Hamburg legt Rückwärtsgang bei der Energiewende ein

Das Steinkohlekraftwerk Moorburg im gleichnamigen Hamburger Stadtteil entstand seit 2007 am Standort des drei Jahre zuvor abgerissenen Gaskraftwerks. (Foto: Ajepbah / Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0 DE)
Das Steinkohlekraftwerk Moorburg im gleichnamigen Hamburger Stadtteil entstand seit 2007 am Standort des drei Jahre zuvor abgerissenen Gaskraftwerks. (Foto: Ajepbah / Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0 DE)

In Hamburg hat die Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern im Jahr 2016 um stolze 20 Prozent zugenommen. Mit einem Anteil von knapp fünf Prozent haben die Erneuerbaren Energien nur einen Bruchteil zur Stromerzeugung der Hansestadt beigetragen.

07.10.2017 – In Hamburg macht die Energiewende zurzeit Rückschritte. Die Menge des aus Kohle erzeugten Stroms ist im vergangenen Jahr gegenüber 2015 um stolze 1,5 Millionen Megawattstunden (MWh) angestiegen, teilte das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein am Mittwoch mit. Insgesamt habe die Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern um 20 Prozent zugenommen. Damit wurde 2016 in Hamburg mit 9,4 Millionen MWh und einem Anteil von 94,0 Prozent die überwiegende Menge der gesamten Stromerzeugung durch fossile Anlagen produziert.

Die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien ging hingegen deutlich zurück. So betrug der Anteil regenerativer Energiequellen insgesamt nur noch 4,6 Prozent. Die Stromerzeugung aus sonstigen Energieträgern und nicht biogenen Abfällen reduzierten sich ebenfalls auf unter zwei Prozent. Bei den Erneuerbaren lag die Biomasse mit einer Erzeugung von über 150.000 MWh vorne, gefolgt von der Windkraft mit knapp 90.000 MWh und Biogas mit über 76.000 MWh.

Mehr Kohle, weniger Erneuerbare

Bei den fossilen Energien legte vor allem die Kohleenergie kräftig zu. Gegenüber dem Vorjahr betrug die Stromerzeugung dort über 8,5 Millionen MWh und hatte damit einen Gesamtanteil von über 85 Prozent. Dieser Anstieg gehe vor allem auf das neue Kohlekraftwerk Moorburg zurück, das erst im November 2015 von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) offiziell eingeweiht wurde.

Im bundesweiten Vergleich bleibt die Hansestadt mit ihrem geringen Anteil Erneuerbarer Energien deutlich hinter anderen Bundesländern zurück. Im Vergleich mit den beiden anderen Stadtstaaten zeigt sich jedoch, dass der Anteil sogar noch geringer sein kann. So betrug der Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch in der Freien Hansestadt Bremen im Jahr 2014 zwar 13,7 Prozent, in der Bundeshauptstadt Berlin hingegen nur 2,2 Prozent. jk

   

Forum

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  1. horst müller 08.10.2017, 21:41 Uhr
    Da ist nicht Hamburg schuld, sondern jeder einzelne Hamburger, der nicht mit den ÖNV oder dem Fahrrad zur Arbeit fährt oder den Strom nicht selber mit PV erzeugt und für die Verschlechterung immer andere schuldig sieht. JEeder sollte sich an die eigne Nase packen und sich fragen, was er selber tun kann.
  2. Rudolf Tarantik 07.10.2017, 11:52 Uhr
    Und unsinnigerweise müssen für 34 Mrd. Euro HGÜ-Leitungen nach Bayern gebaut werden, damit dort der Windstrom aus Schleswig Holstein an ganz wenigen Tagen verwertet werden kann. Ein sehr krankes System.

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