French Atom Connection: Areva baut in China

Emmanuel Macron auf dem französisch-chinesischen Wirtschaftsgipfel 2015 in Toulouse. Die Handelsbeziehungen zwischen Frankreich und China liefen in den letzten Jahren eher schleppend, der französische Präsident Macron will das nun ändern – und setzt dabei auch auf Atomkraft. (Foto: Pablo Tupin-Noriega - Eget arbejde , CC BY-SA 4.0)

Frankreichs Präsident Macron hat bei seinem Besuch in China eine verstärkte Zusammenarbeit hinsichtlich Atomtechnologie vereinbart. Der französische Atomkonzern Areva plant den Bau einer ersten Anlage zur Wiederaufbereitung von Atommüll in China.

12.01.2017 – Frankreichs Atomlobby kann zufrieden sein: Für sie hat Macron in China lukrative Projekte angeschoben. Bislang geht aus einer Absichtserklärung, die im Beisein Macrons und Chinas Staatschef Xi Jinping unterzeichnet wurde laut Medienberichten hervor, dass der Bau einer Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll durch Areva voraussichtlich 2020 beginnen solle. Der Standort für den Bau der Anlage sei allerdings noch nicht geklärt. Vorgesehen war die Küstenstadt Lianyungang im Nordosten Chinas, doch hatte es dort Demonstrationen gegeben.

Beide Staaten haben im Kommuniqué zudem eine engere Zusammenarbeit beim Bau neuer Atomkraftwerke des modernen EPR-Typs (Europäischer Druckwasserreaktor) vereinbart. China hat derzeit 38 Atomreaktoren in Betrieb, und noch etliche neue sind geplant.

Im Süden Chinas, in Taishan, soll ein vom französischen Energiekonzern EDF errichteter EPR-Reaktor laut Ankündigung des französischen Präsidenten in etwa einem halben Jahr ans Netz gehen. Das wäre dann der erste Reaktor des Typ EPR weltweit der in Betrieb ginge – noch vor den Baustellen im französischen Flamanville und in Finnland. Dort sind die Bauarbeiten des neuesten und angeblich sichersten Kraftwerkstyps mächtig aus dem Ruder gelaufen – mit Verspätungen, Sicherheitspannen und erheblichen Mehrkosten.

Auch in Großbritannien haben beide Länder ihre Atomfinger im Spiel, beim ebenfalls hoch umstrittenen Meiler Hinkley Point C, bei dem die Kosten und schon die zukünftigen Folgekosten quasi explodieren. Beim dort von der französischen EDF geplanten Erweiterungsbau des Kernkraftwerks ist China (CGN) finanziell beteiligt und hat gegenüber Frankreich nun geäußert, dass man auch technisch am Bau des Reaktors beteiligt werden wolle. na

   

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  1. Eitel Heck 16.01.2018, 17:37 Uhr
    Herr Tarantik, Ihre Bewertung unterschiedlicher Technologie der Kernenergie ist vom technisch-ökonomischen Standpunkt nicht nachzuvollziehen.
    Die Bedeutung der Kernergie ist gut beschieben im Link
    http://www.spektrum.de/news/kernkraftwerke-der-zukunft/1527265
    Daraus ist zu erkennen, dass die Nutzung von Atommüll aus geologischen Endlagern zur Energieerzeugung nicht Jahrzehnte, sondern bereits Ende der 2020-er Jahre erfolgen wird.
    Der Minireaktor in Kanada, ein Reaktor der 4.Generation, wird in diesem Zeitraum in Betrieb gehen.
    Ich verbreite keine Phantasien, wie Sie aus dem Link entnehmen können.
    Die Kernreaktoren der 4.Generation bieten außerdem die Möglichkeit, die Stromerzeugung mit der Herstellung von chemischen Erzeugnissen, darunter Kraftstoffe wie Benzin, Wasserstoff und zur Wärmeerzeugung zu koppeln.
    Diese hohe Effizienz, die andere Kraftwerke, darunter auch Windkraftanlagen und Photovoltaik, nicht bieten, ermöglicht die Stromproduktion zu niedrigen Kosten.
    Zu den Kosten hatte ich bereits beim Dual Fluid Reaktor Angaben in diesem Portal gemacht und möchte mich nicht wiederholen.
    Die Reaktoren der 4.Generation werden in Zusammenarbeit von 12 Industrieländern entwickelt.
    Hinter der Entwicklung stehen anerkannte Wissenschaftler.
    Neu ist, das am KIT Karlsruhe Entwicklungsarbeiten zum Thorium-Flüssigsalzreaktor, auch ein Reaktor der 4.Generation, mit Fördermitteln des Bundeswirtschaftsministeriums und der EU durchgeführt werden.
    Daraus ist zu erkennen, dass Entscheidungsträger in Deutschland die Bedeutung der Neuentwicklungen der Kernenergie erkannt haben und damit ein Umdenken zur Kernenergie erfolgt.
    Wichtiger Hinweis an Sie, Herr Tarantik:
    Der Weltklimarat IPCC und die Internationale Energieagentur IEA sehen die Kernenergie sogar als möglichen Bestandteil einer globalen Strategie, um die Klimaerwärmung unter das
    Zwei-Grad-Ziel zu drücken.
  2. Rudolf Tarantik 16.01.2018, 10:06 Uhr
    1. Was Sie, Herr Heck, über Wasserkraft erzählen, ist definitiv keine Neuigkeit.
    2. Wenn man grundsätzlich keine Rücksicht auf Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung nimmt, dann kann man Kernkraftwerke billiger bauen. Genauso bei Kohlekraftwerken, keine Filter usw. und alles wird furchtbar billig.
    Existierende, bereits abgeschriebene, langsam marode werdende Kernkraftwerke können logischerweise ganz billig Strom produzieren. Allerdings steigen mit zunehmendem Alter die Reparaturkosten sehr stark an. Für jede Technik gibt es einen Break Even Point, an dem sich die Reparaturkosten nicht mehr lohnen. Die Kernkraftwerke werden also ihr betriebswirtschaftliches Ende erreichen, falls sie nicht vorher unerwartet, evtl. explosiv zu Schrott werden.
    Atommüllverwertungs-Phantasien die noch Jahrzehnte dauern können, lösen keine heute anfallenden Probleme.
  3. Eitel Heck 15.01.2018, 12:50 Uhr
    Zu den Gegenkommentaren:
    1.Wasserkraftwerke
    "Dass Staaten mit Wasserkraftwerken gegenüber eneuerbaren Energien im Vorteil sind ist keine Neuigkeit.
    Mein Standpunkt:
    Wasserkraftwerke sind auch erneuerbare Energien mit kontinuierlicher, grundlastfähiger Stromerzeugung.
    Probleme bei Wasserkraftwerken, wer kann baut Pumpspeicherwerke.
    Mein Standpunkt:
    Pumspeicherwerke sind eine Variante eines Wasserkraftwerkes, dass überschüssigen Strom speichert und Strom als Wasserkraftwerk erzeugt.
    2. Zu Atomkraftwerken,
    -Wenn Atomstrom so teuer ist,warum
    -werden weltweit gegenwärtig 39 Kernkraftwerke gebaut,
    betragen die Stromkosten von Frankreich, bei 72,8% Kernenergie am Strom-Mix nur die Hälfte der Stromkosten von Deutschland.
    -Die Entscheidung zur Zukunft der Atomenergie sollte man schon Frankreich überlassen.
    Jedenfalls ist weltweit ein Boom zum Bau von Atomkraftwerken festzustellen.
    Mit dem Ausstieg aus den Atomkraftwerken steht Deutschland allein da, obwohl die deutschen Atomkraftwerke einen hohen Sicherheitsstandard haben.
    Selbst Saudi-Arabien, ein Eldorado für die Nutzung von Sonnenenergie will Atomkraftwerke bauen.
    Fakt ist, dass Organisationen wie der Weltklimarat IPCC oder die internationale Energieagentur IEA die Atomenergie sogar als möglichen Bestandteil einer globalen Strategie betrachten, um die Klimaerwärmung unter das Zwei-Grad-Ziel zu drücken.
    Zur Frage Atomüll:
    -Die in Entwicklung befindlichen Kernreaktoren der 4.Generation können den Atommüll aus den geologischen Endlagern zur Stromerzeugung nutzen, da sie gegenüber den derzeitigen Kernkraftwerke Flüssigbrennstoff und andere Kühlmittel einsetzen, die eine vollständige Kernspaltung aller Transurane und Aktinide ermöglichen und zur Entsorgung der Endlager beitragen können.
    Außerdem können sie die Stromerzeugung mit der Herstellung von chemischen Produkten oder zur Wärmeerzeugung koppeln.
    Ein Umdenken findet in Deutschland statt, denn das KIT führt F/E-Arbeiten durch.
  4. heinbloed 12.01.2018, 23:14 Uhr

    Es handelt sich um das x-te MOU (memorandum of understanding) das versch. Politfiguren immer wieder abgegeben haben:

    https://uk.finance.yahoo.com/news/close-yet-far-china-deal-elusive-frances-areva-133945857--finance.html

    Areva hat keine Ahnung wie eine Aufbereitungsanlage finanziert oder gar betrieben wird, die eigene in LaHague steht vor der Schliessung da der Absatz fuer MOX mit der Schliessung der 900MW-Reaktoren in Frankreich auf Null zurueck geht.
    Weltweit - nicht mal in China - gibt es dann keinen Kunden mehr:

    https://www.lesechos.fr/industrie-services/energie-environnement/0301083164385-areva-un-conflit-social-met-a-larret-lusine-de-la-hague-2141989.php

    Der Muell wurde kurzerhand in den
    Duenen bei LaHague vergraben, fuer eine Rueckholung oder gar Endlagerung war nie Geld beiseite gelegt worden.

    Das kann man in China auch, dafuer braucht es keine Ratschlaege von Verbrechern.

    AREVA ist PLEITE (falls das noch keiner in der TRedaktion mitbekommen hat).
  5. Florian 12.01.2018, 20:42 Uhr
    Zu Ihrem Loblied auf die Atomkraft, auch Frankreichs Zukunft wird bei den erneuerbaren Energien und einem geringeren Atomstrom Anteil liegen, schon aus Kostengründen. Die Baukosten des EPR in Flamanville explodieren geradezu, der EPR wird es hinsichtlich Strom Gestehungskosten im Vergleich zu erneuerbaren Energien schwer haben. In Zukunft werden auch in Frankreich mehr Atomkraftwerke abgeschaltet als neue gebaut werden. Eine Diversifizierung bei der Stromerzeugung wird das Stromnetz Frankreichs robuster machen, gerade im Sommer haben die Atomkraftwerke ein Problem bei der Kühlung mit Flusswasser.

    Das Staaten die große Potentiale bei der Wasserkraft haben hinsichtlich erneuerbaren Energien im Vorteil sind ist keine Neuigkeit. Aber zu einseitig auf Wasserkraft zu setzen kann in Trockenzeiten auch Probleme machen, Uruguay hat da ein großes Problem und setzt nun gerade eben auch auf andere erneuerbare volatile Energien. Auch die Schweiz hatte hier schon Probleme, wer kann baut daher Pumpspeicherwerke.

    Zu einer fachkompetenten Diskussion und einer Gegenüberstellung der Atomkraft zu den Erneuerbaren Energien gehört eine Vollkosten Betrachtung bis zur kompletten Übernahme der Kosten für Rückbau und die Endlagerung. Faule Kompromisse wie diese derzeit stattfinden bei denen im wesentlichen der Steuerzahler die Kosten für die Endlagerung zu übernehmen hat sind nicht statthaft. Auch muss bei Minireaktoren der unverhältnismäßig große Aufwand für die Bewachung und Überwachung bedacht werden. Auch der Minireaktor in Norwegen lohnt sich nicht kommerziell und verdient sein Dasein nur wegen der Nutzung für Forschungszwecke. Ein schönes Beispiel ist der Atomkraftwerk Neubau Hinkley Point bei dem höhere Subventionen gewährt werden müssen als bei den derzeit teuersten erneuerbaren Energien.
  6. Eitel Heck 12.01.2018, 13:09 Uhr
    Frankreich erzeugt ca. 90% des Stroms ohne wesentliche CO2-Emission, darunter 72,8% Kernkraftwerke, 10% Wasserkraftwerke.
    Nur ca. 8% des Stroms wird durch Kohlekraftwerke erzeugt.
    Damit hat dieses Land eine sehr niedrige CO2-Emission bei der Stromerzeugung, von der Deutschland, das hierzulande als Vorreiter des Klimaschutzes bezeichnet wird, sehr weit entfernt ist.
    Folgende Länder, die sich auch nicht zu den Vorreitern des Klimaschutzes zählen, haben eine hohen Anteil von Wasserkraft-Ökostrom mit kontinuierlicher und nicht mit volatiler Stromerzeugung:
    Norwegen 98%
    Albanien 89%
    Island 68% + ca. 15% Geothermie
    Kroatien 63%
    Georgien 75%
    Myamar 73%
    Taiikistan 98%
    Laos 92%
    Neuseeland 56%
    Mocambique 100%
    Sambia, Togo, Äthiopien je 99%
    Paraquay 100%
    Uruquay 70%
    Koloumbien 67%
    Venezuela 61%
    Einige Industieländer zählen inhärent und passiv sichere Kernenergie auch zu den erneuerbaren Energien.
    Organisationen, wie der Weltklimarat IPCC oder die Internationale Energieagentur IEA sehen Kernenergie sogar als möglichen Bestandteil einer globalen Strategie , um die Klimaerwärmung unter das Zwei-Grad-Ziel zu drücken.
    Es wird Zeit, dass auch bei der Energiewende fachkompetent über neue, sichere und effiziente Technologien der Kernenergie, darunter Minireaktoren, und über die Gründe warum trotz Windkraft- und Photovoltaikausbau keine nennenswerte Fortschritte in der Reduzierung der CO2-Emission erzielt werden, nachgedacht wird.

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