Mit Licht, Duft und Strom statt Pestiziden

Die Kirschessigfliege legt ihre Eier in reifen Früchten wie beispielweise Weintrauben ab. Sind diese erst einmal befallen, können sie nicht mehr verkauft werden. Es drohen hohe Ertragseinbußen. (Foto. © Irsch, Wilhelm/piclease)
Die Kirschessigfliege legt ihre Eier in reifen Früchten wie beispielweise Weintrauben ab. Sind diese erst einmal befallen, können sie nicht mehr verkauft werden. Es drohen hohe Ertragseinbußen. (Foto. © Irsch, Wilhelm/piclease)

Ohne Pestizide geht es nicht, sagen viele Landwirte und vor allem die Hersteller solcher Gifte zur Schädlingsbekämpfung. Dass es aber auch umweltschonender funktionieren kann zeigt nun ein Forschungsprojekt, das von der DBU unterstützt wird. Mit Licht, Duft und Strom geht es nun der Kirschessigfliege an den Kragen.

13.11.2017 – Winzer und Obstbauer in Deutschland kennen und fürchten sie: Die Kirschessigfliege. Sie mag nicht nur Kirschen sondern auch Trauben und allerlei Obst. Hat sie eine Fläche befallen, drohen Total-Ernteausfälle. Aufgrund des Klimawandels breitet sich die aus Asien eingeschleppte Fliege auch in Deutschland immer weiter aus. Umweltschonend konnte sie bisher nicht bekämpft werden. Bestehende Mittel sind entweder nicht wirksam oder töten zu viele andere Insekten.

Mit Licht und Düften will die Firma 3win Maschinenbau aus Aachen nun gemeinsam mit Forschern der Universität Hohenheim eine spezielle Falle entwickeln, die die Fliegen anlockt und abtötet. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Projekt fachlich und finanziell mit rund 300.000 Euro. „Zielgerichtet schützen wir so die Obst- und Rebenbestände vor dieser eingewanderten Art und schonen zeitgleich andere Insekten. Damit tragen wir zum Erhalt der Artenvielfalt bei und helfen den betroffenen Produzenten“, so der stellvertretende Generalsekretär der DBU, Professor Werner Wahmhoff.

Die Fliege überlisten

Bisherige Ansätze, die Schädlinge zu bekämpfen, seien nicht zufriedenstellend, berichtet DBU-Experte Holger Wurl. Bekannte Abwehrstoffe zeigten nicht die gewünschte Wirkung, so dass die Fliegen weiterhin ihre Eier in reifen Früchten ablegten. Wirksame Bekämpfungsmittel gegen die eingewanderte Art gefährdeten hingegen auch nützliche Insekten wie Bienen und führten so zu weniger Biodiversität. Fallen würden bisher nur zur Beobachtung genutzt, der Massenfang gelte als zu teuer. Um nun allein die Kirschessigfliege zu bekämpfen und gleichzeitig andere Insekten zu schonen, plant 3win Maschinenbau gemeinsam mit der Universität Hohenheim eine umweltverträgliche Falle für den Schädling. Mithilfe von Licht und Duftstoffen sollen die Tiere gezielt in die Falle gelockt werden, wo sie ein kurzer Stromschlag abtöte.

Ernteausfälle drohen

Globalisierung und Klimawandel führten dazu, dass Schädlinge aus anderen Teilen der Welt auch bei uns heimisch würden, so Wurl weiter. Die Kirschessigfliege aus Asien versetze die deutschen Winzer und Obstbauern seit 2009 in Schrecken: Ihre hohe Vermehrungsrate und Vorliebe für viele Obstsorten hätten sie zu einem der gefährlichsten Schädlinge Europas gemacht. Haben sie ihre Eier erst in reifen Früchten abgelegt und hätten sich die Maden entwickelt, drohten Total-Ernteausfälle. 2014 sei es in Deutschland zu massiven Ernteverlusten gekommen – Obstbauern und Winzer änderten wegen dieser Fliege bereits ihre Anbaugewohnheiten.

Intaktes Ökosystem erhalten

Der Verbraucher erhält bei erfolgreichem Abschluss und Verwendung der Falle später Lebensmittel, die nicht mit Bekämpfungsmitteln behandelt wurden, und die Biodiversität werde gefördert, so Wahmhoff: „Mit solchen Projekten wollen wir helfen, Boden, Biodiversität und Gewässerqualität zu sichern und dem Erwerbsobstbau Zukunftsperspektiven zu sichern. So stellen wir die Weichen dafür, dass auch nachfolgende Generationen in einem intakten Ökosystem leben können.“ DBU/ na

   

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