Als PowerShift 2010 gegründet wurde, waren Seltene Erden bereits ein Thema in den Nachrichten. So sprach beispielsweise das Handelsblatt von einem „Konflikt mit China“ und „Merkel eröffnet Kampf um Rohstoffe“. Der Grund damals: China drosselte die Exporte Seltener Erden – offiziell aufgrund von Umweltschäden und sozialen Protesten im Land.
Chinas Anteil an der Weltproduktion von Seltenen Erden lag 2010 bei über 90 Prozent. Schon damals war klar, dass diese Abhängigkeit riskant ist. 2026 sieht es nicht besser aus. Politik und Industrie haben die Zwischenzeit nicht genutzt, um den Rohstoffverbrauch zu senken, eine Kreislaufnutzung der Rohstoffe aufzubauen und echte Alternativen voranzubringen. Stattdessen wurden neue Abhängigkeiten geschaffen.
Als China 2025 erneut Exportkontrollen für Seltene Erden einführte, wurde deutlich, wie wenig seit der letzten Krise passiert ist: kaum alternative Minen, kaum relevante Verarbeitung außerhalb Chinas – und eine funktionierende Kreislaufwirtschaft für Seltene Erden oder Permanentmagnete? Fehlanzeige.
Wie tief dieses Versäumnis reicht, zeigte uns ein Gespräch im Frühjahr 2026. „Wir prüfen gerade, ob wir das Design so ändern können, dass wir die Seltenen Erden separat recyceln können“, sagte uns eine Vertreterin eines namhaften Automobilkonzerns. Nach Jahren der Rohstoffdebatte steht die Industrie vielerorts noch immer am Anfang. Im Mai 2026 wurde gar das Start-up Heraeus Remloy in Bitterfeld, das ausgediente Hochleistungsmagnete recycelte, an ein kanadisches Bergbauunternehmen verkauft. Die mangelnde Bereitschaft höhere Preise für Rohstoffe aus Deutschland zu bezahlen sind der Hauptgrund.
Diese politische und industrielle Ignoranz hat Folgen. Für Unternehmen und Beschäftigte in Deutschland, die erneut in eine Versorgungskrise geraten können. Vor allem aber für die Menschen in den Abbaugebieten. Ein besonders drastisches Beispiel ist Myanmar.
Archaisch anmutende Minen in Myanmar
Im vom Bürgerkrieg erschütterten Bundesstaat Kachin werden Seltene Erden in archaisch anmutenden Minen gewonnen. Es werden Löcher in Berghänge gebohrt und Chemikalien wie Ammoniumsulfat in den Boden gepumpt, um Metalle wie Terbium und Dysprosium herauszuwaschen.
Zurück bleiben vergiftete Böden, verschmutzte Bäche und Wasserquellen. Die Menschen vor Ort verlieren dadurch ihre Lebensgrundlagen. In der Region Pang War berichten Bewohner*innen von Hautausschlägen, Atemwegsproblemen und zerstörten Feldern. Immer wieder kommt es in den instabilen Abbaugebieten zu Erdrutschen. Allein im Juni 2024 starben dabei mindestens 22 Menschen.
Und wofür?
Für ein Wirtschaftsmodell, das den steigenden Rohstoffverbrauch fortschreibt: Statt weniger Ressourcen zu verbrauchen, werden immer neue Minen erschlossen, zum Beispiel für die Autoindustrie, etwa um immer größere Fahrzeuge zu produzieren, deren Nutzen sich immer weniger erschließt. Für einzelne Seltene Erden wie Terbium oder Dysprosium liegt der Weltmarktanteil von Myanmar bei bis zu 30 Prozent. Myanmar ist nur die erste Stufe der Wertschöpfungskette, also an der Stelle, wo nur wenig Werte geschöpft werden. Die Trennung der Materialien und die Weiterverarbeitung zu Magneten findet in China statt.
Dabei gäbe es Alternativen. Einige Zulieferer haben bereits Elektromotoren ohne Permanentmagnete entwickelt. Auch in der Windindustrie existieren technische Lösungen ohne Seltene Erden. Und Permanentmagnete könnten recycelt werden – wenn sie konsequent gesammelt und zurückgeführt würden.
Rohstoffe aus Abbau billiger als Recycling
Doch solange neue Rohstoffe aus zerstörerischem Abbau billiger sind als Recycling, setzen viele Hersteller weiter auf den einfacheren Weg. Die besseren Lösungen sind längst vorhanden. Was fehlt, sind politische Regeln, die Recycling und rohstoffsparende Technologien endlich zum Standard machen.
Gegen intransparente Lieferketten
Kann man nichts machen? Von wegen! Die Politik muss das Lieferkettengesetz konsequent umsetzen, statt es weiter zu schwächen. Unternehmen dürfen sich nicht hinter intransparenten Lieferketten verstecken, wenn ihre Rohstoffe aus zerstörerischem Abbau und Konfliktregionen stammen. Doch solche Veränderungen entstehen nicht von allein. Sie brauchen unabhängigen politischen Druck.
Genau dafür setzt sich PowerShift ein. Wir recherchieren die Folgen des Rohstoffabbaus, bringen die Perspektiven betroffener Menschen in die politische Debatte ein und zeigen auf, dass die Antwort auf die Rohstoffkrise nicht in immer neuen Minen liegt, sondern in weniger Rohstoffverbrauch, einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft und verbindlichen Menschenrechtsstandards.
Für eine Rohstoffpolitik, die Menschenrechte und Umwelt schützt – PowerShift unterstützen.



















































