Unternehmen Klimaschutz

Foto: Fabrikhallen mit Windrädern im Hintergrund
Eigenstrompioniere: Gemüse Meyer produziert mit eigener Windenergie-, PV- und Biogas-Anlage Strom für seine Tiefkühlhäuser www.gemuese-meyer.de (Foto: © Gemüse Meyer / Fotograf: Dominik Willkommen)

In der Wirtschaft haben ökologische Themen und Nachhaltigkeitsaspekte in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Klimaschutz spielt für Unternehmen eine immer wichtigere Rolle. Doch viel zu oft wird ein größeres Engagement durch aktuelle politische Rahmenbedingungen verhindert.

18.11.2017 – Viele Unternehmen haben erkannt, dass der Wunsch nach umweltverträglichen Produkten in der Bevölkerung gewachsen ist und ihr Angebot dementsprechend erweitert. Doch immer mehr Firmen suchen auch darüber hinaus nach Möglichkeiten, eine größere ökologische Verantwortung zu übernehmen und das Thema der Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb voranzutreiben. So können Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz nicht mehr nur einem rein ökonomischen Kalkül geschuldet sein, sondern auch einer ökologischen Überzeugung.

Trotzdem klagen Unternehmen zunehmend, dass Ihnen wichtige politische Rahmenbedingungen für einen aktiveren Klimaschutz fehlen. Energiepolitische Entscheidungen haben an einigen Stellen sogar genau die falschen Anreize geschaffen. Dabei hat sich die deutsche Bundesregierung eigentlich zu ambitionierten Klimazielen verpflichtet. Doch anstatt die Wirtschaft aktiv zu beteiligen, bremst sie diese an vielen Stellen eher aus.

Klimaschutz ist bisher Pionierarbeit

Natürlich schadet sich die Wirtschaft auch langfristig selbst, wenn sie die Folgen des Klimawandels nicht aus eigenem Antrieb ausreichend beachtet. In einigen strategischen Ausrichtungen von Unternehmen ist diese Einsicht längst angekommen. Schließlich sind die Auswirkungen von Klimaveränderungen und die damit einhergehenden hohen Kosten in etlichen Ländern auf der Welt schon jetzt deutlich spürbar. Jedoch ist diese Erkenntnis in vielen Bereichen der Wirtschaft noch nicht vorgedrungen.

„Gerade die großen Unternehmen haben viel zu lange viel zu wenig gemacht und abgesehen von Umwelt-PR-Aktionen bisher eher gebremst“, sagt Katharina Reuter, Geschäftsführerin des Bundesverbands der grünen Wirtschaft UnternehmensGrün e.V. Insbesondere den Führungskräften sei das Umdenken schwer gefallen, weswegen sie oft eisern an fossilen Geschäftsmodellen festgehalten hätten. „Nur wenige Pioniere haben mit unternehmerischem Erfolg Klimaschutz als zentralen Punkt vorangetrieben“, so Reuter. Natürlich liege das oft daran, dass ein derartiger Umschwung mit hohen Anfangskosten verbunden ist, die sich schließlich auch erst einmal amortisieren müssen.

Energiewende ist von Unsicherheit geprägt

Jedoch ist für die Planungs- und Investitionssicherheit der Wirtschaft auch eine langfristig angelegte politische Ausrichtung der Energie- und Klimapolitik unerlässlich. Deshalb entsteht heutzutage immer häufiger das Phänomen, dass Firmen gerne ein höheres Maß an Eigenverantwortung wahrnehmen und den Klimawandel aktiver bekämpfen würden, ihnen aber die Rahmenbedingungen dafür fehlen. Teilweise sorgen politische Entscheidungen sogar dafür, dass bereits eingeschlagene Wege wieder eingerissen werden.

Aktuelles Beispiel ist hierfür die Energiepolitik der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Mit einem Politikwechsel von SPD und Bündnis 90/Die Grünen zu CDU und FDP wurde auch eine Kehrwende im Umgang mit den Erneuerbaren Energien vollzogen. Für diverse Unternehmen der Windenergie-Branche geht das mit erheblichen Verlusten und Arbeitsplatzabbau einher, da für die nächsten Jahre andere Produktionskapazitäten prognostiziert wurden.

Genau hier liegt auch das Problem für die Wirtschaft: die Energiewende ist zwar eigentlich politisch gewollt, allerdings nach wie vor von Unsicherheit geprägt. Je nach Wahlversprechen einzelner Parteien können langfristig ausgelegte Strategien damit schnell zunichte gemacht werden. Betroffen sind hiervon dann Wirtschaftsbereiche, die den Klimaschutz tatsächlich zu ihrem zentralen Unternehmensziel gemacht haben.

Unterstützung für Eigenstromversorgung Fehlanzeige

Deshalb hat UnternehmensGrün nun die politischen Rahmenbedingungen unterschiedlicher Parteien analysiert und untersucht, welche Unterstützung Unternehmen bei dem Aufbau einer Eigenstromversorgung erfahren. Diese kann nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern auch die Netzbetreiber beim Netzausbau durch eine höhere Dezentralität der Energieerzeugung entlasten. Kurzum: Eigenstrom ist für die Energiewende äußerst förderlich.

Umso erstaunlicher ist daher das Ergebnis der Untersuchung von UnternehmensGrün: Klimapolitisch engagierte Unternehmen werden von den meisten Parteien zurzeit kaum unterstützt. Dabei würden gerade diese Firmen einen Teil ihres Energiebedarfs mit eigenen regenerativen Erzeugungsanlagen decken und überschüssigen Strom in das Stromnetz einspeisen. Immerhin haben Die Grünen das Potenzial von Eigenstrom erkannt und in einem ersten Schritt die Ausweitung des Mieterstrommodells auf Quartiere und Gewerbebetriebe sowie die Streichung einer anteiligen EEG-Umlage für Eigenstrom gefordert.

EEG-Umlage für selbstverbrauchten Strom

Seit 2014 werden nämlich ab einer jährlichen Eigenstromversorgung von zehn Megawattstunden (MWh) satte 40 Prozent der EEG-Umlage fällig. Die Bundesnetzagentur rechtfertigt dies damit, dass zu hohe Preisvorteile von privilegierten Eigenversorgern durch höhere Zahlung aller übrigen Stromkunden ausgeglichen werden müssten. Da es für Industriebetriebe sowieso schon zahlreiche Ausnahmeregelungen gibt, soll dieses ohnehin schon bestehende Ungleichgewicht nicht noch weiter verstärkt werden.

Paradoxerweise gilt dies allerdings nur für Erneuerbare-Energie-Anlagen. Der Kraftwerkseigenverbrauch aus umweltschädlichen fossilen Energien ist gänzlich von der EEG-Umlage befreit. Bei einer Erzeugung von mehr als 20 MWh pro Jahr fallen zusätzlich auch noch Stromsteuer sowie Netzentgelte auf den eigenverbrauchten Strom an. Hierbei spielt es auch keine Rolle, ob der selbstverbrauchte Strom überhaupt durch die allgemeinen Stromnetze fließt.

Energierecht hemmt Eigenstromproduktion

All das führe in der Summe dazu, dass der Aufbau einer Eigenstromproduktion durch die aktuelle Gesetzeslage wirtschaftlich nicht mehr rentabel sei, urteilt UnternehmensGrün in seiner Analyse. Die hohen Anfangsinvestitionen rechnen sich oft nicht, weswegen die Unternehmen lieber gar kein Geld in den Bau eigener regenerativer Erzeugungsanlagen investieren. Die finanziellen Hemmnisse stehen dabei im Widerspruch zu den positiven Effekten für den Fortschritt der Energiewende. Allerdings kommt die Energieagentur Rheinland-Pfalz in einer aktuellen Studie zu dem Schluss, dass der Eigenverbrauch von Solarstrom für viele Unternehmen und Betriebe trotz aller Erschwernisse immer noch attraktiv sei.

Trotzdem müssten die zurzeit bestehenden Hemmnisse dringend abgebaut werden, um langfristig deutlich mehr Unternehmen zum Aufbau einer Eigenstromversorgung anzuregen. Es sind veraltete Passagen des Energierechts, die Unternehmen zurzeit noch an einer eigenen Energiewende hemmen. Dabei könnte das Klimaschutz-Engagement der Wirtschaft sehr leicht über den Kreis einzelner Pioniere ausgeweitet und somit auch die Chance für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle eröffnet werden. Mit der Wind- und Solarenergie stehen nämlich inzwischen Technologien zur Verfügung, die gerade auch für energieintensive Unternehmen lukrativ für den Aufbau einer eigenen Stromerzeugung sind.

Unterschiedliche Wege zu mehr Klimaschutz

Kleinere und mittelständische Unternehmen wissen oft nicht, welches Energie-Einsparpotenzial bei Ihnen schlummert. Auch ist das Thema der Energieeffizienz für sie derartig komplex, dass dafür oftmals keine Zeit investiert und lieber der Status Quo aufrechterhalten wird. Deshalb setzt sich die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) als unabhängiges und branchenübergreifendes Netzwerk von Unternehmen und Organisationen für eine ambitionierte und effektive Energieeffizienzpolitik ein. Denn trotz einer hohen politischen Unsicherheit sind einige Maßnahmen mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden.

Neben UnternehmensGrün oder der DENEFF gibt es aber noch zahlreiche weitere Initiativen, die aus der Wirtschaft heraus das Thema Klimaschutz vorantreiben. So wirbt zum Beispiel die Stiftung 2 Grad für einen Weg in eine kohlenstoffarme Wirtschaft. Unterstützt wird sie hierbei von Führungspersönlichkeiten deutscher Unternehmen, die sich alle mit dem Ziel identifizieren, die Klimaerwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken. Die Stiftung vertritt hierbei die Meinung, dass bei allen Unterschieden zwischen den Branchen auch die Spielräume und Herangehensweisen für den Weg in eine kohlenstoffarme Wirtschaft ganz unterschiedlich sein können.

Eine wichtige Rolle spielt auch der Bundesverband Erneuerbare Energie e.V (BEE). Als Dachverband der Erneuerbaren-Energien-Branche bündelt der BEE die Interessen von Verbänden und Unternehmen und macht sich in der Europa-, Bundes- und Landespolitik für den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien stark. Als Ziel gelten 100 Prozent Erneuerbare Energie in den Bereichen Strom, Wärme und Mobilität.

Der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management e.V. (B.A.U.M.) ist mit seinen über 500 Mitgliedern das europaweit größte Unternehmensnetzwerk für nachhaltiges Wirtschaften. Er sensibilisiert neben Unternehmen auch ganze Kommunen und Organisationen für den Umweltschutz sowie das nachhaltige Wirtschaften. Außerdem unterstützt B.A.U.M. die Wirtschaft bei der ökologisch wirksamen, ökonomisch sinnvollen und sozial gerechten Realisierung von Maßnahmen.

CO2 muss einen Preis bekommen

Auch wenn heutzutage praktisch kaum noch ein langfristig denkendes Unternehmen in fossile Energieträger wie Kohle investiert, spielen Themen wie Ressourcen- und Energiesparen in den meisten produzierenden Unternehmen weiter nur eine Nebenrolle, urteilt Katharina Reuter von UnternehmensGrün. „Mit Blick auf die Energiepreise für die Wirtschaft ist das wenig verwunderlich. Vor allem Strom ist so günstig wie lange nicht“, sagt Reuter. So werden für den CO2-Ausstoß heutzutage immer noch nicht die wahren Kosten angesetzt, die er verursacht. Höchste Zeit also, um nun endlich einen ehrlichen Preis für CO2 festzulegen.

Der europäische Emissionshandel schafft das schließlich seit Jahren nicht. „Wenn wir deutlich höhere CO2-Preise ansetzen, dann steigt auch das ökonomische Interesse der Wirtschaft“, so Reuter. Bisher übernehmen vor allem die Unternehmen eine Vorreiterrolle, die aus ökologischer Überzeugung handeln und sich mit Herzblut für den Klimaschutz einsetzen. Doch zukünftig muss sich das ändern, wenn wir bei der Energiewende wirklich erfolgreich sein wollen. Joschua Katz

   

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  1. Eitel Heck 22.11.2017, 12:30 Uhr
    Andere Länder orientieren beim Klimaschutz neben Windkraft und Photovoltaik auch auf andere EEG und auf Kernenegie.
    Die Technologien der Kernenergie sind hinsichtlich Sicherkeit und Effizienz extrem unterschiedlich.
    unkontrollierte Leistungsexkursionen beim Kernreaktor Tschernobyl
    Dieser Reaktor konnte nur mit Steuerstäben den positiven Temperaturkoeffizienten kontrollieren. Die freigesetzte Wärme musste ständig mit Steuerstäben nachgeregelt werden, deshalb unsichere Technologie.

    Fukushima mit dem Verlust der Fähigkeit zur Abgabe der Nachzerfallswärme
    Dieser Reaktor konnte die Nachzefallswärme nur durch aktives Pumpen entfernen. Fallen die Pumpen aus , kann der Reaktor trotz beendeter Kettenreaktion zerstört werden wie in Fukushima durch eingedrungenes Flutwellenwasser.

    deutsche Kernkraftwerke
    Diese Kernkraftwerke weisen eine deutlich verbesserte Sicherheit aus. Auch wenn die Pumpen versagen , kann die Nachzerfallswärme durch natürliche Konvektion aus dem Reaktor entfernt werden, passive Sicherheit.
    Die Wasserkühlung hat den Nachteil, dass nur eine begrenzte Menge Transurane zur Energieerzeugung gespalten werden und Atommüll mit Langzeitstrahlung zur Entsorgung in geologischen Endlagern anfällt.

    Flüssigsalzreaktoren/ Dual Fluid Reaktor
    Flüssigsalz und flüssiges Blei zur Kühlung.
    Der Flüssigbrennstoff ist die Grundlage, dass der Reaktor Thermostatcharakter hat. Er regelt sich selbständig auf eine bestimmte Arbeitstemperatur ein.
    Die Flüssigbleikühlung sichert im Zusammenhang mit dem Flüssigbrennstoff die fast vollständige Kernspaltung der Transurane bei Temperaturen von ca.1000 ° C, die für chemische Synthesen genutzt werden kann.
    Geringe Menge radioaktiver Reststoffe, die im Kraftwerk gelagert werden.
    Langstrahlender Atommüll kann zur Energieerzeugung eingesetzt werden.
    Der Schmelzstopfen unten im Reaktorgefäss löst sich bei unerlaubten Temperaturen auf mit Materialfluss in unterirdisches Auffangbecken,dadurch extrem sicher..

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