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Weltenergiebericht beschwört das fossile Zeitalter

Öl-Laster in den USA. Laut Weltenergiebericht der Internationalen Energie-Agentur IEA könnten die Vereinigten Staaten vom Ölimporteur schon bald zum Selbstversorger und gar Exporteur von Öl werden. (Foto: Dr. J. Lindigkeit / pixelio.de)
Laut Weltenergiebericht der Internationalen Energie-Agentur IEA könnten die Vereinigten Staaten vom Ölimporteur schon bald zum Selbstversorger und gar Exporteur von Öl werden. (Foto: Dr. J. Lindigkeit / pixelio.de)

Der Weltenergiebericht der Internationalen Energie-Agentur (IEA) kommt zu dem Schluss, dass die USA 2020 der größte Ölproduzent der Welt sein werden. Die IEA wolle damit ein goldenes Zeitalter der fossilen Rohstoffe ausrufen, kritisiert Hans Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Die Grünen.

15.11.2012 – Die neu entdeckten Schiefergas- und Öl-Vorkommen in Nordamerika könnten den Weltenergiemarkt massiv verändern, geht aus dem aktuellen Weltenergiebericht 2012 der Internationalen Energie-Agentur (IEA) hervor. Bereits im Jahr 2035 könnten sich die USA energieautark selbst mit Öl und Gas versorgen, meinen die Experten der IEA. Durch die wachsenden Energieexporte der USA dürfte die Abhängigkeit des Westens von den ölreichen Ländern des Nahen Ostens stark abnehmen. Die IEA rechnet damit, dass im Jahre 2035 rund 90 Prozent der Ölexporte aus Saudi-Arabien und dem Nahen Osten in Richtung Asien gehen werden.

Fossile Energieträger werden den globalen Energiemix langfristig dominieren, berichtet die IEA. Dafür verantwortlich seien auch hohe Subventionen auf den Benzin-, Gas-, Öl- und Kohlepreis etwa im Nahen Osten und Nordafrika. Im vergangenen Jahr wurde der Verbrauch von fossilen Brennstoffen weltweit mit rund 520 Mrd. US-Dollar subventioniert; die Subventionen für fossile Energieträger lagen damit sechs Mal höher als die für Erneuerbare Energien.

Erneuerbare Energien könnten, wenn sie weiter subventioniert werden, bis 2035 mit Kohlekraftwerken als der wichtigsten globalen Stromquelle gleichziehen, heißt es dabei weiter im IEA-Bericht. Ökostrom könnte dann ebenso wie Kohle ein Drittel des globalen Elektrizitätsbedarfs decken. Dass Erneuerbare Energien nicht insgesamt einen noch höheren Anteil erreichen können, hänge mit dem Wachstum der Weltbevölkerung und dem Wohlstandsgewinn der Schwellenländer zusammen, glauben die IEA-Experten.

Um die Treibhausgasemissionen zu senken ersetzt billiges Erdgas die Steinkohle; Gas setzt im Verhältnis zu anderen fossilen Energieträgern wenig Kohlendioxid frei. Doch das zusätzliche Gas bringt andere verheerende Folgen mit sich: Es kommt aus sogenannten unkonventionellen Reserven, d. h. es lagert in Schieferschichten, aus denen es mit der umstrittenen Methode des Fracking unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien gelöst werden muss. Die Schiefergas-Gewinnung in den USA könnte zudem das Erreichen der europäischen Klimaschutzziele erschweren, warnt denn die IEA: So werde das billige Erdgas in den USA den Kohleverbrauch reduzieren. Dies könne jedoch zu verstärkten Kohle-Exporten nach Europa führen.

Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen, kritisiert den IEA-Bericht vehement: „Ganz in der Tradition ihrer vergangenen Energiefehlprognosen, setzt die IEA auch weiterhin die Botschaft der fast unbegrenzten Verfügbarkeit fossiler Rohstoffe und lässt die Weltgemeinschaft im Glauben, dass ein Weiter so möglich sei“, warnt Fell und kommentiert weiter:

„Noch 2004 hat die IEA einen Ölpreis für dieses Jahr von 22 US-Dollar pro Barrel vorhersagt, heute ist der Ölpreis fünfmal so hoch. Die heutigen Prognosen der IEA für den Öl- und Gasboom in den USA sind in dem Lichte der vergangenen Fehlprognosen auch nur als gefällige Aussagen für die Gewinne der Erdölkonzerne zu sehen und ignorieren weitgehend bestehende Umwelt- und Kostenprobleme. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es die von der IEA euphorisch bis 2030 vorhergesagte Zunahme der unkonventionellen Gas- und Erdölförderung nicht geben kann.

Erschreckend ist, dass sich die weltweiten Subventionen für fossile Energien seit 2009 von 312 Milliarden US-Dollar auf 523 Milliarden US-Dollar im Jahr 2011 fast verdoppelt haben. Das heißt im Klartext, dass weltweit immer mehr Staaten ihre öffentlichen Haushalte ruinieren, um den Ölkunden eine scheinbar billige Energiewelt vorzugaukeln, um mit neuen Staatsverschuldungen soziale Aufstände zu vermeiden. Wohin das führt, kann man im Euro-Raum sehen, wo die jährliche Importrechnung für fossile Energien von 400 Milliarden Euro schon heute das Außenhandelsdefizit der EU-27 weit übersteigt.

Mit den Wachstumsprognosen im WEO 2012 für den Ausbau der Erneuerbaren Energien unterschätzt die IEA genauso wie in der Vergangenheit die realisierbaren Möglichkeiten. So lag der Ausbau der Photovoltaik in den vergangenen Jahren mehr als fünfmal höher als von der IEA im Jahre 2004 prognostiziert. Dies wird auch in Zukunft so sein. Anstatt nun ein Ende der fossilen Subventionen und eine Umstellung der weltweiten Energiewirtschaft auf Erneuerbare Energien zu fordern, setzt die IEA mit der Botschaft der fast unendlichen Verfügbarkeit der fossilen Rohstoffe weiterhin auf Beschwichtigung – ein fatales Spiel, vor allem für den Klimaschutz", schließt Fell seinen Kommentar. ez

   

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