Endlager für radioaktive Abfälle: Atommüll nicht unter den Teppich kehren

Unsichere Zwischenlager, kein langfristiger Gesamtplan – ein Bündnis an Organisationen kritisiert das Atommüll-Entsorgungsprogramm der Bundesregierung als mangelhaft und fordert, Probleme wie undichte Atommüllfässer klar zu benennen und zu lösen.
04.08.2025 – Atommüll muss über Jahrhunderte eingelagert werden. In Deutschland wurde noch kein Endlager gefunden – und die Suche wird sich laut einer Regierungsstudie wohl bis 2074 ziehen. Ursprünglich war geplant, den deutschen Atommüll bis 2031 endzulagern.
Mit 1.144 Millionen Euro wurde fast die Hälfte des Budgets des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit im vergangenen Jahr für die Zwischen- und Endlagerung radioaktiver Abfälle eingesetzt. Damit fließt mehr als doppelt so viel Geld in Atommüll wie in Umwelt-, Natur,- und Verbraucherschutz zusammen. Für die Zwischenlagerung gibt trotzdem keine akzeptable Lösung. Eine Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fand erhebliche Mängel in allen Zwischenlagern, in denen teils hochradioaktive Abfälle untergebracht sind.
Die Lagerung für radioaktive Abfälle muss endlich langfristig gelöst werden, fordert ein Bündnis von Organisationen, darunter .ausgestrahlt, die Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad und der BUND in einer gemeinsamen Stellungnahme. Darin wird kritisiert, dass das Nationale Entsorgungsprogramm (NaPro) ungelöste Fragen und vorhandene Probleme im Umgang mit den radioaktiven Abfällen weitgehend ausblende. „Lecke Atommüllfässer kommen ebenso wenig vor wie Brennelemente-Zwischenlager ohne Genehmigung“, heißt es in der Stellungnahme, die die Organisationen gemeinsam im Rahmen der bundesweiten Atommüllkonferenz erarbeitet haben.
Strahlenschutz ernst nehmen
Sie fordern ein umfassendes Konzept, das die Probleme der Lagerung anerkennt und mit der Suche nach Lösungen beginnt. So wird u.a. gefordert, dass umgehend ein Standortauswahlverfahren für die tiefengeologische Lagerung aller schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingeleitet wird – nicht erst in den 2050er Jahren wie derzeit vorgesehen. Auch die Zwischenlagerung müsse dringend überholt und an verlängerte Lagerungsdauer, erhöhte Sicherheitsanforderungen und sich verschärfende Bedrohungslagen angepasst werden. Zwischenlagerung ohne Genehmigung, wie sie derzeit beispielsweise in Jülich und Brunsbüttel betrieben wird, sei umgehend zu beenden und die Atomfabriken in Lingen und Gronau zu schließen.
„Statt ein solides Gesamtkonzept zu erarbeiten, setzt die Bundesregierung in ihrem Atommüll-Entsorgungsprogramm auf ein Weiter-So. Dabei gehen aktuelle Zeitabschätzungen davon aus, dass der Müll noch sehr lange oberirdisch zwischengelagert werden muss“, kritisiert Juliane Dickel, BUND-Expertin für Atompolitik. „Die Probleme durch alte Lagergebäude, Behälter und die darin gelagerten Brennelemente wachsen, geopolitische Bedrohungen verändern sich.“ Die Bundesregierung müsse jetzt alle Fragen für ein bundesweites tragfähiges Atommüll-Gesamtkonzept auf den Tisch legen und sie gemeinsam mit den Betroffenen diskutieren. „Der Schutz vor radioaktiver Strahlung muss oberste Priorität erhalten.“
Ungeeignete Endlager aufgeben
Die Organisationen kritisieren auch, dass für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zu niedrige Maßstäbe angesetzt werden. Als Beispiel dient das Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter, das die Anforderungen an ein Endlager nicht erfülle.
„Im NaPro wird komplett ausgeblendet, dass hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Ganz entscheidend ist zum Beispiel der fehlende einschlusswirksame Gebirgsbereich, der den Atommüll allseitig wirksam und sicher einschließen soll. Auch wird nicht thematisiert, dass die wasserrechtliche Zulassung der Abfälle für Schacht KONRAD fehlt“, erklärt Marianne Neugebauer, Geschäftsführender Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD. „Dabei bedeutet das, dass es aktuell kein einziges Fass gibt, das eingelagert werden darf.“ Im NaPro werde fortgesetzt, was sie bei Schacht KONRAD seit Jahrzehnten erlebten: Die vorhandenen Probleme würden nicht benannt und die entsprechenden Konsequenzen nicht gezogen. „Anstatt weiter Geld im ungeeigneten Schacht zu versenken, muss das veraltete Projekt endlich aufgegeben werden und jetzt mit der Suche für ein Endlager für alle schwach- und mittelradioaktiven Abfälle begonnen werden“, fordert Neugebauer.
Einen Entsorgungsplan machen
Deutschland ist über die EU verpflichtet, alle 10 Jahre ein aktualisiertes Nationales Entsorgungsprogramm vorzulegen, das aufschlüsselt, wie der nationale Atommüll entsorgt werden soll. Die erste Aktualisierung steht in diesem Jahr an.
Zu diesem Anlass übergaben die Organisationen vergangene Woche die Stellungnahme, die bisher etwa 2800 Bürger:innen unterzeichnet haben, sowie mehrere hundert Einzelstellungnahmen an das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die Endlagersuche und der Produktionsstopp nuklearen Materials in Deutschland sind die letzten Schritte auf dem Weg des Atomausstiegs. jb




















































