Führende Ökonomen fordern CO2-Preis von 100 US-Dollar

Joseph E. Stiglitz ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und war bereits Chefökonom der Weltbank sowie Präsident der International Economic Association. Im Jahr 2001 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis. (Foto: Abhisit Vejjajiva / flickr.com, CC BY 2.0)
Joseph E. Stiglitz ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und war bereits Chefökonom der Weltbank sowie Präsident der International Economic Association. Im Jahr 2001 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis. (Foto: Abhisit Vejjajiva / flickr.com, CC BY 2.0)

Mit einem deutlichen Appell werben Top-Ökonomen für einen starken CO2-Preis, der auch langfristig den Klimaschutz vorantreiben kann. Eine ausgestoßene Tonne Kohlendioxid sollte demnach bis zu 100 US-Dollar kosten, so die Forderung der Wissenschaftler.

01.06.2016 – Neben Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz und ehemaligen Chefökonom der Weltbank Nicholas Stern fordern auch elf weitere Top-Ökonomen aus der ganzen Welt einen starken Preis für das Treibhausgas Kohlendioxid. Beim Think20-Gipfel in Berlin stellten die Wissenschaftler der „High-Level Commission on Carbon Prices“ ihren Report vor. Um die in Paris vereinbarten Klimaziele sowohl kosteneffizient als auch wachstumsfördernd erreichen zu können, müssten die knapp 200 Länder zügig entsprechende CO2-Preise einführen.

Unterstützt werden die Ökonomen von niemand geringeren als der Weltbankgruppe sowie der französischen Regierung. Als zukünftiges Ziel veranschlagen sie einen Preis pro emittierter Tonne Kohlendioxid zwischen 40 US-Dollar und 80 US-Dollar bis 2020, sowie 50-100 US-Dollar bis zum Jahr 2030. Damit fordern Wirtschaftswissenschaftler erstmals wissenschaftlich fundierte und realistische globale CO2-Preisspannen. Damit auch Entwicklungs- und Schwellenländer die daraus entstehenden Kosten stemmen können, wären Unterstützungen der G20-Staaten denkbar.

So gibt es zwar schon jetzt in einzelnen Ländern Systeme, die eine Bepreisung von CO2-Emissionen regeln, jedoch führen die meist noch nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Der europäische Emissionshandel dümpelt aufgrund eines Überangebots von Zertifikaten schon seit Jahren vor sich hin, der Preis ist permanent zu niedrig.

Wachstumsgeschichte dieses Jahrhunderts

„Der Übergang der Welt zu einer kohlenstoffarmen und klima-widerstandsfähigen Wirtschaft ist die Wachstumsgeschichte in diesem Jahrhundert“, sagen Stiglitz und Stern. „Wir sehen bereits das Potenzial, das diese Transformation in Bezug auf mehr Innovation, größere Stabilität, lebenswertere Städte, verbesserte Luftqualität und bessere Gesundheit haben kann.“

Ihr Bericht baue deshalb auf dem wachsenden Verständnis der Möglichkeiten der CO2-Preisgestaltung auf, um ein nachhaltiges Wachstum zu fördern und Armut zu bekämpfen. Das Pariser Klimaabkommen und die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung liefern dafür den Grundstein. jk

   

Forum

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  1. Eitel Heck 01.06.2017, 09:13 Uhr
    Wenn der USA-Präsident sich dem Pariser Klimaabkommen nicht anschliesst, muss er einen Grund haben.Er wird zur Klimapolitik sicherlich von Wissenschaftlern beraten.Die genauen Gründe zur gegenwärtigen USA-Klimapolitik wurden bisher nicht veröffentlicht.
    2013 betrug die CO2-Emission in Deutschland 1.000 Millionen Tonnen.Für mich ergibt sich die Frage, wie die einzelnen Produktionstechnologien neben Kohle-, Gas-und Biomassekraftwerken und dem Verkehr hinsichtlich des Anteils der CO2-Emission bewertet werden.
    Fakt ist:
    -Für den Ausbau von Windstrom werden riesige Mengen Stahl-und Beton verbaut. Sowohl die Herstellung von Roheisen aus Eisenerz und Steinkohlekoks als auch die Herstellung von Beton ist mit erheblicher CO2-Emission behaftet.
    Auch die Herstellung von Solarzellen in der Rohstoffkette aus Quarzsand und Steinkohlekoks ist mit CO2-Emission begleitet.
    In dieser Hinsicht erscheint es mir notwendig, alle erneuerbaren oder klimafreundlichen Energieerzeugungstechnologien hinsichtlich der CO2-Emission auch in der Rohstoffkette zu bewerten.
    -Wind- und Solaranlagen,
    -Wasserkraftwerke,
    -Geothermikraftwerke,
    -Biomassekraftwerke,
    -Gezeitenkraftwerke,
    -Wasserstoffkraftwerke mit Brennstoffzellen,
    -inhärend und passiv sicherer Dual Fluid Kernreaktor,
    Auch den Verkehr neu bewerten:
    -Kraftfahrzeuge mit Wasserstoff-Brennstoffzellen,
    -weitere Kraftstoffe ohne CO2-Emission, beispielsweise Hydrazin(Raketentreibstoff),
    -neue Batterien anstelle Lithium-Ionen Batterien( Auch die Lithium-Ionenherstellung über das Lithiumkarbonat ist mit CO2-Emission begleitet.
    Neben dem CO2 sind Methan(Erdgas) und Lachgas(N2O) als Treibhausgase noch wirksamer als CO2.
    Aus meiner Sicht muss in die Energiewende mehr Kreativität einziehen.
    Wenn einige hochentwickelte Industrieländer zur Erreichung der Klimaziele neben erneuerbaren Energien weiterhin auf Kernenergie setzen, müssen sie Gründe haben. Man kann die Kernenergie nicht einfach mit der Atomlobby abqualifizieren.

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Yannick Passeick
Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN)

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