BDI positioniert sich zum Klimaschutz neu

Für energieintensive Unternehmen sollten laut dem BDI international vergleichbare Bedingungen bestehen. Bis das nicht erfüllt sei, müsse man sie auch weiterhin von ihren „klimapolitisch bedingten Zusatzlasten“ befreien. (Foto: jarmoluk / pixabay.com, CC0 Creative Commons)
Für energieintensive Unternehmen sollten laut dem BDI international vergleichbare Bedingungen bestehen. Bis das nicht erfüllt sei, müsse man sie auch weiterhin von ihren „klimapolitisch bedingten Zusatzlasten“ befreien. (Foto: jarmoluk / pixabay.com, CC0 Creative Commons)

Eine CO2-Reduktion von 80 Prozent sei bis 2050 machbar und stärke die Wirtschaft, so das Ergebnis einer Studie vom Bundesverband der Deutschen Industrie. Umweltverbände begrüßen den Vorstoß, sehen aber in einigen Punkten noch Verbesserungspotenzial.

20.01.2018 – „Klimaschutz braucht einen Investitionsturbo“, lautet das Fazit einer kürzlich veröffentlichten Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Die Einhaltung des deutschen Klimaschutzplans sei demnach aus technischer und ökonomischer Sicht durchaus machbar. Auch wenn der BDI bis 2050 nur eine Reduktion der Treibhausgase um 80 Prozent fordert, positioniert er sich als die „Stimme der Industrie“ mit seinem Papier neu. Entsprechend positiv fallen deshalb auch die Reaktionen mehrerer Umweltverbände aus.

Trotzdem offenbart die von der Boston Consulting Group sowie Prognos angefertigte Studie auch Schwächen. So fehlt an einigen Stellen immer noch der Mut, die alten fossilen Verhaltensmuster endgültig abzulegen. Nach wie vor drückt sich der BDI um das Thema eines schnellen Kohleausstiegs, den die Bundesrepublik für die Erreichung der Klimaziele jedoch zwingend bräuchte.

Außerdem sollen für energieintensive Unternehmen zwingend international vergleichbare Bedingungen bestehen, so der BDI. Bis das nicht erfüllt sei, müsse man sie auch weiterhin von ihren „klimapolitisch bedingten Zusatzlasten“ befreien. Dann könne jedoch das 80-Prozent-Reduktionsziel ohne wirtschaftliche Einbußen erreicht werden – selbst im nationalen Alleingang. Damit blendet der BDI allerdings aus, dass Deutschland auch vorangehen und international eine Vorreiterrolle einnehmen könnte.

Klimaschutz rechnet sich für Deutschland

„Die Studie ist ein wertvoller Diskussionsbeitrag, weil der BDI deutlich macht, dass sich Klimaschutz für Deutschland rechnet“, sagt Michael Schäfer, Leiter des Fachbereichs Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. Nun müsse der BDI aber nachlegen und der Bundesregierung aufzeigen, mit welchen Maßnahmen der Industriesektor die Ziele des Klimaschutzplans am effizientesten erreichen kann.

Auch der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) begrüßt es, dass sich der BDI den Herausforderungen des Klimaschutzes stellt. „Die vorgestellte Studie zeigt, dass die in Paris vereinbarten Ziele sogar zu bezahlbaren Preisen erreichbar sind“, sagt der DNR-Präsident Kai Niebert. Es sei jedoch problematisch, dass der BDI das Klimaziel nur so lange unterstütze, wie andere Staaten ähnliche Pfade verfolgen. „Leider eiert das Lobbypapier an vielen Stellen herum, an anderen sieht man noch sehr deutlich die Handschrift der alten fossilen Mutlosigkeit“, betont Niebert. So werde weder ein schneller Kohleausstieg unterstützt, noch die 2030-Sektorziele aus dem Klimaschutzplan 2050 abgelehnt.

Damit in Deutschland aber auch tatsächlich der vom BDI geforderte „Investitionsturbo“ zünden kann, ist nun in erster Linie die Politik gefragt, um verlässliche und langfristig angelegte Rahmenbedingungen für die Industrie zu schaffen. Dabei wäre laut dem WWF ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz ein wichtiger erster Schritt. Außerdem bräuchte es für einen schnellen Wandel auch eine effektive CO2-Bepreisung. jk 

   

Forum

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  1. Eitel Heck 22.01.2018, 11:12 Uhr
    Zu Skodafahrer:
    Ich habe mit meinen Kommentar, die Forderungen des BDI-Präsidenten interpretiert, die ich gut finde.
    Ich finde es auch gut, dass hier im Portal Forderungen vorgestellt werden, die nicht der Politik von Bündnis 90/ Die Grünen entsprechen.
    Der BDI-Präsident ist gegen Technologieverbot und fordert Technologiedurchbrüche in der Wasserstoffwirtschaft und in der CCS-Technologie.
    Mit den Forderungen des BDI-Präsidenten sehe ich mich mit meinen vielen Kommentaren in diesem Portal bestätigt.
    Der wesentliche innovative Bestandteil der Wasserstoffwirtschaft ist die Wasserstoff-Brennstoffzelle, deren Forschung in Deutschland gefördert wird.
    Toyota hat als weltweit erster Autohersteller die Serienproduktion eines Autos mit Wasserstoff-Brennstoffzellen aufgenommen( Toyota Mirai).
    Japan plant den Bau von Wasserstoff-Brennstoffzellenkraftwerken bis 2030 zum Ausstieg aus den Kohlekraftwerken.
    Wasserstoff ist schlecht speicherbar,deshalb gewinnt die Methanol-Brennstoffzelle mit dem gut speicherbaren Methanol an Bedeutung.
    In dieser Brennstoffzelle wird das Methanol dann katalytisch in Wasserstoff und Kohlendioxid umgewandelt und der entstandene Wasserstoff wird als Energieträger katalytisch mit Sauerstoff zur Energieerzeugung umgesetzt.
    In der chemischen Industie entsteht Wasserstoff in vielen Prozessen auch als Nebenprodukt und entweicht vielfach ungenutzt gasförmig oder wird sogar abgefackelt.
    Das ist natürlich volkswirtschaftlich nicht vertretbar.
    Als Alternative zur Wasserstoff-Brennstoffzelle habe ich in diesem Portal die Hydrazin-Brennstoffzelle vorgestellt.
    Bei CCS ist Ihnen einen ein fachlicher Fehler unterlaufen, denn das Eisenerz wird nicht mit Wasserstoff zu Eisen reduziert.
    Die Roheisenherstellung erfolgt im Hochofen aus Eisenerz und Steinkohlenkoks, wobei CO2-Emission neben anderen umweltschädigenden Gasen entsteht.
    Zu den Kernreaktoren der 4. Generation verweise ich auf mehrere Kommentare von mir in diesem Portal.
    .
  2. Skodafahrer 21.01.2018, 14:03 Uhr
    Zu 1) Wasserstoffbrennstoffzellen für den Verkehr
    Die Energiedichte von Batterien steigert sich jedes Jahr, Batterien können an jeder Steckdose aufgeladen werden.
    Bei Wasserstoff braucht man aufwendige Infrastrukturen und kann keinen Reservekanister wie beim Verbrenner oder einen Schukostecker wie beim Elektroauto nutzen falls man leer gefahren hat. Batteriefahrzeuge sind teilweise heute schon kostengünstiger als Verbrenner.
    Ein Wasserstofffahrzeug ist im Prinzip ein Hybridfahrzeug bei dem der Verbrenner durch ein Brennstoffzelle ersetzt ist, daher sind die Wartungskosten eher noch höher als beim Verbrenner.
    Reichweiten wie beim Ottomotor sind mittelfristig mit Batterien in der Oberklasse erreichbar.

    Wasserstoff bietet Vorteile wenn man hohe Reichweiten erreichen will, wie raketenantrieber, Flugverkehr oder Schifffahrt auf langen Strecken.
    Der Straßenverkehr ist in Zukunft mit Batterien oder Oberleitungen elektrifizierbar (Tesla und Siemens).

    2) CCS kann in der Stahlindustrie in Zukunft nützlich sein, wenn man das Eisenerz nicht mit Wasserstoff zu Eisen reduziert.

    3) Von den Kernreaktoren der 4. Generation halte ich wenig.
    Wer soll die Kraftwerke bauen?, es gibt keine erfahrenen Gesamtplaner mehr.
    Denn die Gesamtplaner der deutschen Kernkraftwerke begannen in den 70er Jahren bei AEG oder Siemens und sind entweder in Rente oder schon gestorben. In Frankreich sieht es nur wenig besser aus. Es wird in Zukunft wohl nur noch dort Kernkraftwerke in Europa geben, wo man das Plutionium für militärische Zwecke nutzen will.
  3. Eitel Heck 21.01.2018, 12:36 Uhr
    Dem Artikel stimme ich voll zu.
    Wenn die Studie des BDI genau studiert wird, dann ist zu schlussfolgern, dass ein ökonomisch sinnvolles Umsteuern der deutschen Energiewende notwendig ist.
    Der BDI Präsident Kempf warnt die deutsche Politik vor Alleingängen in der Energie- und Klimapolitik.
    Es muss darum gehen, auf internationale Zusammenarbeit, Effizienz und kostengünstige Lösungen zu setzen.
    Die CO2-Reduzierung bis 2050 um 80% ist machbar.
    Der BDI Präsident weist darauf hin, dass unflexible Sektorziele, Technologieverbot oder planwirtschaftliche Instrumente der falsche Weg sind.Die Deutsche Klimaschutz- und Energiepolitik befindet sich in einem gefährlichen Schlingerkurs.
    Technologiedurchbrüche müssen beispielsweise in der Wasserstoffwirtschaft oder in der CCS-Technologie erreicht werden.
    1.Wasserstoffwirtschaft
    In der Wasserstoff-Brennstoffzellen-Technolgie für den Verkehr(Serienprodution von Toyota) und der Stromerzeugung(Japan plant den Bau von Wasserstoffkraftwerken zum Ausstieg aus Kohlekraftwerken bis 2030) sind andere Länder weiter.
    2.CCS-Technologie
    Mit der CCS-Technologie kann nicht nur die CO2-Emission in Kohle-,Gas-und Biomasse/Biogaskraftwerken deutlich reduziert werden, sondern es ist die einzige Technologie, um die CO2-Emission in der CO2-intensiven Industrie( Stahl,Zement, Aluminium, Petrochemie) um 80 Mio Tonnen pro Jahr zu reduzieren.
    3.BDI- Hinweis auf Technologieverbote
    Die in 12 Industrieländern entwickelten Kernreaktoren der 4. Generation, die Atommüll der Endlager zur Stromerzeugung nutzen und die Stromerzeugung zur Herstellung von Chemieprodukten( Kraftstoffe, Wasserstoff) und zur Wärmerzeugung koppeln können, müssen auch in Deutschland eine Chance haben.
    Der Weltklimarat IPCC und die Internationale Energieagentur IEA betrachten diese Kernenergie sogar als möglichen Bestandteil einer globalen Strategie, zur Sicherung der Klimaziele.

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