CO2 im Ausverkauf

Foto: Daniel Bleyenberg / pixelio.de
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Nicht nur fossile Rohstoffe wie Öl oder Kohle werden an der Börse gehandelt – auch CO2-Emissionen haben ihren Preis. Das Handelsvolumen von CO2-Gutschriften ist gestiegen, doch die kriselnde Wirtschaft hat Nachfrage und Preis schrumpfen lassen.

03.09.2012 – So bringt der Handel mit CO2-Emissionen mitunter makabre Ideen hervor: Die Nachricht ging um die Welt, dass Australien im Kampf gegen den Klimawandel Hunderttausende wilde Kamele töten lassen will und dabei plant, für jedes getötete Tier CO2-Zertifikate auszugeben. Die Idee stammt von dem findigen Unternehmer Tim Moore, dessen Firma Northwest Carbon in Adelaide mit Verschmutzungszertifikaten handeln will. Kamele sollen im Jahr rund 45 Kilogramm Methan ausstoßen. Das entspricht etwa einer Tonne Kohlendioxid, da Methan 21-mal klimawirksamer ist als CO2. In einem Regierungsregister soll nun festgelegt werden, für welche Handlungen Emissionszertifikate vergeben werden; bis spätestens Ende des Jahres wird dann entscheiden, ob das Töten von Kamelen dazu gehört.

Australien braucht die Emissionszertifikate dringend. Das Land hat wegen seiner großen Bergwerksindustrie einen der weltweit höchsten Luftverschmutzungswerte pro Kopf, hat sich aber auch international verpflichtet, seine Emissionen zu reduzieren. Seit Juli 2012 erhebt das Land deshalb auch eine CO2-Steuer, die im Jahr 2015 in ein Emissionshandelssystem übergeführt werden soll. Ebenso haben Südkorea und Kalifornien die Einführung eines Zertifikatehandels beschlossen. China, größter Emittent von Treibhausgasen weltweit, plant regionale Emissionshandelssysteme ab 2015. Momentan werden weltweit über 30 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in die Atmosphäre emittiert.

Den umfangreichsten CO2-Markt betreibt die EU, mit einem Anteil von über 10 Prozent an den globalen CO2-Emissionen. Bereits 2005 wurde das sogenannte EU Emission Trading Scheme (EU-ETS) eingeführt, das rund die Hälfte des Kohlendioxid-Ausstoßes der EU umfasst. Kohle- und Stahlkraftwerke oder Ölraffinerien in 30 europäischen Ländern sind dem EU-ETS unterstellt, und seit diesem Jahr sind auch Fluggesellschaften dabei. Den Unternehmen wird eine gewisse Menge Emissionszertifikate zugeteilt – wer darüber hinaus emittieren will, muss sich Gutschriften am Markt beschaffen.

Der klimapolitische Deckel (Cap) legt nun fest, wie viele Tonnen CO2 jährlich von den an das EU-ETS angeschlossenen Unternehmen emittiert werden darf. Die Menge von 2,04 Mrd. Tonnen, welche die EU für 2013 festgelegt hat, soll dann bis zum Jahr 2020 jährlich um 37,5 Mio. Tonnen reduziert werden. Die im Kyoto-Protokoll geregelten Certified Emission Reductions (CER) sind wiederum Gutschriften, die Staaten oder Unternehmen erhalten die emissionsmindernde Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern durchführen.

Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Preise für eine Tonne CO2 in den letzten drei Jahren stark gefallen, Emittenten können sich relativ günstig mit CO2-Gutschriften eindecken. Der Preisverfall ist auf die gesunkene Nachfrage zurückzuführen. Das niederländische Forschungsinstitut PBL stellte in einer Studie fest, dass der Kohlendioxidausstoß der europäi-schen Unternehmen im Jahr 2010 noch um drei Prozent gestiegen war, während er im vergangenen Jahr um rund zwei Prozent gefallen ist. Neben konjunkturellen Gründen spielt auch die jeweilige Wettersituation des Jahres eine Rolle, wenn etwa in einem eher milden Winter der Brennstoffverbrauch maßvoll ist.
Der tiefe CO2-Preis sorgt nun für Unruhe; Experten befürchten, dass dies den Anreiz mindern könnte, in alternative Energien zu investieren, die die Emissionen nicht nur kurzfristig, sondern auch wirklich dauerhaft senken würden. Nicole Allé

   

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