise richtig. Tatsächlich erzeugt die Verbrennung von Erdgas weniger klimaschädliche Emissionen als die Verfeuerung von Kohle, aber die Förderung von Erdgas und insbesondere Fracking-Gas ist alles andere als klimafreundlich. Neueste Untersuchungen von Wissenschaftlern und Umweltaktivisten in den USA zeigen, dass die Fracking-Förderung ein gewaltiges Methan-Problem hat. Das Gas ist mindestens 25 Mal klimaschädlicher als CO2, das bei der Verbrennung von fossilen Kraftstoffen freigesetzt wird. Viele Fracking-Bohrlöcher haben gewaltige Methanlecks, die größtenteils gar nicht bekannt sind und auch in offiziellen Emissionsdaten nicht auftauchen.

Im vergangenen Jahr nahmen Wissenschaftler der renommierten Purdue University dann Gaskraftwerke und Raffinerien unter die Lupe: Sie flogen in einem mit einem Chemielabor ausgestatteten Flugzeug über die Anlagen und fanden heraus: Der Methan-Ausstoß in den USA muss neu berechnet werden, für Raffinerien sei dieser 11 bis 90 Mal höher als angenommen, bei Gaskraftwerken sogar 21 bis 120 Mal. Wenn ein Leck an einer Anlage mehr als drei Prozent des Gases freilasse, sei der Treibstoff klimaschädlicher als Kohle.

Wasser, Sand und giftige Chemikalien

Von den sonstigen Auswirkungen des unkonventionellen Frackings ganz zu schweigen. In vielen Fracking-Gebieten der USA kann man live beobachten, was diese Fördermethode anrichtet, ganze Landstriche sind verwüstet. Um an das Gas zu gelangen, wird ein Gemisch aus großen Mengen Wasser, Sand und giftigen Chemikalien mit hohem Druck in das Schiefergestein gepumpt und dieses aufgebrochen. Durch Risse fließt Gas an die Oberfläche, kann aber auch ins Grundwasser gelangen. Mögliche Gefahren für die Umwelt: Giftiges Grund- und infolge auch Trinkwasser, zerstörte Natur und in jedem Fall große Menge giftiges Abwasser, das wieder an die Oberfläche gerät.

In den USA ist das alles zu beobachten, nicht an allen Fracking-Bohrlöchern, aber es sind genug, um eine gewaltige Skepsis gegen diese Technologie zu entwickeln. Hinzu kommen Erdbeben, die durch den enormen unnatürlichen Druck ausgelöst werden können.

FDP will auch Umwelt und Gesundheit schützen

FDP-Vize Theurer betont zwar, beim Schutz von Umwelt und Gesundheit dürften keine Kompromisse eingegangen werden, moderne Technologien – also Fracking – sollten aber nicht pauschal ausgeschlossen werden. Den Befürwortern geht es meist um die Versorgungssicherheit, sie wollen die Abhängigkeit von Erdgasimporten senken. In den USA hat das tatsächlich funktioniert. Die Frage ist nur: Zu welchem Preis? cw

   

Forum

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  1. Eitel Heck 22.01.2018, 11:40 Uhr
    Seit ca. 20 Jahren wird in den USA Fracking zur Erdöl- und Erdgasförderung angewandt.
    Bei der Einführung einer neuen Technologie sind Risikoentscheidungen zu treffen.
    Das setzt auch jahrelange Erfahrungen im Umgang mit Risikoentscheidungen voraus.
    Ungeeignet sind Technologieablehnungen ohne praktische Erfahrungen vom Bürotisch mit Studien.
    Die dargestellten Probleme der Methanemission beim Fracking sind auch bei der normalen Erdgasförderung festzustellen, den Ergas ist natürliches Methan.
    Methanemissionen entstehen noch nach Jahrzehnten in stillgelegten Erdgasborlöschern.
    Wenn das Erdgas import wird, ist diese klimaschädliche Methanemission im Erdgasförderland festzustellen.
    Dem Klima ist das aber egal.
  2. Rudolf Tarantik 22.01.2018, 11:36 Uhr
    Die PDP hat einfach noch nicht verstanden, dass mit Sektorkopplung jede Menge Erdgas eingespart werden kann und damit die Versorgungssicherheit erhöht werden könnte. Wäre Windenergie nicht absolut sinnlos abgeregelt (und bezahlt) worden, dann hätte allein im letzten Jahr 4 TWh Erdgas eingespart werden können.
    Das Problem ist also nicht mangelnde Versorgunssicherheit, sondern bodenlose Dummheit.

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