112 Milliarden Euro für fossile Energien

Entgegen den Versprechen der EU wurden fossile Energien zwischen 2014 und 2016 in mehreren europäischen Ländern durchschnittlich mit 112 Milliarden Euro subventioniert. (Foto: isakarakus / pixabay.com, CC0 Creative Commons)
Entgegen den Versprechen der EU wurden fossile Energien zwischen 2014 und 2016 in mehreren europäischen Ländern durchschnittlich mit 112 Milliarden Euro subventioniert. (Foto: isakarakus / pixabay.com, CC0 Creative Commons)

Entgegen den Versprechen der EU wurden fossile Energieträger zwischen 2014 und 2016 in mehreren europäischen Ländern exzessiv subventioniert, zeigt ein aktueller Bericht. Allein der Verkehrssektor profitierte davon mit knapp 50 Milliarden Euro.

03.10.2017 – Sowohl die Produktion als auch der Verbrauch fossiler Energieträger wurden in den letzten Jahren in Europa wieder massiv subventioniert. Dabei hatte die EU eigentlich versprochen, bis 2020 die umweltschädlichen Subventionen zu beenden. Insgesamt wurden zwischen 2014 und 2016 jedoch trotzdem fossile Subventionen in Höhe von über 112 Milliarden Euro pro Jahr vergeben, zeigt eine aktuelle Studie. Diese wurde in der vergangenen Woche vom Climate Action Network (CAN) Europa zusammen mit dem Overseas Development Institute (ODI) und Green Budget Germany veröffentlicht. Die Autoren haben darin Subventionen für fossile Energieträger durch elf europäische Länder und der EU zwischen 2014 und 2016 untersucht.

„Die schwere Luftverschmutzung in europäischen Städten und der Dieselskandal führen dazu, dass Regierungen unter Druck geraten, etwas zu tun“, erklärt Shelagh Whitley von ODI, Hauptautor der Studie. „Unsere Daten zeigen jedoch, dass gerade im Transportsektor enorme Subventionen für fossile Energien vergeben werden.“ So erhielt der Verkehrssektor etwa durch hohe Steuererleichterungen insgesamt über 49 Milliarden Euro.

Die Autoren der Studie haben sich außerdem mit der Rolle der EU-Kommission beschäftigt. Dabei stellten sie fest, dass zwischen 2014 und 2016 durchschnittlich Subventionen in Höhe von vier Milliarden Euro pro Jahr für fossile Energien durch den Haushalt, Fonds und öffentliche Banken vergeben wurden. Vor allem die angestiegene finanzielle Zuwendung für Gas sowie auch die Unterstützung für Kohlekraft seien besorgniserregend, so die Einschätzung von urgewald.

Subventionen unvereinbar mit Pariser Klimaabkommen

„Selbst wenn es sich um Gas handelt, wird die Nutzung fossiler Energien auf Jahrzehnte festgelegt“, warnt Regine Richter, Energieexpertin bei urgewald. „Das lässt sich nicht mit dem Pariser Klimaabkommen vereinen, das die EU und ihre Mitgliedsstaaten unterzeichnet haben.“

Allein in Deutschland seien in dem untersuchten Zeitraum Subventionen von über 33 Milliarden Euro in fossile Energien geflossen. Neben dem Verkehrssektor sowie die sogenannte Kohle- und Kapazitätsreserve seien auch die Steuernachlässe für energieintensive Unternehmen als besonders kritisch zu bewerten. Außerdem wurden durch Bürgschaften und KfW-Kredite Öl- und Gasprojekte sowie fossile Kraftwerke außerhalb der EU mit einer Summe von über zwei Milliarden Euro unterstützt. Darunter fallen zum Beispiel Raffinerien in Vietnam und Oman sowie Gaskraftwerke in Ägypten, der Türkei und den Philippinen. jk

   

Forum

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  1. Eitel Heck 08.10.2017, 15:39 Uhr
    Vergleich der Erntefaktoren( EROI) von Energieanlagen zur Bewertung der Effizienz dieser Energieanlagen:
    Photovoltaik(1,6mit Pufferung, 3,9 ohne Pufferung)
    Windkraft(3,9 mit Pufferung, 16 ohne Pufferung)
    Biomasse(3,5 mit Pufferung und ohne Pufferung)
    Solarthemiekraftwerke Sahara(9 mit Pufferung, 19 ohne Pufferung)
    Erdgaskraftwerke(28 mit Pufferung und ohne Pufferung)
    moderne Kohlekraftwerke( 30 mit Pufferung und ohne Pufferung)
    Laufwasserkraftwerke( 35 mit Pufferung und 49 ohne Pufferung)
    Kernkraftwerke mit Druckwasserreaktoren( 75 mit Pufferung und ohne Pufferung)
    Dual Fluid Kernreaktor( 2.000 mit Pufferung und ohne Pufferung).
    Der EROI wird berechnet aus dem Verhältnis der gelieferten Exergie des Kraftwerkes zu Aufwendungen zum Bau, Instandhaltung und Außendienststellung benötigte Exergie( z.B.Exergie der Rohstoffkette).
    Vom Standpunkt der Effizienz betrachtet, sind Windkraft- und Photovoltaikanlagen( diffuse Sonneneinstrahlung in Deutschland 120W/kWh im Zeitmittel) mit konventionellen Kraftwerken nicht wettbewerbsfähig.
    Die Effizienz von Photovoltaik in Ländern mit guter Sonneneinstrahlung ist höher.
    In diesen Ländern gewinnen Solarthermiekraftwerke mit modernen Wärmespeichern zur Erzielung hoher Jahresstromvollllaststunden an Bedeutung( Marokko, China, USA, Australien).
  2. Eitel Heck 08.10.2017, 15:16 Uhr
    Die im letzten Beitrag genannten Stromkosten für Wind- und Solarstrom resultieren am niedrigen Anteil dieser Energien am Strom-Mix, eingebettet in der Stromerzeugung konventioneller Kraftwerke, die mit ihrer kontrollierten, kontinuierlichen Stromproduktion praktisch die fluktuierende Stromproduktion von Wind-und Solarstrom abfangen.
    Das ändert sich bei einem Anteil einer fluktuierenden Stromproduktion am Strom-Mix über 30-40%, wo Investitionen für Groß- und Langzeitspeicher für überschüssigen Strom erforderlich sind, die sich in erhöhten Stromkosten niederschlagen.
    Bei Kernkraftwerken ist zwischen unterschiedlichen Technologien zu unterscheiden.
    Das Kernkraftwerk Hinkley Point mit Druckwasserreaktor ist nicht mit den in Entwicklung befindlichen Kernreaktoren der 4. Generation oder dem Konzept des Dual Fluid Kernreaktor zu vergleichen.
    Der Dual Fluid Reaktor(DFR), wesentlich kleiner als Hinkley Point,
    mit sicherer Technologie kann im Unterschied zu Druckwasserreaktoren gegenwärtigen Atommüll als wertvollen Rohstoff zur Stromerzeugung nutzen,der gegenwärtig in geologischen Endlagern entsorgt werden muss, und die Stromerzeugung mit der Herstellung von chemischen Erzeugnissen koppeln, darunter Kraftstoffe, die bisher aus Erdöl hergestellt werden.
    Ein kommerzieller 1,5 GW DFR mit Anschaffungskosten pro Kraftwerksblock vergleichbar mit einem Kohlekraftwerk vermag Strom zu Preisen von 0,75 USct/ kWh und daruber hinaus Kraftstoffe und Wasserstoff zu produzieren.
    Dieses Konzept ist für Polen so attraktiv, dass beschlossen wurde, den DFR als 100 MW Testreaktor zu bauen.
    weitere Vorteile des DFR im Gegensatz zu Druckwasserreaktoren:
    keine Anreichung
    keine Aufbereitung
    kein nukleares Endlager
    sehr sichere Technologie
    Vergleich der Erntefaktoren(EROI) von Kraftwerken:
    Pufferung
  3. Rudolf Tarantik 04.10.2017, 16:33 Uhr
    Die höchsten Subventionen werden weltweit für die teuerste Form der Energiegewinnung, nämlich der Kernkraft ausgegeben. Das Kernkraftwerk Hinkley Point wird mit 11-28 Ct/KWh vergütet. Wind und Solarkraft liegt heute in Deutschland bei unter 6 Ct/KWh mit fallender Tendenz. Die finnischen Kernkraftwerke können nur mit extremer Zeitverzögerung und extremer Kostenexplosion (grundsätzlich üblich bei Grossprojekten) fertiggestellt werden. Diese Kraftwerke können eine notwendige Versicherung für Schadensfälle nicht abdecken. Die Rückbau und Ewigkeitskosten in ungeahnter Höhe fallen ebenso unter Subventionen.
  4. Rudolf Tarantik 04.10.2017, 16:33 Uhr
    Die höchsten Subventionen werden weltweit für die teuerste Form der Energiegewinnung, nämlich der Kernkraft ausgegeben. Das Kernkraftwerk Hinkley Point wird mit 11-28 Ct/KWh vergütet. Wind und Solarkraft liegt heute in Deutschland bei unter 6 Ct/KWh mit fallender Tendenz. Die finnischen Kernkraftwerke können nur mit extremer Zeitverzögerung und extremer Kostenexplosion (grundsätzlich üblich bei Grossprojekten) fertiggestellt werden. Diese Kraftwerke können eine notwendige Versicherung für Schadensfälle nicht abdecken. Die Rückbau und Ewigkeitskosten in ungeahnter Höhe fallen ebenso unter Subventionen.
  5. Eitel Heck 03.10.2017, 17:06 Uhr
    1.Die EU-Kommission bereitet Regeln für staatliche Beihilfen im Energiebereich vor.
    Der Entwurf der neuen Regeln sieht Einschränkungen zur Förderung der Erneuerbaren Energien und ermöglicht Subventionen für den Neubau von Kernkraftwerken.
    2.Finnland, das 66% der Kohle aus Rußland importiert, plant bis 2030 die Kohleenergie abzuschaffen.
    Um die dadurch entstehende Energielücke zu schließen, muss Finnland die Energiemengen aus anderen Brennstoffquellen erhöhen,unter anderem durch die Kernenergie.In den Jahren 2018 und 2024 sollen zwei neue Kernreaktoren ans Netz gehen.
    3.Auch Polen plant die Kohleabhängigkeit der Energieerzeugung zu beenden und die Energielücke durch Neubau von Kernkraftwerken zu schließen.
    Polen will beispielsweise den Dual Fluid Kernreaktor( deutsches Patent) als Testreaktor bauen mit 100 MW Stromleistung.
    Mit diesem neuen Kernreaktor sollen außerdem neben der Stromerzeugung Kohlenwasserstoffe, die bisher aus Erdöl hergestellt werden, und Wasserstoff produziert werden.
    Das Einzigartige des Dual Fluid Reaktor-Konzeptes ist, dass durch die im Kernspaltprozess entstehende Temperatur von ca. 1.000° Celsius zur Herstellung von chemischen Synthesen genutzt werden kann.

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