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Rhein und Nordsee stark mit Mikroplastik belastet

Eine der Proben aus dem Rhein bei Duisburg enthielt über 65 Prozent opake Mikroplastikkügelchen, hier in 15-facher Vergrößerung dargestellt. Der Durchmesser der Kügelchen beträgt zwischen 0,4 und 0,9 Millimeter. (Foto: Universität Basel, Thomas Man
Eine der Proben aus dem Rhein bei Duisburg enthielt über 65 Prozent opake Mikroplastikkügelchen, hier in 15-facher Vergrößerung dargestellt. Der Durchmesser der Kügelchen beträgt zwischen 0,4 und 0,9 Millimeter. (Foto: Universität Basel, Thomas Mani)

Der Rhein gehört zu den am stärksten mit kleinen Plastikteilchen verunreinigten Flüssen weltweit, das berichten Forscher der Universität Basel. Den Untersuchungen zufolge trägt der Rhein täglich über 191 Millionen Plastikteilchen in Richtung Nordsee.

10.12.2015 – Auf einer Strecke von 820 Kilometern entnahmen die Forscher dem Rhein an elf Standorten insgesamt 31 Wasserproben. Das Ergebnis der Studie: Zwischen Basel und Rotterdam finden sich mit die höchsten Konzentrationen von Mikroplastik, die je in Meereszuflüssen gemessen wurden. Der gemessene Durchschnittswert lag bei 892.777 Partikeln pro Quadratkilometer (4.960 Partikel pro 1.000 Kubikmeter). Als Mikroplastik gelten Plastikteile unter 5 Millimetern. Sie entstehen oft bei der Kunststoffherstellung oder werden als Granulat in Reinigungs-und Pflegeprodukten verwendet. In den Weltmeeren treiben riesige Plastikinseln mit unterschiedlich großen Plastikpartikeln umher. Experten gehen davon aus, dass etwa 80 Prozent des Plastiks durch Flüsse wie den Rhein in die Weltmeere gelangt.

Auffallend an den Untersuchungen der Baseler Forscher ist, dass in der Rhein-Ruhr-Region die Belastung besonders hoch ist. In Rees am Niederrhein wurde der Höchstwert von 3,9 Mio. Plastikpartikeln pro Quadratkilometer gemessen. Insgesamt bilden die Ergebnisse sehr gut die größten Umweltbelastungen entlang des größten deutschen Flusses ab. Wo Industrieanlagen und Stadtzentren sowie Kläranlagen und Schleusen liegen, ist die Mikroplastik-Konzentration deutlich höher. Ebenso lassen sich so die Strömungsverhältnisse abbilden. Zwischen Basel und Mainz gibt es dabei die geringste Belastung.

Herkunft ist ungeklärt

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Verschmutzung des Rheins mit Mikroplastik erheblich ist“, so die Leiterin der Studie, die Biologin Prof. Patricia Holm vom Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel. „Gehen wir von der mittleren Mikroplastik-Konzentration am Tag der Probenahme in Rees aus, trägt der Rhein täglich eine Fracht von mehr als 191 Millionen Plastikteilchen in Richtung Nordsee, und das allein an seiner Oberfläche.“ Jedes dieser Milliarden an Plastikteilchen könne von Organismen aufgenommen werden und schädliche Auswirkungen haben, so die Forscher. Die Plastikteile gelangen so in die Nahrungskette, landen im Magen von Tieren und besonders Vögeln und Fischen.

Die gefundenen Mikroplastikteilchen aus Polyethylen, Polypropylen und Polystyrol fallen weltweit in großer Zahl in Industrie und Produktion an und weisen eine geringe Dichte auf. Sie werden z.B. für Verpackungen, im Fahrzeugbau und der Innenausstattung verwendet. In Gewässern kommen sie in Form von „opaken und transparenten Kügelchen wie auch von Fragmenten und Fasern“ vor, so die Forscher. „Auffallend ist der enorm hohe Anteil von bis zu über 60 Prozent Mikrokügelchen in gewissen Flussabschnitten, deren Herkunft und Zweck noch weitgehend unklar ist“, fasst Thomas Mani, vom Departement Umweltwissenschaften die beunruhigenden Ergebnisse zusammen. cw

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