Neue Datenbank prangert Kohlekonzerne an

Die neue Datenbank „Global Coal Exit List“ listet alle Unternehmen auf, die weltweit Kraftwerke bauen, Kohle fördern, damit handeln, verbrennen oder sie transportieren, wie hier im US-Bundesstaat Wyoming. (Foto: © David Brossard, CC BY-SA 2.0)
Die neue Datenbank „Global Coal Exit List“ listet alle Unternehmen auf, die weltweit Kraftwerke bauen, Kohle fördern, damit handeln, verbrennen oder sie transportieren, wie hier im US-Bundesstaat Wyoming. (Foto: © David Brossard, CC BY-SA 2.0)

Es soll ein Werkzeug gegen klimaschädliche Investitionen sein: Die neue Datenbank „Global Coal Exit List“ listet alle Unternehmen auf, die weltweit Kohle fördern, damit handeln, verbrennen oder Kraftwerke bauen. Sie soll besonders Investoren helfen.

13.11.2017 – Mehr als 770 Unternehmen hat die deutsche Umweltorganisation urgewald mit ihren Partnern zusammengetragen und Kennzahlen recherchiert. Herausgekommen ist die Datenbank Global Coal Exit List, kurz GCEL, samt Grafiken und Rankings zur globalen Kohleindustrie. Neu ist vor allem der Umfang. Die größten Kohlekonzerne und Bergbauunternehmen sind jedem bekannt, der sich ein wenig mit der Materie beschäftigt. Die Branche ist aber weit größer und undurchsichtiger als viele zunächst annehmen. „Es ist nicht immer leicht, Kohleunternehmen zu erkennen. Sie verstecken sich zum Teil hinter Namen wie Lemur Resources, Silver Unicorn Trading oder Africa China Sunlight Energy“, erklärte Heffa Schücking, Geschäftsführerin von urgewald. Sie stellte die Datenbank am Donnerstag auf der Klimakonferenz in Bonn vor.

Eine Liste für die Finanzindustrie

Das ist insbesondere für Banken, Versicherer und Investoren interessant, die nicht mehr in Kohlefirmen investieren wollen. Denn darauf zielt die Kohleliste ab: „Wir haben diese Datenbank entwickelt, um der Finanzindustrie eine übersichtliche Liste der größten Kohlefirmen zur Verfügung zu stellen, die sie nicht mehr finanzieren sollten“, sagte Schücking. Deshalb haben ihre Mitarbeiter Geschäftsberichte, Investorenpräsentationen und Webseiten der Unternehmen durchforstet. Die meisten Kohle-Unternehmen gibt es demnach mit 144 in China, gefolgt von Indien mit 95, den USA mit 92 und Australien mit 71. In Europa ist RWE der größte Betreiber von Kohlekraftwerken und zudem größter Braunkohleförderer der Welt.

Urgewald hat sich seit Jahren auf die Recherche von finanziellen Verstrickungen der Kohlebranche spezialisiert und liefert großen Investoren, Fonds, Versicherern und Banken gute Argumente, ihr Geld aus dem schmutzigen Geschäft abzuziehen. Einige große Erfolge konnten die Umweltschützer bereits verbuchen: Neben dem großen Versicherungskonzern Axa kündigte auch die Allianz als größer Versicherer der Welt einen Ausstieg aus der Kohlefinanzierung an. Der norwegische Staatsfonds – der größte staatliche Fonds der Welt – hat einen ähnlichen Beschluss gefasst.

Auch Kohle-Dienstleister im Visier

Die Global Coal Exit List soll es weiteren Unternehmen erleichtern, ihr Geld nicht mehr in Kohleprojekte und Firmen zu stecken – und es soll ihnen Druck machen, denn Ausreden gibt es nun nicht mehr. „Insgesamt machen die auf der GCEL gelisteten Unternehmen über 88 Prozent der weltweiten Kohleförderung und 86 Prozent der weltweiten Kohlekraftwerkskapazität aus“, erklärt urgewald. Hinzu kommen 233 sogenannte Kohle-Dienstleistungsunternehmen. Das Universum der kohlebasierten Geschäftsmodelle sei sehr vielfältig, betonte Schücking.

Dazu gehörten Unternehmen, deren Hauptgeschäftsfeld die Kohleförderung, die Kohleverarbeitung, die Herstellung von Spezialgerät für den Kohleabbau, der Transport oder der Handel mit Kohle, die Umwandlung von Kohle in Öl oder Gas, die Herstellung von Ausrüstung für Kohlekraftwerke und viele andere Aktivitäten entlang der Kohle-Wertschöpfungskette umfasst. „Diese Unternehmen sollten genauso wie Kohlebergbau- und Kohlekraftwerksfirmen kein Geld mehr aus der Finanzwirtschaft erhalten“, sagt sie. cw

   

Forum

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  1. Eitel Heck 13.11.2017, 13:24 Uhr
    Der Artikel ist aus meiner Sicht nicht aussagefähig.
    China, Indien, USA und Australien sind die größten Kohle-Unternehmen. RWE ist der größte Betreiber von Braunkohlekraftwerken.
    Diese Aussage muss differenziert bewertet werden.
    Beispielsweise China als großer Kohleförderer und Betreiber von Kohlekraftwerken hat wirkungsvolle Maßnamen zum Klimaschutz eingeleitet.
    -Ausstieg aus Kohlekraftwerken mit hoher Umweltbelastung,
    -Senkung der CO2-Emission von Kohlekraftwerken durch CCS-Technologie in Zusammenarbeit mit der Linde AG,
    -Entwicklung sicherer, klimafreundlicher und effizienter Kernreaktoren der 4. Generatoren.
    -Ausbau von Windkraftanlagen und Nutzung unbewohnter Standorte(Wüsten),
    -Ausbau der Solarenergie in sonnenreichen Regionen, darunter Bau des weltweit gößten Solarthermiekraftwerkes,
    -Ausbau von Wasser- und Geothermiekraftwerken,
    -Planung des weltweit größten Gezeitenkraftwerkes, das so viel Strom wie 2 Atomkraftwerke erzeugen soll.
    RWE ist zwar der größte Betreiber von Braunkohlekraftwerken.
    RWE ist in Zusammenarbeit mit der Linde AG sehr innovativ zur Entwicklung und Realisierung der CCS-Technologie zur Reduzierung der Kohlendioxidemission in Kohlekraftwerken.
    RWE betreibt in Niederaußen ein Pilotanlage zur CO2-Abscheidung.
    Die Entwicklungsergenisse sind erfolgversprechend.
    Die neue Generation von RWE-Braunkohlekraftwerken wird mit CCS-Technologie ausgestattet sein..

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