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Giftiger Bohrschlamm sorgt für Entsorgungsprobleme

Eine Schlammgrube in der Bakken-Formation, North Dakota. Die Endlagerung von Bohrschlamm in Untertage-Giftmülldeponien ist eine kaum lösbare Mammutaufgabe. (Foto: © Joshua Doubek, commons.wikimedia.org/wiki/File:Mud_Pitt.JPG, CC BY-SA 3.0)
Eine Schlammgrube in der Bakken-Formation, North Dakota. Die Endlagerung von Bohrschlamm in Untertage-Giftmülldeponien ist eine kaum lösbare Mammutaufgabe. (Foto: © Joshua Doubek, commons.wikimedia.org/wiki/File:Mud_Pitt.JPG, CC BY-SA 3.0)

Vermutlich sind mehr als 1.400 Bohrschlammgruben mit hochgiftigen und teilweise krebserregenden Rückständen sanierungsbedürftig. Die Probleme bei der Beseitigung der Bohrschlämme sind gewaltig – eine bundesweite Entsorgungsstrategie ist erforderlich.

08.03.2016 – Mehrere Jahrzehnte lang wurden die giftigen Bohrschlämme direkt bei den Förderorten vergraben. Die Rückstände aus den Bohrschlammgruben der Eröl- und Gasindustrie gelten heute jedoch als gefährlicher Sonderabfall, der oft nicht nur Öl-Rückstände, sondern auch Schwermetalle wie Quecksilber und Arsen enthält. Bundesweit gibt es laut WDR mindestens 1.400 Bohrschlammgruben. Davon befinden sich die meisten in Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Um die Schlämme richtig entsorgen zu können, „müssten die in einer Untertagedeponie sicher endgelagert werden“, erklärt der Umweltwissenschaftler Wolfgang Calmano gegenüber dem WDR.

Doch genau hier liegt das Problem. Eine Endlagerung in Untertage-Giftmülldeponien ist aufgrund der Menge an Bohrschlämmen technisch und finanziell kaum zu bewerkstelligen. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) geht davon aus, dass allein in den 40 Bohrschlammgruben, die von der Behörde kontrolliert wurden, über 1,9 Millionen Tonnen des hochgiftigen Abfalls lagern. Rechnet man diese Schätzung auf das gesamte Bundesgebiet hoch, so müssten etliche Millionen Tonnen an Bohrschlamm in alten und unzureichend gesicherten Gruben lagern.

Bundesweite Lösung für Entsorgungsprobleme erforderlich

Bislang ist unklar, welche Gruben wirklich saniert werden müssen und wie viel giftiger Bohrschlamm insgesamt anfällt. Nach Angaben von WDR und NDR wurde bereits vielerorts mit der Sanierung begonnen. Demnach konnten in den vergangenen zehn Jahren etwa 720.000 Tonnen Giftmüll aus drei Gruben in Niedersachsen geborgen werden. Aufgrund fehlender regionaler Deponien mussten die Bohrschlammabfälle jedoch nach Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz transportiert werden.

Thomas Buch vom Landesumweltministerium in Nordrhein-Westfalen rechnet damit, dass NRW auch zukünftig der Hauptabnehmer von Bohrschlamm sein wird. „Nordrhein-Westfalen ist aufgrund seiner jahrzehntealten Industriekultur mit Entsorgungseinrichtungen ausgestattet. Und vor dem Hintergrund haben wir hier die entsprechenden Kapazitäten, die Niedersachsen nicht vorhält", so Buch.

Direkt betroffene Anwohner wehren sich jedoch gegen derartige Pläne. Als die Firma Remondis von einigen Jahren ankündigte, zehntausende Tonnen des Giftmülls nach Köln zu bringen, sorgte dies für Proteste: „Wir sind nicht die Giftmüllkippe der Nation“. Eine andere Lösung für die Entsorgung des hochgiftigen Bohrschlamms ist daher zwingend erforderlich. Eine Lagerung Untertage wird vermutlich ziemlich teuer werden. Jedoch sind es die Öl- und Gasunternehmen, die nach dem Verursacherprinzip dafür aufkommen müssen. jk

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