04.07.2012

Atomausstieg beeinflusst Strompreise kaum

Website des Ökostromanbieters naturstrom

Der Atomausstieg führt nicht notwendigerweise zu höheren Preisen, vorausgesetzt der Stromverbrauch steigt nicht an – zu diesem Schluss kommt eine Studie, die Greenpeace beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Auftrag gegeben hat.

03.07.2012 – Die Entscheidung über den Ausstieg aus der Atomenergie hat in Deutschland und ganz Europa zu einer breiten Debatte über die Strompreise, die Auswirklungen auf die Klimaschutzziele und die Verlagerung von Investitionen auf andere Technologien geführt. In der von Greenpeace beauftragen Studie untersucht das DIW deshalb, wie sich der Atomausstieg auf die Strompreise, den Klimaschutz und die Kraftwerksinvestitionen in Deutschland und Europa auswirken könnte. Die Studie will fundierte Aussagen über langfristige Effekte liefern und vergleicht mithilfe eines Strommarktmodells die Strompreisentwicklung, die CO2-Emissionen und die Investitionswirklungen für zwei verschiedene politische Entscheidungen: die 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung und den seit 2011 geltenden Atomausstieg.
Fazit der Untersuchung: Die Großhandelsstrompreise werden durch den Atomausstieg nur minimal steigen. Entscheidend für diese Entwicklung wäre aber eine wirkungsvolle Effizienzpolitik, die den Energieverbrauch auf dem bisherigen Niveau hält. In diesem Fall könnten die restlichen vorhandenen Kraftwerke die Nachfrage überwiegend befriedigen, so die Berechnungen des DIW. Der Ausbau Erneuerbarer Energien hätte zudem preisdämpfende Effekte und würde dafür sorgen, dass sich die Strombörsenpreise trotz steigender Gas- und Kohlepreise kaum erhöhen würden. „Wenn die Strompreise steigen, ist nicht der Atommausstieg der Sündenbock“, so Niklas Schinerl, Energieexperte von Greenpeace auf der heutigen Pressekonferenz in Berlin, „sondern Wirtschaftsminister Rösler, der die Energieeffizienz blockiert.“ In Deutschland, so Claudia Kemfert, Leiterin des Bereichs Energie am DIW und Mitautorin der Studie, werden keinerlei Anreize zur Energieeinsparung gesetzt, sondern im Gegenteil werde hoher Energieverbrauch noch belohnt.
Im Jahr 2020 koste die Kilowattstunde Großhandelsstrom 5,1 Cent, und das trotz Atomausstieg – wenn sich gleichzeitig der Stromverbrauch stabilisiert und der Emissionshandel schwach bleibt, erläuterte der Autor der DIW-Studie, Thure Traber. Zu genau dem gleichen Preis kommt das DIW bei einer Laufzeitverlängerung ohne begleitende Effizienzmaßnahmen. Für das Jahr 2030 deute sich sogar ein Preisvorteil des Atomausstiegs an: Flankiert von Stromsparmaßnahmen werde die Kilowattstunde 6,5 Cent kosten, während der Preis bei weiter laufenden Atomkraftwerken und fehlender Energieeffizienz bei 7 Cent liege.
Um für Deutschland das Klimaschutzziel von 40 Prozent weniger CO2-Emissionen zu erreichen, muss der Stromsektor nahezu 50 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen. Bleiben die Atomkraftwerke abgeschaltet, so Kemfert, könne das nur mit einem funktionierenden europäischen Emissionshandel gelingen. Hier müsse die EU noch einiges verbessern. Denn damit würden die Investitionen in Kohlekraftwerke unattraktiv und emissionsärmere Gaskraftwerke begünstigt. Wenn ein wirkungsvoller Emissionshandel mit einer erfolgreichen Effizienzpolitik kombiniert wird, reduzieren sich die Emissionen im Stromsektor um 48 Prozent im Jahr 2020 und 64 Prozent im Jahr 2030, laut Berechnungen der Studie. red

   

Forum

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  1. Eitel Heck 30.04.2017, 21:31 Uhr
    Die Aussage der Studie des DIW,dass durch den Atomausstieg die Strompreise nicht steigen, ist aus meiner Sicht nicht mit Aufwendungen für erforderliche Investitionen untersetzt.
    Wenn Atomkraftwerke abgeschaltet werden, sind 4 Stromautobahnen von Norden nach Süden mit einer Leistung von je 2 Gigawatt, locker die Leistung eines Atomkraftwerkes, geplant.
    Das Gesamtvolumen der Investitionen für den Netzausbau beträgt bis 2030 ca.17 Mrd. EURO und bis 2035 22 Mrd. EURO.
    Gemäß Urteil des Bundesverfassungsgerichtes sind die Atomkonzerne angemessen zu entschädigen(ca.19 Mrd.EURO).Der Ausstieg aus der Kernenergie(Demontage und Atommüllentsorgung) kostet 29 Mrd.EURO, schlimmstenfalls 77 Mrd.EURO.
    Die Investitionsaufwendungen zur Speicherung des überschüssigen Stroms als Voraussetzung für den Ausbau des Windstroms anstelle Kernenergie liegen noch nicht vor.
    Im Internet ist veröffentlicht, dass bei Steigerung von Wind- und Solarstrom im Strommix von 30% auf 40% der Neubau von 900 Pumpspeicherwerken notwendig ist.Deutschland verfügt über 35 Pumpspeicherwerke.
    Auch bei anderen Stromspeichertechnologien sind Investitionen erforderlich, die noch nicht bewertet wurden.
    Beispielsweise:
    Power to Gas-Technologie: Bau von Elektolyseanlagen zur Wasserstoffherstellung und Anlagen zur Methanherstellung.
    Investitionen für Betonkugelspeicher, Druckluftspeicher und Redox Flow Batterien, deren Investitionsaufwendungen noch völlig ungeklärt sind.
    Ich schlage vor, die Auswirkungen der Stromkostenentwicklung durch den Atomausstieg anstelle der Studie des DIW beim Ifo Institut München, Professor Sinn, zu erfragen.

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