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EU will Plastik-Flut eindämmen

Die beiden EU-Kommissare und Vizepräsidenten der EU-Kommission Jyrki Katainen und Frans Timmermans stellten am Dienstag in Straßburg die neue EU-Plastikstrategie vor. (Foto: © European Union / Elyxandro Cegarra)
Die beiden EU-Kommissare und Vizepräsidenten der EU-Kommission Jyrki Katainen und Frans Timmermans stellten am Dienstag in Straßburg die neue EU-Plastikstrategie vor. (Foto: © European Union / Elyxandro Cegarra)

Die EU-Kommission setzt ein starkes Zeichen gegen Umweltverschmutzung mit Plastik. Bis 2030 sollen Plastikverpackungen recycelbar sein, die Abfälle reduziert und die Kreislaufwirtschaft angekurbelt werden. Sogar eine Plastik-Steuer ist im Gespräch.

18.01.2018 – „Wir müssen verhindern, dass Plastik in unser Wasser, unser Essen und sogar unsere Körper kommt“, sagte Kommissionsvizepräsident Frans Timmermans bei der Vorstellung der neuen EU-Plastikstrategie am Dienstag in Straßburg. Die einzige langfristige Lösung bestehe darin, Kunststoffabfälle zu reduzieren, indem wir sie verstärkt recyceln und wiederverwenden. Das ist das Kernelement der Strategie: Es muss viel mehr recycelt und wiederverwendet werden als bisher. Zudem soll Mikroplastik in Kosmetika und Waschmitteln verboten werden.

Nach Angaben der EU-Kommission erzeugen die Europäer jedes Jahr 25 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle, wovon weniger als 30 Prozent für das Recycling gesammelt werden. Die übrigen 70 Prozent landen in der Umwelt, auf Müllkippen oder in Verbrennungsanlagen. Wertvolle Rohstoffe werden also nicht wiederverwendet, stattdessen müssen aufwändig neue Plastikprodukte hergestellt werden.

Nur fünf Prozent werden wiederverwendet

Nur fünf Prozent der in der EU verwendeten Plastikverpackungen werden mehr als einmal verwendet, schätzt die EU-Kommission. Der Rest geht also nach einer sehr kurzen Erstanwendung verloren, das kostet der Volkswirtschaft schätzungsweise 70 bis 105 Milliarden Euro pro Jahr. „Das kann sich Europa nicht leisten“, stellen die Kommissare fest.

Die neue Plastikstrategie soll nicht nur auf die Umweltprobleme eine Antwort finden, sondern Recycling zu einem lohnenden Geschäft machen. Derzeit lohne sich das Plastik-Recycling vor allem nicht, weil es in Europa keine einheitlichen Qualitätskriterien gebe, sagte Jyrki Katainen in Straßburg. Der Wachstumskommissar hofft auf bis zu 200.000 neue Jobs in den kommenden zwölf Jahren.

Chinas Importstopp setzt Europa unter Druck

Die europäische Abfallwirtschaft steht unter Druck, nachdem China seit Anfang des Jahres seine Rolle als Mülldeponie der Welt aufgegeben hat und kaum noch Plastikmüll ins Land lässt. Die Europäer können ihren Plastikabfall also nicht mehr so einfach exportieren.

Die neue Lage sei eine Herausforderung für die EU, aus der man nun eine Gelegenheit machen müsse, sagte Kommissionsvize Timmermans. Die EU-Kommission sieht deshalb eine große Chance für die europäische Industrie, eine weltweite Führungsrolle bei neuen Technologien und Materialien zu übernehmen. Deshalb gibt es zusätzliches Geld zur Entwicklung intelligenterer Recyclingverfahren und recyclingfähigerer Kunststoffe. Zu den bereits zugesagten 250 Millionen Euro sollen weitere 100 Millionen kommen.

Eine Plastik-Steuer gilt als unwahrscheinlich

Die von Haushaltskommissar Günther Oettinger ins Spiel gebrachte Plastik-Steuer steht allerdings auf der Kippe. Sowohl Timmermans als auch Katainen zeigten sich skeptisch. Dabei hat teureres Plastik erst kürzlich Wirkung gezeigt: Die EU-Richtlinie gegen Einmalplastiktüten hat bewirkt, dass in der gesamten Union weniger Plastiktüten verwendet werden, in Deutschland sank der Verbrauch 2016 um ein Drittel. Dennoch waren es noch immer 3,7 Milliarden Einmalplastiktüten.

„Ohne Plastik können wir nicht leben“, sagte Timmermans. „Aber es kann uns töten, wenn wir unsere Politik nicht ändern.“ cw

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